Schreibkick #44: Strandparty unter Vollmond

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Hallo ihr lieben,

es ist wieder Schreibkick-Zeit. Bei mir ist wieder eine Fortsetzungsgeschichte draus geworden.

Strandparty unter Vollmond

Strandparty unter Vollmond
Samstag, 21 Uhr, Bootshaus

Sprachlos starrte ich auf den Zettel. Dann knüllte ich ihn zusammen und warf ihn in den Papierkorb neben meinem Schreibtisch. Samstag. Das war heute. Da wollte mich doch nur wieder jemand verarschen. Ich war seit der Grundschule auf keine Party mehr eingeladen worden. Mit jemandem wie mir, einer verpickelten, schwer übergewichtigen 16-jährigen wollte keiner was zu tun haben. Warum auch? Ich konnte mich ja selber nicht leiden. Ich bekam selten blöde Sprüche zu hören. Vordergründig waren die meisten Menschen nett und tolerant. »Jeder so, wie er sich wohlfühlt«. Das dumme war nur, dass ich mich 1. nicht wohlfühlte und 2. die Wahrheit an ihren Gesichtern sah. Ich sah, wie sie mich musterten, wenn ich vorbei lief. Wenn ihr Blick erst auf meine runden Hüften und dann auf mein aufgequollenes Gesicht fiel. Ich beobachtete aus den Augenwinkeln, wie sie sich nach mir umdrehten. Hörte hinter meinem Rücken, wie sie plötzlich zu kichern anfingen oder ungläubig über meine Figur stöhnten. All das bekam ich mit. Und es machte mich traurig. Dann versuchte ich, mir zu sagen, dass mir das egal sei. »Jeder so, wie er sich wohlfühlt«, und aß eine Pizza mit Käserand. Wenn ich dann vollgegessen und mit fettigen Fingern auf meinem Sofa saß, hasste ich mich wieder dafür und schob aus Frust eine Tüte Chips hinterher. Dann versuchte ich es mit einer Diät. Ich hatte schon beinahe alles probiert. Aber auch das frustrierte mich immer so, dass ich hinterher wieder 5 Kilo zunahm. Also habe ich das mit den Diäten auch aufgegeben. Warum also, sollte mich jemand auf eine Strandparty einladen?
Eine Lösung gab es vielleicht noch. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und begann zu tippen.

Miley:
»Hast du auch so eine Einladung zur Strandparty bekommen?«

Hanna:
»Ja. Gehst du hin?«

Miley:
»Weiß nicht. Wenn du gehst?«

Hanna:
»Wenn du mitkommst, gehe ich hin.«

Ich überlegte kurz. Mit Hanna konnte es lustig werden. Und falls nur die ganzen Surferboys da sein sollten und es uns zu blöd wurde, konnten wir ja wieder umdrehen.
Miley:
»Okay. Dann gehen wir wohl hin.«

Hanna war die Einzige mit der ich mich ab und zu traf. Sie war in meiner Parallelklasse und auch dick. Aber nicht so schlimm wie ich. Sie wurde sogar manchmal angeflirtet von Jungs, was sie mir dann grinsend erzählte. Das freute mich für sie, aber machte mich auch neidisch.
Ich ging zu meinem Schrank. Was ich anziehen sollte, war einfach. Eigentlich hatte ich nur ein passendes Outfit für diesen Anlass. Das Wickelkleid, das ich mit meinen Eltern bei unserem letzten gemeinsamen Sommerurlaub in Spanien gekauft hatte. Normalerweise trug ich immer Jeans und T-shirts. Aber wenn ich mich schon überwand zu dieser Party zu gehen, wollte ich wenigstens versuchen, etwas aus mir zu machen.

Um kurz vor 9 stand ich vor dem geschlossenen Aldi, wo ich mich mit Hanna treffen wollte. Von hier waren es nur 100 m bis zum Bootshaus. Ich hörte die Musik bereits herüberschallen. Es war schon eine ganze Menge los. Schien so, als sei der ganze Ort zu dieser Party eingeladen worden. Und da waren sie wieder. Die Blicke der aufgehübschten Mädels, die sowas wie eine Taille besaßen. Ich fühlte mich unwohl, wie ich hier alleine stand, und begann, nervös an meinen Fingernägeln rumzuknibbeln. Wo blieb denn nur Hanna? Zu zweit waren solche Situationen leichter zu ertragen. Da war ich abgelenkt und hatte anderes zu tun, als zu beobachten, wer mich alles musterte und mir vorzustellen, was die Leute über mich dachten.
»Naaa, bereit für die Party?« Hanna kam freudestrahlend auf mich zu. Dafür bewunderte ich sie. Sie hatte auch ihre Phasen, in denen sie schlecht drauf war und genervt. Aber wenn wir dann zusammen unterwegs waren, oder bestimmt auch, wenn sie alleine unter Menschen war, war sie lustig und immer guter Laune. Außerdem war sie schlagkräftig, während ich meistens über ein »Äh« nicht hinauskam, wenn mich jemand blöd anmachte.
»Ja. mal sehen«, erwiderte ich.
Sie hakte sich bei mir unter und gemeinsam liefen wir in Richtung strand. Schon von weitem konnten wir sehen, dass jemand Lampions über die sonst eher schlichte Terrasse des Bootshauses gehängt hatte. Am Strand brannten Feuer in Schalen. Da wir fast Herbst hatten, dämmerte es auch schon, was dem ganzen eine zauberhafte Atmosphäre verlieh. Ich lächelte Hanna zu und sie lächelte zurück. So langsam begann ich, mich auf den Abend zu freuen.

Fortsetzung folgt …

 

Das Thema für den 01.09.2017 lautet: Sommerausklang

Diesen Monat waren dabei:
Vro
Eva
Rina
Corly

Kategorie: Schreibkick-Texte

9 Kommentare zu “Schreibkick #44: Strandparty unter Vollmond

  1. Ha, neugierig machen … und aus. Freu mich auf die Fortsetzung 😉

  2. […] Sabrina […]

  3. Da bin ich auch gespannt. Ich kann sie verstehen. War auch schon immer übergewichtig. Aber nie ausgeschlossen. Das war zu meiner Jugend zum Glück noch nicht sooo schlimm. Hoffe es geht gut für sie aus.

    Liebe Grüsse.

  4. Huhu,

    deins werd ich die Tage mal lesen. Hier ist mein etwas verspäteter Beitrag:

    https://lesekasten.wordpress.com/2017/08/04/schreibklick-strandparty-unter-vollmond/

    LG Corly

  5. […] Sabi  hat das neue Thema für den 1. September bekanntgegeben. Sommerausklang […]

  6. […] dabei war diesmal: Eva Rina Corly Sabi Das Thema für den 1. September lautet: […]

  7. […] Schreibkicks – Das Thema für den 01.09.2017 lautet: Sommerausklang. Was fällt Euch dazu ein? Mir noch nichts. Aber manchmal schreibt man ja unter Druck besser. Also schreibe ich wohl erst am 31.08 um 23:50 (bisschen Zeit brauche ich ja) […]

  8. […] Schreibkicks. Hier wird von Sabine immer zum 1. des Monats ein neues Thema bekannt gegeben, dass dann am folgenden 1. des kommenden Monats auf seinem Blog gepostet wird. […]

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