Schreibkick #41: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

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Halli hallo,

es ist wieder Schreibkick-Zeit. Meiner ist kurioser geworden, als ich es mir beim Ausdenken des Themas hätte vorstellen können. Wer mich kennt, weiß, dass ich Verschwörungstheorien sehr gerne habe … Aber lest selbst 😀

Kuriose Geschichten aus dem Freibad

»Ja? Was gibts?« Joe hatte die Tür aufgerissen und sah mich an, als hätte ich ihn bei irgendwas ertappt.
»Ähm. Ich wollte dich nur fragen, ob du eine Schere hast. Ich finde meine in dem Umzugschaos nicht.«
»Klar, warte kurz.« Er drehte sich um, lehnte die Tür an und begann, den Geräuschen nach zu urteilen, in seinen Sachen zu kramen. Als die Tür von selbst wieder ein wenig aufschwang, konnte ich einen Blick in sein Zimmer erhaschen. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass mein Mitbewohner mich noch nie hineingebeten hatte. An seiner Wand hing ein großes Poster. Ich konnte einige Politiker, aber auch Promis darauf erkennen. An oberster Stelle die deutsche Bundeskanzlerin, darunter der amerikanische Präsident, dann amerikanische Promis, der russische Präsident und deutsche Comedians. Leider konnte ich die Überschrift nicht lesen. Neugierig stupste ich die Tür ein wenig an, zuckte im selben Moment aber zusammen. Vielleicht war es nicht so klug, seinen neuen Mitbewohner gleich am zweiten Tag zu verärgern. Doch Joe war über den Schreibtisch gebeugt und hatte nichts bemerkt. Ich trat einen kleinen Schritt nach rechts, um das Poster in seiner vollen Größe betrachten zu können. »Reptiloide« stand in großen Buchstaben darauf. Ich runzelte die Stirn.
In dem Moment fuhr Joe herum. Als sich unsere Blicke trafen, erschrak er. Hastig eilte er zur Tür und drückte mir die Schere in die Hand.
»Viel Spaß damit«, meinte er und schloss die Tür. Unentschlossen starrte ich auf das Holz. Dann klopfte ich. Meine Neugier war geweckt.
Zunächst reagierte Joe nicht. Doch dann hörte ich seine Schritte, die sich näherten, kurz darauf erschien sein Gesicht im Spalt. »Brauchst du noch was?«
»Nein. Ähm. Ich wollte eigentlich nur wissen, was das da für ein Poster ist.«
Joe kaute auf seiner Unterlippe. »Also gut. Komm rein.«
Er ließ mich ein. Die Regale an seinen Wänden reichten bis unter die Decke und waren mit Büchern, Ordnern und losen Blättern vollgestellt. Dazwischen standen seltsame Kunstobjekte. Drachen, nackte Frauen, Dreiecke mit Kreisen. Nichts davon hatte ich jemals zuvor gesehen.
»Willkommen in meinem Reich«, meinte Joe und setzte sich auf ein dunkelbraunes Sofa, das den Anschein erweckte, als würde es von den Regalen neben sich erdrückt.
»Was ist das hier alles?«, fragte ich.
»Meine bescheidene Sammlung.«
»Von was?«
»Irgendwie von allem.«
Ich brauchte ein paar Sekunden, um mich von den Regalen loszureißen und mich meinem Mitbewohner zuzuwenden. »Und was ist mit dem Poster?«
Joe atmete tief durch. »Ach das … das ist … hast du den Begriff Reptiloid schon mal gehört?«
»Nein.«
»Es gibt da so eine Theorie, die besagt, dass es seit vielen Jahrhunderten bereits extraterrestrisches Leben auf der Erde gibt. Sie erforschen uns, haben uns unterwandert und führen teilweise sogar Handel mit den Menschen.«
Unweigerlich musste ich grinsen. »Und wie soll das gehen, ohne, dass wir es merken?«
»Gestaltwandler«, sagte Joe.
»Gestaltwandler«, wiederholte ich.
»Ja.« Er seufzte erneut. »Es ist schwer, das zu erklären, wenn sich jemand noch nicht lange damit beschäftigt hat. Aber überleg mal: Unsere Erde gibt es seit 4,6 Milliarden Jahren. Vor ca. 2 Millionen Jahren entstanden die ersten Vorfahren der Menschen. Vor 250.000 Jahren der Homo Sapiens. Und in den letzten Jahrzehnten haben wir uns technologisch unglaublich weiterentwickelt. Der Flug zum Mond, Computer, Smartphones. Das ging alles unheimlich schnell. Setzt man voraus, dass es das Universum noch viel länger gibt, als unsere Erde, müsste es jede Menge anderer Planeten mit Leben geben, die bereits Jahrhunderte vor uns auf unserer Entwicklungsstufe gewesen sein müssen – und die inzwischen viel weiter sind als wir. Warum also, sollte es keine davon bisher bis zu uns geschafft haben? Es gibt Ufosichtungen. Wir haben Videos. Aber die Regierungen halten sie klein, vernichten Beweisen, dementieren. Damit es keiner mitbekommt.«
»Und warum verschweigen sie es vor uns?«
»Weil sie selbst diese Reptiloiden sind. Sie haben die einflussreichen Familien auf dieser Welt unterwandert.«
»Und das glaubst du wirklich?« Ich konnte die Verwunderung in meinem Tonfall nicht verbergen.
Joe kratzte sich am Kopf, zögerte. »Ich glaube es nicht nur, ich weiß es.«
»Aha.«
»Du hast Glück. Ich kann es dir sogar beweisen. In ein paar Tagen.«
»Und wie?« Ja – ich hielt ihn für verrückt. Und trotzdem wollte ich wissen, was mit dieser Verrückte zu sagen hatte.
»Das kann ich dir erst dann zeigen.«
»Okay, da bin ich aber gespannt.«

Wir saßen im Gebüsch des Strandbads Jungfernheideteich und beobachteten die Umkleidekabinen. Es war Mitternacht und mir war kalt. Außer uns war niemand hier. Schon am frühen Abend hatten wir die Umzäunung überstiegen. Joe hatte gesagt, das sei wichtig. Kurz darauf würden nämlich Wachen eintreffen, welche jeglichen Einbruch verhindern sollten. Ich fragte ihn, ob sie nicht auch im Bad patrouillieren würden. Er sagte nein. Auch sie dürften schließlich nicht wissen, was hier vor sich ging.
Plötzlich stieß Joe mich an und zeigte auf eine der Kabinen. Eine Tür hatte sich geöffnet. Komisch. Ich hatte niemanden hineingehen sehen.
»Es gibt einen Tunnel«, verriet er mir.
Ich fragte nicht weiter, denn in diesem Moment verließ eine Frau die Kabine. Mir bleib die Luft weg, als ich sie erkannte. Es war die deutsche Bundeskanzlerin. Ihr folgte ein Mann mit hellem Haar. Ich blinzelte. Doch. Das war er: der amerikanische Präsident, der momentan auf Deutschlandbesuch war. Zielsicher steuerten die beiden auf das Wasser zu und ließen dabei ihre Kleider fallen. Dann geschah etwas, das ich bis heute nicht verarbeitet habe. Sie verwandelten sich. Sie verwandelten sich in etwas Echsenartiges. Das Ganze geschah sehr elegant. Sie ließen sich einfach nach vorne fallen. Und als sie unten aufkamen, federten sie den Sturz spielend leicht mit ihren Vorderbeinen ab. Dann gaben sie irgendwelche Geräusche von sich – es klang wie ein Mix aus Schlangenzischen und Delfinklackern – und verschwanden im Wasser.
Mit großen Augen starrte ich auf die Wasseroberfläche. Immer wieder tauchten sie auf und unter, spielend leicht.
»Warum weiß davon keiner?«, flüsterte ich.
»Weil es keiner glaubt.«
»Und warum zeigt ihr das keinem?« Joe hatte mir erzählt, dass es viele Menschen auf der Welt gab, die Bescheid wussten.
»Naja, sie vereiteln alle Pläne, das Wissen einer größeren Masse zugänglich zu machen und schaffen es, uns als naive Verschwörungstheoretiker dastehen zu lassen.« Ich konnte Joe kaum verstehen, so leise redete er.
»Und warum hindert uns heute keiner daran?«
»Ein einzelner Mensch ist nicht wichtig genug«, lautete seine kurze Antwort.
Wir beobachteten das Treiben noch eine ganze Weile. Erst nach einer halben Stunde kamen die beiden wieder aus dem Wasser. Fließend verwandelten sie sich zurück, sammelten auf dem Rückweg ihre Klamotten ein und verschwanden wieder in der Kabine, aus der sie gekommen waren. Joe bedeutete mir, noch eine Weile sitzen zu bleiben. Wir mussten warten, bis die Wachen draußen verschwunden waren. Ich starrte noch eine Weile auf die Wasseroberfläche und war mir jetzt schon nicht mehr sicher, ob ich das Ganze soeben wirklich beobachtet hatte.

+++

Es gibt übrigens tatsächlich ganz wunderbare „Beweisvideos“ über die Existenz dieser Wesen. Unter anderem von Jürgen von der Lippe. Jaa, er ist einer von ihnen 😀 Gebt mal „Reptiloid“ bei Youtube oder Google ein – das macht wirklich große Freude 😉 Für alle Facebooknutzer empfehle ich zur weiteren Info „Der goldene Aluhut“ <3

Liebe Grüße,
Sabi

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Nicole
Veronika
Rina.P
Corly

Das Thema für den 01.06.2017 lautet: Hitze

Kategorie: Schreibkick-Texte

16 Kommentare zu “Schreibkick #41: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

  1. Super Geschichte, danke 🙂

    Alles Liebe
    Eva 🙂

  2. […] Frau Vro habe ich auch eine schöne Schreibaktion entdeckt – Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am […]

  3. Super – Eine tolle Idee. Da könnte ich gerade aufspringen…bin auch so eine Verschwörungstheoretikerin. Schau mal das an…
    https://youtu.be/DDMmYUOrIuM

    Bin das erste mal dabei. Komme aber jetzt öfter..Liebe Grüsse
    Hier meins – habe zwei geschrieben. War schwer motiviert 🙂

    https://geschichtszauberei.wordpress.com/2017/05/01/schreibkicks-kuriose-geschichten-aus-dem-freibad/

    • Hallo liebe Rina,

      cool! Freut mich, dass du dabei bist!
      Ich werde mir deine Texte nachher durchlesen 🙂
      Danke für die Links 😀

      Lg,
      Sabi

  4. Oh, grausame Bilder hast du da in meinen Kopf gesetzt. Wie konnte uns das nur bisher entgehen?
    Herzlichen Dank für die gruselig-amüsante Geschichte.
    LG, Veronika

    • Hallo liebe Vro 🙂

      Tjaaaa, habt ihr wohl bisher nicht genau genug hingeschaut. Wenn mans mal weiß, ist es doch offensichtlich, oder? 😉
      Freut mich, wenns gefällt!

      Lg,
      Sabi

  5. […] haben Nicole Eva Sabrina Corly […]

  6. Huhu,

    owei, die Geschichte hat es in sich. Schon ein wenig gruselig. Aber logisch.

    LG Corly

    • Hihi, dankeschöööön 🙂

  7. Liebe Sabi,

    super – da geistert mir ja jetzt alles mögliche und Unmögliche durch den Kopf! Und ich hätte natürlich gerne eine Fortsetzung! Toll, auf was Du immer alles kommst. 😀
    LIebe Grüße
    Nicole

    • Huhu liebe Nicole,

      so solls sein … *Gedanken ins Hirn setz*. Mal sehen, ob es irgendwann eine Fortsetzung geben wird.

      Liiiebe Grüße zurück,
      Sabi

  8. […] Eva Sabi Rina P. […]

  9. […] Sabine – Hitze […]

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