Schreibkick-Special Weihnachten: Unter dem Weihnachtsbaum (und Nachtrag “Stille Straße”)

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Hallo ihr lieben,

ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und hoffe, ihr habt ein paar entspannte, erholsame Feiertage gemeinsam mit euren Liebsten.
Letzten Monat habe ich hier ganz heimlich eine kleine Pause eingelegt. Wenn auch unfreiwillig. In einem meiner Brotjobs waren wir unterbesetzt, was zeitlich ziemlich stressig war. In dem anderen hatte ich vor Weihnachten noch eine Menge zu erledigen. Ich habe meine letzten Wochen also mit arbeiten, schlafen und essen verbracht. In meiner wenigen Freizeit habe ich Cthulhuabenteuer vorbereitet und geleitet, die schon länger geplant waren, und Gilmore Girls geschaut, wenn mein Kopf weder zum einen oder anderen noch getaugt hat (Netflix sei Dank :D). Entsprechend waren meine Ideen für den Weihnachtsschreibkick sehr geprägt von dunklen Wesen, die in den Wurzeln des Christbaumes leben könnten oder Tannennadeln, die an Heiligabend die glückliche Familie durchbohren (inspiriert durch Cthulhu), sowie Dialoge am Weihnachtstisch in feinem Hause, die nur so gespickt sind von versteckter Kritik und Vorhaltungen (Gilmore Girls). Die Gilmore Girls haben sich wohl in gewisser Weise durchgesetzt … aber lest selbst.
Vorher möchte ich hier aber noch alle Teilnehmer des Schreibkicks vom November verlinken. Das Thema war “Stille Straße” und es sind wieder wunderbare Beiträge entstanden.
Alice Japa
Frau Vro
Rina P.
Eva
Corly
Nicole
Ich hoffe, ich habe niemanden übersehen, sonst gebt mir doch bitte in den Kommentaren schnell Bescheid 🙂

Wunschwünsche

“Schaff das Ding aus der Wohnung!”, schrie ich, als ich das grüne Monster im Eck unseres Wohnzimmer stehen sah, noch bevor ich meine Tasche und meinen Mantel ablegen konnte. Leon war gerade dabei, große rote Kugeln anzuhängen.
“Aber Susi, du …”
“Nein … ich sagte: Schaff das Ding weg.”
Er legte die Kugel aus der Hand, kam auf mich zu, legte die Arme um mich und küsste mich auf die Stirn. Ich liebte es, wenn er das tat.
“Es ist Weihnachten, Schatz. Und wir feiern so, wie wir es wollen. Gleich morgens am 24.”
“Du Rebell”, knurrte ich, schon etwas versöhnlicher.
“Unsere eigene, kleine Feier, bevor der Stress los geht. Mit Marmorkuchen, starkem Kaffee, jeder Menge Schokolade und Orangensaft.”
Ich spürte, wie mein Ärger gegen meinen Willen verrauchte. “Also gut …” gab ich nach. “Aber wir erzählen keinem davon.”
“Ist okay.” Er grinste. “Und jetzt mach deine Wunschliste fertig.”
“Arsch!”, knallte ich ihm an den Kopf, während ich ihm mit meiner Tasche einen Hieb versetzte.
“Dein Vater hat schon drei Mal angerufen. Demnächst schickt er die Weihnachtselfenpolizei.”
Genervt schmiss ich Mantel und Tasche in den Flur und lief in Richtung meines Schreibtischs. “Ich hasse dich”, ließ ich meinem Liebsten noch zwischen Tür und Angel zukommen.
“Ich weiß, ich dich auch”, rief er aus dem Wohnzimmer.

Schneller als erhofft, war mein PC hochgefahren. Ich stand trotzdem noch einmal auf und machte mir einen Tee. Wunschlisten, Weihnachtsbäume, Festessen. Wer brauchte diesen Mist eigentlich?
Während das Wasser im Kocher begann erste kleine Bläschen zu formen, überlegte ich, was ich alles auf meine Liste packen sollte. Ich wünschte mir eine neue Hülle für meinen Kindle. In pink. Aber das konnte nicht drauf. Das letzte Mal, als ich mir eine Handyhülle in pink gewünscht hatte, hatte ich diese zwar bekommen, aber mein Vater hatte mir zusätzlich die Freude gemacht, mich beim Auspacken zu fragen, ob das denn wirklich das richtige für mich wäre, oder ob es nicht langsam Zeit wäre, erwachsen zu werden. Pink kam also nicht in Frage.
Außerdem brauchte ich etwas Günstiges. Mein Cousin Phil und seine Frau waren äußerst sparsam. Mehr als 10 € durfte ein Geschenk nicht kosten.
Mit einer Tasse dampfenden Tees mit dem Namen Kaminfeuer, trottete ich zurück an den Schreibtisch.
Socken, tippte ich in die Suchleiste ein. Ich fand ein paar hübsche mit Schneeflocken darauf, die aber auch erwachsen genug aussahen, um hoffentlich keinen entsprechenden Kommentar meines Vaters zu verursachen.
Nachdenklich trippelte ich mit den Fingern auf der Tastatur herum. Fielen Socken in eine ähnliche Kategorie wie Staubsaugerbeutel? In meiner Verzweiflung hatte ich mir vor drei Jahren Staubsaugerbeutel gewünscht. Praktisch, erwachsen, nicht pink, und U18. Aber die waren für Phil wieder zu praktisch. In diesem Jahr hatte er mir ein selbst gebasteltes Bild aus Blättern geschenkt. “Auf der Liste waren nurnoch Staubsaugerbeutel. Das schien mir nicht richtig passend für einen solchen Anlass.”
Schnell löschte ich die Socken wieder.
Bücher … Bücher wären gut. Die würden auch für Phil passen. Aber ich las am liebsten Thriller. Nicht die blutigen Splatter, sondern die spannenden Psychothriller, in denen der Irre jederzeit im Wohnzimmer stehen und das Licht einschalten konnte, wenn man zur Haustüre rein kam. Die, in denen Intrigen gesponnen und Menschen intelligent gegeneinander ausgespielt wurden. Aber das ging nicht. Denn auch meine Mutter würde von dieser Liste bestellen. “So etwas blutrünstiges will ich einfach nicht schenken. Das ist nichts für unter dem Weihnachtsbaum”, hörte ich sie bereits in meinem Kopf jammern.
Socken, tippte ich erneut ein und packte die mit den Flocken wieder auf die Liste.
Am einfachsten wäre es, einfach jedem separat einen Wunsch zu sagen. Aber das ging nicht. Denn Geschenke sollten eine Überraschung sein (laut Oma Lucinda).
Oder sich Geld zu wünschen. Aber Geld verschenkte man ja nicht (laut so gut wie allen, außer Oma Sophia, die immer Geld verschenkte).
Thriller tippte ich ein, in der Hoffnung, etwas zu finden, das mich in den Augen meiner Mutter nicht wie eine Psychopathin wirken ließ. Aber nachdem ich mich zwanzig Seiten lang durch Cover mit blutroten Lettern, gruseligen Augen und bedrohlichen Titeln gekämpft hatte, gab ich auf. Ich probierte ein wenig mit den Suchbegriffen herum und setzte letztendlich einen englischen Spionageroman auf meine Liste. Im Stil von Sherlock Holmes. Da ging doch so weit alles gesittet zu. Und ich packte noch einen weiteren darauf, falls Onkel Phil mit dem Bestellen schneller sein sollte. Der  zweite Roman klang sogar richtig gut. Falls ich ihn nicht bekommen sollte … oder nein.
Ich nahm ihn wieder runter. Das war genau das richtige für meinen Bruder Johann. Er verabscheute das Internet. Diese online-Wunschlisten fand er doof. Wenn ich ihm den Link zur Liste schicken würde, würde er es vermutlich erst Tage später bemerken und mich dann darum bitten, ihm etwas anderes zu sagen, das nicht auf der Liste stand. Oder er würde Leon bitten, ihm etwas zu empfehlen, das ich mir wünschte. Wenn ihm dieser Wunsch dann nicht passte, würde er trotzdem zähneknirschend etwas von der Liste bestellen und Leon hatte sich umsonst das Hirn zerbrochen. Aber dieses Jahr war ich vorbereitet.
Die Tür unseres Arbeitszimmers öffnete sich einen Spalt breit. “Und? Alle Wunschwünsche erfüllt?”
“Neieiein”, jammerte ich. “Das ist komplizierter als Integralrechnung. Bitte, bitte hilf mir.”
“Hm … ich weiß nicht …” Er grinste wieder.
“Biiiiiiitteeeeee.”
“Sonst willst du doch immer so viele Dinge haben.”
“Jaaahaaa, aber vor lauter Wunschvorgaben aus unserem schrägen Wunsch-Verhaltenscodex fällt mir nichts mehr ein.”
“Du wolltest einen Brotbackautomaten und unser Spargelschäler ist verrostet. Außerdem hat uns am letzten Racletteabend bei den Nachbarn der Dekantierer so gut gefallen.”
“Oh, oh, du bist gut.” Ich notierte mir alles auf einem kleinen Post-it. Spargelschäler passte für jeden. Brotackautomat für meine Mutter (Haushalt, praktisch und nicht blutrünstig), Dekantierer für meinen Vater (erwachsen, nicht pink). Dann schob ich Leon einen Post-it mit dem Titel meines gewünschten Spionageromans zu.
Er nickte. “Ich werde es Johann ausrichten.”
“Danke.”
Gefühlte Stunden später hatte ich noch einige andere unverfängliche Haushaltsgegenstände auf die Liste gesetzt, sowie einen Reiseführer für Korsika, wo wir unseren nächsten Sommerurlaub verbringen wollten.
Im Wohnzimmer raschelte es. Ich gähnte und fuhr den PC herunter. Vermutlich packte Leon schon die ersten Geschenke für unsere Verwandtschaft ein.
Ich stand auf und lief hinüber, um ihm zu helfen. In der Tür zum Wohnzimmer blieb ich stehen und wich zurück. Dann spickte ich wieder vorsichtig ums Eck. Leon hatte mich noch nicht bemerkt. Er war gerade dabei, eine übergroßes pinkes Etwas in Einhorn-Geschenkpapier zu hüllen. Auf dem Wohnzimmertisch lagen Bücher. Eines mit einer blutigen Axt und eines mit einem knallroten Motorradhelm darauf.
Der Baum in der Ecke war inzwischen fertig geschmückt. Neben den roten Kugeln hing dort allerlei rosa und pinker Schnickschnack. Ich musste mich bremsen, um vor lauter Freude nicht lauthals zu quietschen. Ich war mir sicher, dass in diesem Moment zwei lavendelfarbene Herzen anstelle der Pupillen in meinen Augen zu sehen waren.
Leon blickte hoch. “Verschwinde!” rief er, und schmiss mit irgendeinem Packpapier nach mir. Quietschend verschwand ich aus der Tür, welche er hinter mir zuknallte.

Beim Weihnachts-Special waren dabei:
Veronika
Eva
Rina
Corly
Nicole

Am 01.01.2018 gehts dann weiter mit dem Thema “Jahresuhr“.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein frohes Weihnachtsfest mit leckerem Essen, gutem Wein, liebevollen Geschenken und einem zugedrückten Auge für die Macken der lieben Verwandschaft. Genießt die gemeinsame Zeit.

Außerdem natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr <3

Alles liebe,
Sabi

11 Kommentare zu “Schreibkick-Special Weihnachten: Unter dem Weihnachtsbaum (und Nachtrag “Stille Straße”)

  1. […] Sabrina […]

  2. […] Sabi […]

  3. Ach – das ist wirklich witzig und herzig. Sehr schön …Ich wünsche Dir und allen Schreibkicks-Anhängern ein tolles Weihnachtsfest und nur tolle Geschenke “unterm Weihnachtsbaum.”
    Hier ist meine kleine Geschichte. Liebe Grüsse
    https://geschichtszauberei.wordpress.com/2017/12/24/schreibkicks-weihnachtsspezial-unter-dem-weihnachtsbaum/

    • Hallo liebe Rina,
      freut mich, dass dir die Geschichte gefällt. Ich hatte auch großen Spaß beim Schreiben und habe mich bestens amüsiert.
      Deine werde ich morgen gemütlich lesen 🙂
      Liebe Grüße,
      Sabi

  4. […] Sabines Schreibkick gibt es heute ein […]

  5. […] Sabis Schreibkicks ist das Thema für den 1.1.18 […]

  6. Huhu,

    deine Geschichte muss ich mir später mal durchsehen. Hier ist mein Beitrag:

    https://lesekasten.wordpress.com/2017/12/24/schreibklick-weihnachtsspecial-die-wunschliste/

    LG Corly

  7. Was für eine witzige Geschichte. Ich wünsche auch Dir ein schönes Weihnachtsfest mit Pink und Glitzer, wenn Du das magst. 😉

    • Hallo liebe Veronika,
      danke, freut mich, dass du sie auch lustig fandest.
      Das schöne Weihnachtsfest nehme ich, aber bitte ohne Pink und Glitzer 😀
      Liebe Grüße,
      Sabi

  8. […] Sabi Eva Rina P. […]

  9. Ok, also erstmal eine ordentliche Portion Pink und Glitzer für Dich! Oder habe ich da jetzt irgendetwas falsch verstanden?? 😉 Herrlich, Deine Geschichte liebe Sabi. Und ich glaube, da finden wir uns doch alle irgendwie wieder! Schöne Feiertage noch für Dich und das Du ein Weihnachtsfest nach Deinen Wünschen hast!
    Liebe Grüße
    Nicole

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