Schreibkick #31: Sommerflirren

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Gerhard der Grashüpfer, Teil 2

Gerry stöhnte vor Schmerz, als er langsam wieder zu sich kam. Nur nach und nach kam die Erinnerung an die letzten Minuten zurück. Er war gefallen. Scheinbar endlos ging es nach unten, Gischt spritzte, vernebelte seinen Blick. Dann der Aufprall. Gerry konnte sich nicht erinnern, aber es musste einen gegeben haben. Jetzt lag er hier am Flussufer. Harmlos plätscherte das Wasser vor sich hin. Kaum zu glauben, dass es eine solche Kraft entwickeln konnte.
Mühsam setzte Gerry sich auf und blickte sich um. Die Sonne brannte unbarmherzig von oben herab. Der Wasserfall war bereits ein ganzes Stück entfernt. Das Wasser musste ihn noch eine Weile mitgerissen haben, bevor es ihn hier am Ufer angespült hatte. Die Welt um ihn herum war flach und staubig. Ganz anders, als der Wald, den er kannte. Kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm wuchst dort, wo Gerry sich befand. Erst in einiger Entfernung konnte er wieder einen grünen Streifen entdecken. Gerry kniff die Augen zusamen. Er konnte es nicht wirklich deutlich erkennen. Die Farben schienen vor seinen Augen zu verschwimmen. Direkt vor ihm lag flacher, fast schwarzer Stein. Undeutlich konnte er sehen, dass er sich auch den Berg hinauf schlängelte, an dessen oberen Ende sich der Wald der Grashüpfer befand. Das musste eine dieser Straßen sein, von denen die anderen oft redeten. Doch von den rasenden Ungetümen, durch die immer wieder Insekten zu Tode kamen, konnte Gerry keines entdecken. Vorsichtig setzte er einen Fuß auf die Straße, zog ihn aber direkt wieder zurück. Der Boden war heiß. Was sollte er tun? Eigentlich blieb ihm nichts weiter übrig, als sich auf den Weg nach Hause zu machen. Beim Anblick des großen Hügels seufzte er. Das konnte dauern.

Schritt für Schritt trottete er neben der Straße her und beobachtete das flirren der Luft über dem Asphalt, als auf einmal Henry dort auftauchte. Er lächelte, winkte ihm zu, und war dann wieder verschwunden. Gerry runzelte die Stirn und rieb sich die Augen. Da war er wieder! Zusammen mit Markus, Karin und Elisabeth. Sie alle tanzten auf einem kleinen Flecken grüner Wiese mitten auf der Straße. Karin hielt inne und zwinkerte ihm zu. Gerry blieb stehen. Er konnte sein Glück kaum fassen. So schnell es ging, rannte er los. Die Hitze des Bodens war ihm jetzt egal. Er wollte zu den Anderen. Er lief und lief. Doch es schien fast so, als rückten die anderen immer weiter von ihm weg. Mal verschwanden sie und tauchten an anderer Stelle wieder auf, mal liefen sie eine Weile vor ihm her. „He, wartet!“, rief er. Doch sie hörten nicht auf ihn. Sie stoben auseinander, als er sie fast erreicht hatte und erschienen lachend und tanzend ein paar Meter weiter erneut. Gerry war bereits komplett außer Puste, als er ein Gackern neben sich hörte. Er blieb stehen und wandte sich um. Am Straßenrand saß eine zerzauste Katze. Gerry gefror das Blut in den Adern.
„Na, hat das Sommerflirren dich verwirrt?“
Vorsichtig lief Gerry einige Schritte rückwärts. Er wollte nicht als Mittagessen dieser Kreatur enden.
„Keine Sorge. Ich fress‘ dich nicht. Hatte heut‘ schon ’ne Maus. An dir is‘ ja nix dran.“

Das Thema für den 01.09.2016 lautet: Die Hummel

Dieses Mal waren dabei:
Veronika
Eva
SurfYourInspiration

Kategorie: Schreibkick-Texte

2 Kommentare zu “Schreibkick #31: Sommerflirren

  1. […] Sabrina […]

  2. Hallo Sabrina!

    Und wieder muss ich warten, wann und ob Gerry seine Familie finden wird …
    Ich bin schon gespannt, ob nächstes Mal eine Hummel eine Rolle in Gerrys Leben spielen wird.

    Als die zerzauste Katze in deiner Geschichte auftauchte, hatte ich unsere früheren Bauernhofkatzen vor meinem geistigen Auge, die nicht nur einmal Grashüpfer gefangen haben.
    Wie gut, dass die deine schon eine Maus hatte. 😉

    Danke und flirrende Grüße,
    Veronika

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