Die Gruselmeer Autoren #3: Katrin Scheiding

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Zum Sonntag gibt es ein wunderbares Interview mit Katrin Scheiding. In ihrer Geschichte schickt sie euch auf Entdeckungstour in ein altes Haus, auf den Spuren myteriöser Vorgänge.

Autorenvita:  Katrin wurde 1977 im schönen Ruhrgebiet geboren und entdeckte schon früh die Magie der Buchstaben. Nach dem Abitur studierte sie in Düsseldorf Germanistik und Medienwissenschaft (im vergangenen Jahrhundert noch auf Magister) und promovierte dort irgendwann über Theodor Fontanes Romanwerk. Jetzt lebt sie mit Mann, Kindern und Katze in einem nordhessischen Dorf.

Beruflich startete sie als Volontärin in einem Ratgeberverlag und durchlief die unterschiedlichen Stationen der Verlagswelt von der Manuskriptidee bis zum Buchdruck. Vor ein paar Jahren entschied sie sich, mit einem eigenen Lektoratsbüro den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Seitdem unterstützt sie Verlage, Indie-Autoren, Studenten und alle, die einen Text zwischen zwei Buchdeckel bekommen wollen, bei ihren Projekten (www.katrinscheiding.de) und verleiht den Manuskripten den letzten Schliff.

Als passionierte Leserin bloggt sie auf www.nowheremansbuecherschrank.wordpress.com über Bücher, Lesefreuden und die herrliche brotlose Kunst des Wörterschmiedens.

Beim Schreibmeer ist sie schwerpunktmäßig für die graue Theorie und das Hintergrundwissen zu schriftstellerischen Themen zuständig und macht auch trockene Themen für Autoren spannend.

Erzähl mal Katrin, worum geht es in deiner Geschichte „Am Salzmarkt“?

Im Haus am Salzmarkt gehen ungewöhnliche Dinge in einer Dachkammer vor. Gleichzeitig taucht im Dorf ein Historiker auf, der seine Nase in fremde Angelegenheiten steckt. Henriette (die Bewohnerin des Hauses) und Justus (der Historiker) stoßen auf Vorgänge, die aus einer uralten Zeit stammen …

Wie bist du auf die Idee für deine #Gruselmeer-Kurzgeschichte gekommen?

Da kamen zwei Fragen zusammen, die zu meiner Kurzgeschichte führten. Erst fragte meine Tochter, ob es nicht eine Schauergeschichte gäbe, die ihr endlich mal gefällt. Die Kindergruselgeschichten waren ihr alle zu niedlich und harmlos, die „echten“ waren dann doch zu heftig. Sie mag den Grusel nach Art von E. A. Poe oder E. T. A. Hoffmann, aber eben nicht ganz so nervenkitzelnd. Gleichzeitig suchte Tinka Beere nach Geschichten für das #Gruselmeer. Gut, sagte ich mir, gehen wir es eben an. Dummerweise wurde die Geschichte dann doch zu gruselig für Kinder, selbst für meine hartgesottene Tochter.

Verrätst du uns den ersten Satz deines Textes?

„Das Haus war groß, alt und schön.“

Was machst du beim Schreibmeer normalerweise?

Eigentlich bin ich als Autorin für das Hintergrundwissen zuständig und schreibe über die verschiedenen Literaturepochen. Außerdem plaudere ich aus Lektoratssicht aus dem Nähkästchen und gebe Tipps, um Stolperfallen beim Schreiben zu erkennen und zu vermeiden.

Literaturepochen … klingt interessant. Wie bist du zu dem Thema gekommen?

Ich habe ja Literaturwissenschaft studiert und dabei so ziemlich alle Literaturepochen seit dem Hochmittelalter berührt. Der Witz daran ist – eigentlich ja auch logisch – dass die Epochen auf irgendeine Art aufeinander aufbauen. Mal wird die Epoche verfeinert und differenziert, bis eine neue Strömung entstanden ist, mal geht es aber auch in eine völlig konträre Stilrichtung wie bei einem Pendel, das in die beiden Extreme ausschlägt. Jedenfalls haben die Literaturepochen immer etwas miteinander zu tun. Sie lernen in einer Weise voneinander.

Ich halte es für wichtig, dass sich moderne Autoren in den Literaturepochen auskennen und verorten können. Es ist mir nicht selten im Lektorat untergekommen, dass ich einen Text gelesen habe, der sauber einer bestimmten Theorie folgt – was aber beim Autor oft völlig unbewusst passiert. Ich als Lektorin kann zum Beispiel sehen: „Dieser Thriller folgt der Theorie des Kriminalromans nach Dürrenmatt“, was für den Leser ja eigentlich uninteressant ist. Für den Autor kann das aber erstens eine wichtige Inspirationsquelle sein und vor allem auch ein gutes Handwerksmittel, um Brüche und Unstimmigkeiten im Text zu erkennen und zu beseitigen. Oder auch, um bewusst Stile zu mixen. Dafür muss man die Motive allerdings kennen und einordnen. Warum nicht mal die Motivik des Jugendstils und der Romantik in Urban Fantasy oder auch Horror einbauen oder so? E. T. A. Hoffmann zum Beispiel liefert grandiose Inspirationen.

Außerdem kann man von seinen Vorfahren nur lernen, und wenn es darum geht, nicht denselben Irrtum zu begehen. Somit finde ich es wichtig, dass das entsprechende Hintergrundwissen beim Schreiben mitschwingt.

Was schreibst du sonst so?

Mehr oder weniger gar nichts. Ich mag Poetry Slams, die ich aber nur für mich schreibe und noch nie performt habe. Aber nun schwirren diverse Ideen für Gruselgeschichten in meinem Kopf herum 😉

Heißt das, es wird in der Zukunft eventuell doch die eine oder andere Geschichte von dir geben?

Ich halte es da wie James Bond: Sag niemals nie.

Woran arbeitest du aktuell?

An einer Kurzgeschichte, die im Mittelalter spielt und die klassischen Totentanzdarstellungen zum Gegenstand hat.

Was darf für dich beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Kaffee!

Welche Bücher liest du selbst gerne?

Ich bin offen für alles, der Text muss eine bestimmte Saite bei mir anschlagen. Ich mag gut recherchierte historische Romane, ich mag Fantasy, ich mag Klassiker, ich mag moderne Belletristik … Irgendwo zwischen J. R. R. Tolkien, Theodor Fontane, Haruki Murakami und Ralf Rothmann bin ich glücklich. Aber gegen Tennessee Williams und Günter Grass hab ich auch nichts. Nur les ich irgendwie nicht gern Lustiges. Ich weiß auch nicht wieso, wo ich doch ziemlich gern lache;)

Wo findet man dich im Netz?

Bei www.katrinscheiding.de, bei https://nowheremansbuecherschrank.wordpress.com/ und auf Facebook bei https://www.facebook.com/DrKatrinScheidingKorrektoratUndLektorat/

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