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Schreibkick #41: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

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Halli hallo,

es ist wieder Schreibkick-Zeit. Meiner ist kurioser geworden, als ich es mir beim Ausdenken des Themas hätte vorstellen können. Wer mich kennt, weiß, dass ich Verschwörungstheorien sehr gerne habe … Aber lest selbst 😀

Kuriose Geschichten aus dem Freibad

»Ja? Was gibts?« Joe hatte die Tür aufgerissen und sah mich an, als hätte ich ihn bei irgendwas ertappt.
»Ähm. Ich wollte dich nur fragen, ob du eine Schere hast. Ich finde meine in dem Umzugschaos nicht.«
»Klar, warte kurz.« Er drehte sich um, lehnte die Tür an und begann, den Geräuschen nach zu urteilen, in seinen Sachen zu kramen. Als die Tür von selbst wieder ein wenig aufschwang, konnte ich einen Blick in sein Zimmer erhaschen. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass mein Mitbewohner mich noch nie hineingebeten hatte. An seiner Wand hing ein großes Poster. Ich konnte einige Politiker, aber auch Promis darauf erkennen. An oberster Stelle die deutsche Bundeskanzlerin, darunter der amerikanische Präsident, dann amerikanische Promis, der russische Präsident und deutsche Comedians. Leider konnte ich die Überschrift nicht lesen. Neugierig stupste ich die Tür ein wenig an, zuckte im selben Moment aber zusammen. Vielleicht war es nicht so klug, seinen neuen Mitbewohner gleich am zweiten Tag zu verärgern. Doch Joe war über den Schreibtisch gebeugt und hatte nichts bemerkt. Ich trat einen kleinen Schritt nach rechts, um das Poster in seiner vollen Größe betrachten zu können. »Reptiloide« stand in großen Buchstaben darauf. Ich runzelte die Stirn.
In dem Moment fuhr Joe herum. Als sich unsere Blicke trafen, erschrak er. Hastig eilte er zur Tür und drückte mir die Schere in die Hand.
»Viel Spaß damit«, meinte er und schloss die Tür. Unentschlossen starrte ich auf das Holz. Dann klopfte ich. Meine Neugier war geweckt.
Zunächst reagierte Joe nicht. Doch dann hörte ich seine Schritte, die sich näherten, kurz darauf erschien sein Gesicht im Spalt. »Brauchst du noch was?«
»Nein. Ähm. Ich wollte eigentlich nur wissen, was das da für ein Poster ist.«
Joe kaute auf seiner Unterlippe. »Also gut. Komm rein.«
Er ließ mich ein. Die Regale an seinen Wänden reichten bis unter die Decke und waren mit Büchern, Ordnern und losen Blättern vollgestellt. Dazwischen standen seltsame Kunstobjekte. Drachen, nackte Frauen, Dreiecke mit Kreisen. Nichts davon hatte ich jemals zuvor gesehen.
»Willkommen in meinem Reich«, meinte Joe und setzte sich auf ein dunkelbraunes Sofa, das den Anschein erweckte, als würde es von den Regalen neben sich erdrückt.
»Was ist das hier alles?«, fragte ich.
»Meine bescheidene Sammlung.«
»Von was?«
»Irgendwie von allem.«
Ich brauchte ein paar Sekunden, um mich von den Regalen loszureißen und mich meinem Mitbewohner zuzuwenden. »Und was ist mit dem Poster?«
Joe atmete tief durch. »Ach das … das ist … hast du den Begriff Reptiloid schon mal gehört?«
»Nein.«
»Es gibt da so eine Theorie, die besagt, dass es seit vielen Jahrhunderten bereits extraterrestrisches Leben auf der Erde gibt. Sie erforschen uns, haben uns unterwandert und führen teilweise sogar Handel mit den Menschen.«
Unweigerlich musste ich grinsen. »Und wie soll das gehen, ohne, dass wir es merken?«
»Gestaltwandler«, sagte Joe.
»Gestaltwandler«, wiederholte ich.
»Ja.« Er seufzte erneut. »Es ist schwer, das zu erklären, wenn sich jemand noch nicht lange damit beschäftigt hat. Aber überleg mal: Unsere Erde gibt es seit 4,6 Milliarden Jahren. Vor ca. 2 Millionen Jahren entstanden die ersten Vorfahren der Menschen. Vor 250.000 Jahren der Homo Sapiens. Und in den letzten Jahrzehnten haben wir uns technologisch unglaublich weiterentwickelt. Der Flug zum Mond, Computer, Smartphones. Das ging alles unheimlich schnell. Setzt man voraus, dass es das Universum noch viel länger gibt, als unsere Erde, müsste es jede Menge anderer Planeten mit Leben geben, die bereits Jahrhunderte vor uns auf unserer Entwicklungsstufe gewesen sein müssen – und die inzwischen viel weiter sind als wir. Warum also, sollte es keine davon bisher bis zu uns geschafft haben? Es gibt Ufosichtungen. Wir haben Videos. Aber die Regierungen halten sie klein, vernichten Beweisen, dementieren. Damit es keiner mitbekommt.«
»Und warum verschweigen sie es vor uns?«
»Weil sie selbst diese Reptiloiden sind. Sie haben die einflussreichen Familien auf dieser Welt unterwandert.«
»Und das glaubst du wirklich?« Ich konnte die Verwunderung in meinem Tonfall nicht verbergen.
Joe kratzte sich am Kopf, zögerte. »Ich glaube es nicht nur, ich weiß es.«
»Aha.«
»Du hast Glück. Ich kann es dir sogar beweisen. In ein paar Tagen.«
»Und wie?« Ja – ich hielt ihn für verrückt. Und trotzdem wollte ich wissen, was mit dieser Verrückte zu sagen hatte.
»Das kann ich dir erst dann zeigen.«
»Okay, da bin ich aber gespannt.«

Wir saßen im Gebüsch des Strandbads Jungfernheideteich und beobachteten die Umkleidekabinen. Es war Mitternacht und mir war kalt. Außer uns war niemand hier. Schon am frühen Abend hatten wir die Umzäunung überstiegen. Joe hatte gesagt, das sei wichtig. Kurz darauf würden nämlich Wachen eintreffen, welche jeglichen Einbruch verhindern sollten. Ich fragte ihn, ob sie nicht auch im Bad patrouillieren würden. Er sagte nein. Auch sie dürften schließlich nicht wissen, was hier vor sich ging.
Plötzlich stieß Joe mich an und zeigte auf eine der Kabinen. Eine Tür hatte sich geöffnet. Komisch. Ich hatte niemanden hineingehen sehen.
»Es gibt einen Tunnel«, verriet er mir.
Ich fragte nicht weiter, denn in diesem Moment verließ eine Frau die Kabine. Mir bleib die Luft weg, als ich sie erkannte. Es war die deutsche Bundeskanzlerin. Ihr folgte ein Mann mit hellem Haar. Ich blinzelte. Doch. Das war er: der amerikanische Präsident, der momentan auf Deutschlandbesuch war. Zielsicher steuerten die beiden auf das Wasser zu und ließen dabei ihre Kleider fallen. Dann geschah etwas, das ich bis heute nicht verarbeitet habe. Sie verwandelten sich. Sie verwandelten sich in etwas Echsenartiges. Das Ganze geschah sehr elegant. Sie ließen sich einfach nach vorne fallen. Und als sie unten aufkamen, federten sie den Sturz spielend leicht mit ihren Vorderbeinen ab. Dann gaben sie irgendwelche Geräusche von sich – es klang wie ein Mix aus Schlangenzischen und Delfinklackern – und verschwanden im Wasser.
Mit großen Augen starrte ich auf die Wasseroberfläche. Immer wieder tauchten sie auf und unter, spielend leicht.
»Warum weiß davon keiner?«, flüsterte ich.
»Weil es keiner glaubt.«
»Und warum zeigt ihr das keinem?« Joe hatte mir erzählt, dass es viele Menschen auf der Welt gab, die Bescheid wussten.
»Naja, sie vereiteln alle Pläne, das Wissen einer größeren Masse zugänglich zu machen und schaffen es, uns als naive Verschwörungstheoretiker dastehen zu lassen.« Ich konnte Joe kaum verstehen, so leise redete er.
»Und warum hindert uns heute keiner daran?«
»Ein einzelner Mensch ist nicht wichtig genug«, lautete seine kurze Antwort.
Wir beobachteten das Treiben noch eine ganze Weile. Erst nach einer halben Stunde kamen die beiden wieder aus dem Wasser. Fließend verwandelten sie sich zurück, sammelten auf dem Rückweg ihre Klamotten ein und verschwanden wieder in der Kabine, aus der sie gekommen waren. Joe bedeutete mir, noch eine Weile sitzen zu bleiben. Wir mussten warten, bis die Wachen draußen verschwunden waren. Ich starrte noch eine Weile auf die Wasseroberfläche und war mir jetzt schon nicht mehr sicher, ob ich das Ganze soeben wirklich beobachtet hatte.

+++

Es gibt übrigens tatsächlich ganz wunderbare „Beweisvideos“ über die Existenz dieser Wesen. Unter anderem von Jürgen von der Lippe. Jaa, er ist einer von ihnen 😀 Gebt mal „Reptiloid“ bei Youtube oder Google ein – das macht wirklich große Freude 😉 Für alle Facebooknutzer empfehle ich zur weiteren Info „Der goldene Aluhut“ <3

Liebe Grüße,
Sabi

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Nicole
Veronika
Rina.P
Corly

Das Thema für den 01.06.2017 lautet: Hitze

Kategorie: Schreibkick-Texte

Schreibkick #40: Platzregen

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Hallo ihr lieben,

ich bin diesen Monat etwas zu früh dran, da ich nicht weiß, ob ich morgen zum posten kommen werde.
Ich wusste lange nicht, was ich zu diesem Thema schreiben soll, also habe ich mir überlegt, die Protagonistin meines nächsten Romans einfach mal hinaus in den Regen zu schicken. Somit bekommt ihr heute bereits die Gelegenheit, Lia ein wenig kennenzulernen. Viel Spaß beim Lesen!

Platzregen

Lia blickte durch das Fenster in ihrer Haustüre nach draußen und zog sich dabei die Kapuze ihres Regencapes über den Kopf. Sie konnte das Prasseln des Regens bereits in ihrer kuschelig warmen Wohnung hören. Als sie die Tür öffnete, wurde es mit einem Schlag lauter. Es war kein Gewitter, sie hatte zumindest noch keinen Donner gehört. Und doch regnete es in Strömen. Lia lächelte und trat hinaus. Dann blickte sie nach oben in den Himmel. Es war dunkel, die Wolken verdeckten den Himmel,  und schwere Tropfen zerplatzten auf ihrem Gesicht. Bevor ihre Kapuze sich mit Wasser füllen konnte, senkte sie den Kopf wieder und machte sich auf den Weg zum Café, wo sie ihre Freundin treffen würde. Sie wusste, wie das Gespräch beginnen würde. „Das ist ja mal ein furchtbares Wetter. Ich bin klitschnass“, würde Clara sagen. Lia würde nur lächeln. Sie liebte den Regen.

Ein paar Gestalten, in dunkle Mäntel gehüllt oder unter großen Regenschirmen schutzsuchend, huschten an ihr vorbei. Hin und wieder hob einer den Kopf und musterte sie kurz in ihrem vermutlich sehr auffälligen, türkisen Regenmantel, der ihr bis zu den Knien reichte und an der Taille mit einem Gürtel zusammengebunden war. Dann senkten sie wieder missmutig ihren Blick, als müssten sie es zwingend vermeiden, einen Tropfen abzubekommen. Lia verstand die ganze Aufregung und all die Beschwerden über das Wetter nicht. Im Sommer war es zu warm (zumindest, wenn man die Tage im Büro oder in der Uni verbringen musste, am Wannsee wäre es schon okay), im Winter zu kalt (wenn denn wenigstens richtig Schnee liegen würde!), Frühling und Herbst waren eh nichts Gescheites und kaum eine Erwähnung wert (dieses Aprilwetter!). Und der liebe Regen, der war sowieso die Hauptursache für schlechte Laune. Mitunter genügten auch ein paar Wolken am Himmel. Lia wusste bei all diesen Diskussionen nie so recht, was sie sagen sollte. Sie verstand nicht, weshalb Meteorologen mit ihrer Vorhersage eine kollektive kurze depressive Episode bei ihren Mitmenschen auslösen konnten. Sie streckte die Hand aus und spürte, wie das kühle Nass über ihre Finger rann. Sie mochte das Gefühl. Und das Geräusch des Regens, hinter dem all die anderen Laute der Stadt zurückwichen, so dass es zwischen all dem Lärm plötzlich beinahe still wirkte. Und sie mochte den Wind, der ihr im Herbst die Haare zerzauste, den knirschenden Schnee unter ihren Füßen und das platschende Geräusch von Schneematsch, wenn man schwungvoll darauf trat. Lia liebte die trockene Hitze des Sommers ebenso sehr, wie ein lautes, grelles Gewitter im Frühling.
Ein Auto fuhr an ihr vorbei und ließ eine Welle frischen Regenwassers über den Gehweg schwappen. Lia sog die Luft ein. Es duftete herrlich frisch, der Großstadtmief war wie weggewaschen. Wie konnte man das nicht lieben? Sie hatte das Café erreicht, in welchem sie sich mit Clara treffen wollte. Beim Eintreten wehte ihr der Duft von Kuchen und Kaffee entgegen. Warme Luft umfing sie. In der hinteren Ecke sah sie ihre Freundin bereits am Tisch sitzen, einen Regenschirm neben sich zum Trocknen aufgestellt. Lia lief zu ihr hinüber, während sie ihren Regenmantel abstreifte.
„Hallo Clara.“
„Hi Lia.“
Clara stand auf, um ihre Freundin zur Begrüßung zu umarmen. „Du bist ja ganz nass. Das ist aber auch ein furchtbares Wetter. Meine Hose ist klitschnass.“
Lia lächelte.

Das Thema für den 01.05.2017 lautet: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

Diesen Monat waren dabei:
Veronika
Eva
Nicole

Das Jahr 2017 oder so …

Veröffentlicht am von 4 Kommentare

Hallo ihr lieben,

bis auf die Schreibkicks war es hier einige Zeit lang ziemlich still. Das liegt daran, dass ich gerade in meinem Brotjob ziemlich viel zu tun habe und trotzdem versuche, nebenher fleißig an einigen Projekten zu arbeiten. Aber jetzt wird es mal wieder Zeit, euch an meinen Plänen teilhaben zu lassen.

#Gruselmeer

Da wäre zum einen das Projekt #Gruselmeer, an dem ich gemeinsam mit einigen anderen Autoren arbeite. Meine Geschichte steht, befindet sich gerade in einem der vielen, vielen Überarbeitungsschritte und wächst und gedeiht. Mehr kann ich euch dazu momentan leider noch nicht verraten. Aber ihr dürft gespannt sein … 🙂

#Voodoo

Zum anderen arbeite ich fleißig an meinem neuen Roman. Der Arbeitstitel lautet #Voodoo. Dabei wird es nicht bleiben – versprochen. Mir fällt aber auch einfach nichts besseres ein. Dieser Text wird noch etwas dauern … so langsam nimmt die Sache aber Formen an.

#schräg

Auf Wattpad veröffentliche ich außerdem seit Februar ein paar Kurzgeschichten. Alles, was sich im Laufe der Zeit so gesammelt hat. Von fantastisch bis einfach schräg. Jeden Sonntag (wenn ich es nicht vergesse) gibt es einen neuen Teil.

#Schattendrache

Dazu sag ich mal noch garnichts *muhahahahaha*

Nevia und das Geheimnis der Elfenmagie

Der ein oder andere von euch hat es vielleicht schon gesehen. Ich bin seit neuestem bei snipsl. Über die App werde ich nach und nach meine kleine Nevi veröffentlichen. Ja, die Geschichte ist fertig, von einigen Testlesern für gut befunden, aber noch lange nicht ausgereift. Daher freue ich mich über Leser und Feedback.

Das Cover ist in einer Nacht-und-Nebel Aktion entstanden:
„Ooooh snipsl, was is denn das?“,
„Ah, das wäre doch cool für Nevi, mal beim Support fragen, wie man Autor wird!“
An dieser Stelle mit langer Wartezeit gerechnet. Fünf Minuten später: „Okay, ich bin bei snipsl. Waaaaah! Ich brauche ein Cover! SCHNELL!“
Dafür ist es doch ganz gut geworden, oder?

Worum gehts?

Nevia, die von allen nur Nevi genannt wird, ist ein Trollmädchen. Sie gilt als tollpatschig, ständig fällt ihr etwas um oder geht zu Bruch. Doch dann trifft sie Audrina Gilby, ihre Klassenlehrerin, die mehr hinter Nevis Schusseligkeit vermutet: Elfenmagie. Sie beginnt zu üben und entdeckt ungeahnte Fähigkeiten in sich.
Voll neuer Hoffnung versucht Nevi, ihrer Lehrerin gegen ein paar Geldeintreiber beizustehen. Doch dabei legt sie sich mit der einflussreichsten Frau in Fuchseck an, was dramatische Folgen für sie, Frau Gilby und das ganze Dorf hat.

 

 

 

Leipziger Buchmesse

Außer der vielen Arbeit und dem ganzen Geschreibe, bin ich nebenher dabei, gemeinsam mit den Wortstürmern unseren Messebesuch auf der Leipziger Buchmesse zu planen. Für mich heißt das hauptsächlich, Termine koordinieren: Wann will ich wo sein um wen zu treffen? Falls ihr mich besuchen wollt, viel Zeit werde ich am Stand der Wortstürmer (Halle 5 D502, in der Nähe der Bloggerlounge) verbringen. Also schaut doch einfach mal dort vorbei.

#Schreibkicks

Hier bleibt alles wie immer. Monatlich gibts ein Thema, wer mag, darf dazu einen Text schreiben (alles Geschriebene zählt, egal ob Kurzgeschichte, Songtext, Haiku …) und es zum 1. des nächsten Monats auf seinem Blog oder sonstwo posten. Bescheid geben nicht vergessen, damit ich euch verlinken kann. 🙂

So, das wars dann vorerst mal von mir und meiner Jahresplanung 2017.
Viele liebe Grüße,
Sabi

Schreibkick #39: Frühlingsblüten

Veröffentlicht am von 5 Kommentare

Hallo ihr lieben,

ich weiß, es ist viel zu spät für den Schreibkick. Aber die Woche war bisher etwas verrückt, daher besser spät als nie.

Ich habe keine Ahnung, wie mein Hirn den Sprung von Frühlingsblüten hin zu dieser Szene geschafft hat. Aber das Ergebnis gefällt mir ganz gut. Ich hoffe, euch auch.

Die Sanduhr

Über mir die Sterne glüh’n,
unter mir die Blumen blüh’n.
Den lauen Wind der Sommernacht
spür‘ ich auf meiner Haut, ganz sacht.

Das Gras, es ist ganz nass vom Tau,
die Blüten stellen sich zur Schau.
Sie leuchten in der schönsten Pracht,
dass es mir richtig Freude macht.

Auf einem Hügel, nicht mehr weit,
steht eine Bank zum Ruh’n bereit.
Ich komme näher. Was ist das nur?
Auf der Bank steht eine Sanduhr.

Der Sand, der rieselt unentwegs,
ich spür‘, dass meine Zeit vergeht.
Ich zerre, reiße, will sie drehn,
doch schwer wie Blei, bleibt sie stehn.

Erschöpft sinke ich ins weiche Gras,
die Zeit bewahr’n, wie schafft man das?
Neben mir erklingt ein Kichern,
ein weißer Fuchs, die Pfoten silbern.

„Die Zeit, die ist ein stures Ding,
läuft unentwegt vor sich hin.
Keine Chance den Weg zu ändern“,
spricht er, stupst mich an den Händen.

„Folge mir und du begreifst,
wie du dich davon befreist.“
Er schreitet fort, ich folge ihm,
so laufen wir schweigend dahin.

Er führt mich bis zu einem Strand
und setzt sich in den hellen Sand.
Erstes Licht die Welt erhellt,
Das Farbenspiel, sensationell.

Sprachlos seh’n wir übers Meer,
mein Denken, das wird leicht und leer.
fasziniert, zeitgleich geborgen,
vergesse ich all meine Sorgen.

Der Fuchs reißt mich aus den Gedanken,
blickt zurück, woher wir kamen.
Täusch ich mich? Ich seh’s ganz klar!
Die Sanduhr rieselt langsamer.

Verschmitzt der Fuchs nun zu mir blickt.
„Die Zeit, die ist eben verrückt.
Du musst nutzen, was du hast,
weil du das Beste sonst verpasst.“

 

Diesen Monat waren dabei:
Nicole Vergin
Eva
Veronika

Das Thema für den 01.04.2017 lautet: Platzregen

Schreibkick #38: Inspiration

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Hallo meine lieben,

als ich so über das diesmonatige Schreibkick-Thema nachgedacht habe, habe ich mir die Frage gestellt, woher wir Autoren eigentlich unsere Inspiration nehmen. Da gab es eigentlich nur eine einzige, naheliegende Antwort: Musen.
Aber wie geht es eigentlich den Musen damit, dass wir sie als reinen Quell der Kreativität nutzen, sie aber sonst kaum beachten? Was wissen wir denn ansonsten von ihnen? Was sind ihre Hobbys? Welche Musik hören sie gerne? Was ist ihr Lieblingsessen? Meine eigene Muse habe ich während eines NaNoWriMos sogar häufiger zu Nicole geschickt (dir ihr viel zu viele Kekse gegeben hat, woraufhin ich dann die Dumme war, die sie wieder auf Diät setzen musste … 😉 ). Dass sie in diesem Monat kein Burnout erlitten hat wundert mich bis heute.
Also … wie geht es den Musen so damit, auf diese einzige Aufgabe reduziert zu werden?

Rückkehr der Muse

Autor: Hey, wo warst du?
Muse: Hallo erstmal.
Autor: Ja hi. Und? Hast du mir was interessantes mitgebracht?
Muse: Das ist ja wirklich mal wieder typisch.
Autor: Was denn?
Muse: Fragst du dich auch eigentlich manchmal, wie es mir geht? Was ich sonst so mache?
Autor: Du kamst so beschwingt hier rein, da dachte ich …
Muse: Ja ja ja, jetzt komm mir nicht so. Du hast ja nicht mal vom Computer aufgesehen. Weißt du eigentlich, wie das ist, rein aufs Inspirieren reduziert zu werden? Das ist doch nicht das Einzige, das uns ausmacht!
Autor: Ähm … das tut mir leid, aber können wir da vielleicht später drüber reden, ich bin hier gerade an der Szene …
Muse: Mir fallen die Ideen auch nicht einfach so zu. Es ist harte Arbeit, sich farbenprächtige Kulissen, tiefgründige Charaktere und mysteriöse Antagonisten auszudenken. Von Spannungsbögen, die in eure neumodischen 7-Punkte-Strukturen passen ganz zu schweigen.
Autor: Okay, ist ja gut. Ich dachte immer, das macht dir halt Spaß.
Muse: Ja, tut es auch. Sonst würde ich den Job nicht machen. Aber es wäre dann doch nett, wenn ihr Autoren auch mal etwas aufmerksamer wärt. Mal habt ihr nichts zum Schreiben da, dann seid ihr zu müde, um die Ideen mitzuschreiben, euch ist zu kalt, ihr habt Hunger und verwechselt diese ganzen Ausreden einfach mit der Angst davor, bei der Umsetzung unserer Ideen zu scheitern. Euch zu inspirieren ist schwerstarbeit. Das ist frustrierend!
Autor: Schreiben ist halt auch nicht leicht. Aus euren bruchstückhaften Impulsen ganze Geschichten zu machen ist schon eine Herausforderung.
Muse: Ja klar! Könnten wir es besser, würden wir Musen die Bücher selber schreiben.
Autor: Da ist was dran.
Muse: Weißt du, was das Unwort des Jahres 2016 unter Musen geworden ist?
Autor: Was denn?
Muse: Plotbunny.
Autor: (schmunzelt)
Muse: Was ist daran lustig?
Autor: Das ist doch nett gemeint.
Muse: Kommt aber nicht immer so nett rüber.
Autor: Okay, okay. Tut mir leid. Komm erstmal an, nimm dir einen Keks, schenk dir einen Kaffee ein, ruh dich aus. Ich versuche, so lange an der Szene hier weiter zu kommen
Muse: Gut.
(Muse geht drei Schritte, dreht sich dann wieder um)
Muse: Aber weißt du was? Ich muss dir vorher schnell noch von meiner Idee erzählen …

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Nicole
Vro

Das Thema für den 01.03. lautet: Frühlingsblüten

Schreibkick #36: Zwischen Tannenbäumen

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Halli hallo ihr lieben,

schön, dass ihr für unseren Weihnachts-Schreibkick vorbei schaut. Ich habe ein kleines Gedicht für euch geschrieben. Es ist noch nicht perfekt, ich hätte gerne ein wenig mehr Zeit gehabt, um es zu verfeiern, ein paar Reime zu überarbeiten und einige Sätze umzustellen, aber ich will es euch heute an Weihnachten trotzdem nicht vorenthalten.

Und damit wünsche ich euch frohe Weihnachten, besinnliche Feiertage und dann einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Zwischen Tannenbäumen

Graue Straßen, dunkle Gassen,
weiche Pfoten auf hartem Asphalt.
Die Stadt, die wirkt fast gänzlich verlassen,
nur durch die Fenster Musik erschallt.

Der Fuchst sucht Futter, das liegengelassen,
damit er den Abend übersteht.
Da sieht er in einem kleinen Garten
den großen Baum von Lichtern erhellt.

Er staunt nicht schlecht über all den Glanz,
versinkt in dessen Anblickt ganz.
„So etwas will ich auch gerne haben
doch wo find ich all die glitzernden Gaben?“

Er schaut durch ein Fenster ins Haus hinein,
dort sitzt die Familie bei Braten und Wein.
„Alle sind sie zusammen ganz froh,
so friedlich, das sieht man sonst nirgendwo.“

Dann rennt er in den Wald hinein,
erzählt allen von dem hellen Schein.
„Lasst und heute ein Feste feiern,
wie noch nie gesehen in unseren Wäldern!“

Zwischen zwei Tannen sucht er ein Plätzchen,
vom Winde und Schneefall abgeschirmt.
Der Mond erhellt das kleine Fleckchen,
Der Himmel mit funkelnden Sternen verziert.

Die Meisen bringen kleine Glöckchen,
und schmücken ein hübsches Tännchen ganz froh,
Der Wolf konnt‘ einen Braten ergattern,
die Hasen ein wenig Salat dazu.

Der Dachs, der kommt auf leisen Pfoten,
eine Kette mit Lichtern schleppt er herbei.
„Ich konnt‘ ein paar Kugeln ergattern, die Roten“,
zwitschert ein Zeisig, trägt im Schnabel gleich drei.

So kommen die Tiere des Waldes zusammen,
Der Bär, das Reh, der Biber, der Specht.
sie zwitschern ein Liedchen und futtern beisammen,
bis am Morgen die Sonne das Blätterdach durchbricht.

Beim Weihnachts-Schreibkick waren dabei:
Eva
Veronika

Das Thema für den regulären Schreibkick am 01.01.2017 lautet: Vorsatz.

Liebe Grüße,
eure Sabi

Schreibkick #35: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

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Hallo ihr lieben,

meine Geschichte ist dieses Mal etwas länger ausgefallen, deswegen werde ich sie in drei Teilen posten. Ich wünsche euch viel Spaß 🙂

Teil 1

Silas stand mit dem Rücken zur Wand. Seine Lunge brannte und sein rechtes Knie schmerzte. Vermutlich hatte er eine Schürfwunde, doch er hatte nach seinem Sturz keine Zeit gehabt, nachzusehen, da seine Verfolger direkt hinter ihm waren. Jetzt hatten sie ihn eingeholt.
»Na, Brillenschlange, machst du dir wieder in die Hose?«
Er wusste nicht, was er sagen sollte, suchte panisch nach einem Fluchtweg. Doch die drei Jungs aus der Klasse über ihm, hatten ihn umzingelt.
»Gib mir dein Handy!«, forderte Matheo, der Anführer der drei.
Ängstlich schüttelte Silas den Kopf. Das würde Ärger geben zuhause, wenn seine Eltern das bemerkten. Er konnte nicht sagen, dass es Matheo und seine Bande waren, denn dann würden sie ihn verprügeln.
»Ich habe euch doch nichts getan«, jammerte er.
»Du hast Recht«, meinte Matheo. »Du bist ein lieber Junge. Deswegen sei jetzt so gut und gib mir dein Handy.« Drohend trat er einen Schritt auf ihn zu. Panisch schüttelte Silas den Kopf, woraufhin auch die anderen beiden Jungs näher kamen. Schritt für Schritt näherten sie sich ihm. Er schloss die Augen und hob die Hände vors Gesicht, erwartete das Reißen an seinem Rucksack und ihre Tritte, wenn sie ihre Beute hatten.
»Hey, Jungs, verzieht euch!«
Silas öffnete die Augen. Die drei Typen standen immer noch vor ihm. Doch hinter ihnen war jemand aufgetaucht. Silas konnte im Gegenlicht einer Laterne nur den Umriss einer Person erkennen. Ihre Stimme klang weiblich, aber streng. Vielleicht eine der Anwohnerinnen hier? Sie befanden sich in einer dunklen Seitenstraße, in der Silas sich hatte verstecken wollen. Dummerweise hatte er das Sackgassenschild nicht gesehen.
Matheo drehte sich um. »Du hast mir Garnichts zu sagen.«
»Meinst du?«
Sie zog etwas aus der Tasche – es sah aus wie eine Dose – und schüttelte es. Dann zielte sie damit auf Matheos Gesicht. »Verzieh dich, sonst bist du gleich grün.«
»Verpiss dich, du dumme …«
Weiter kam er nicht, denn sie machten einen schnellen Schritt nach vorne und sprühte ihm Farbe ins Gesicht. Metheo zuckte zusammen. »Ah, das brennt.«
Jetzt konnte Silas das Mädchen besser erkennen. Sie war vielleicht 15 oder 16, also ungefähr sechs Jahre älter als er, trug eine weite, dunkelgrüne Jacke und eine enge, schwarze Jeans. Aber das auffälligste an ihr waren eindeutig die lila Locken, die sie auf dem Kopf trug. Einer der anderen Jungs ging einen Schritt auf sie zu und hob die Fäuste vors Gesicht.
»Wirklich? Du willst auch?« Sie klang gelangweilt, fast schon herablassend.
Der Junge hingegen blieb verunsichert stehen.
»Macht, dass ihr wegkommt!«
Matheo hatte sich in der Zwischenzeit wieder gefangen und ging erneut auf sie zu. »Du dämliche Kuh, das wirst du mir …«
Sie holte aus, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen, doch er wehrte ihre Bewegung ab. Als hätte der Lockenkopf damit gerechnet, holte sie zur selben Zeit mir der anderen Hand aus und schlug ihm mit der Spraydose auf den Kopf. Dieses Mal schrie Matheo auf und Tränen stiegen ihm in die Augen.
»Also ich verschwinde jetzt«, meinte der Junge, der bisher unbeteiligt dabei gestanden hatte. Auch der mit den erhobenen Fäusten ging wenige Schritte zurück. Er schien unentschlossen, ob er fliehen, oder seinem Freund beistehen sollte.
Matheo warf ihr zwischen seinen Schluchzern einen bösen Blick zu. »Das gibt Rache.« Seine Stimme klang jedoch nicht allzu überzeugend. Dann rannte er los. Seine Kumpels folgten ihm.
Völlig perplex blieb Silas stehen. Er hatte nicht damit gerechnet, ungeschoren davon zu kommen. Wortlos starrte er das Mädchen an, das ihn gerettet hatte.
»Was ist? Hats dir die Sprache verschlagen?«
Silas wusste nicht, was er sagen sollte. In dem Moment begann es zu schneien. Die ersten Flocken in diesem Jahr. Wurde auch Zeit, in einem Monat war schließlich Weihnachten. Der Schnee blieben in ihrer Mähne hängen.
»Die Jungs scheinen dir ja ganz schön zugesetzt zu haben.«
Ihre Worte rissen Silas aus seinen Gedanken. »Äh. Ja. Danke für deine Hilfe.«
»Schon gut.«
»Wie heißt du?«
»Die meisten nennen mich Kitty.«
So einen seltsamen Namen hatte Silas noch nie gehört. »Ist das dein richtiger Name?«
»Nein.«
»Und wie heißt du richtig?«
»Ist doch egal. Ich muss jetzt weiter.«
»Halt! Warte!«, Silas wollte sie noch so viel fragen: wie sie so selbstbewusst geworden war, woher sie ihren coolen Namen hatte, wie sie gelernt hatte, sich so zu verteidigen und vieles mehr. Aber Kitty drehte sich um und lief die Straße hinunter. Silas folgte ihr.
»Bitte warte doch.«
Sie drehte sich um. Doch auf einmal wirkte ihr Gesicht nicht mehr freundlich und weich. Aus kalten Augen funkelte sie ihn an. »Lass mich. Ich habe dir geholfen. Das wars. Ich bin nicht auf der Suche nach einem neuen Freund.«
Wie angewurzelt blieb er stehen. Ein zweites Mal an diesem Abend fing sein Herz wie wild an zu klopfen.
»Tut mir leid, ich …«
»Das interessiert mich nicht.« Ihr Ausdruck wurde wieder etwas weicher. »Jetzt geh heim zu deiner Mama.« Mit den Worten wandte sie sich erneut ab. Silas blieb stehen und sah ihr hinterher. Immer wieder verschwand sie beinahe zwischen den Lichtkegeln der Straßenlaternen, dann tauchte sie im hellen Licht der nächsten wieder auf, bis sie einige Straßen weiter um eine Ecke bog und vollends aus seinem Blickfeld verschwand. Entgegen seiner Hoffnung drehte sie sich nicht noch einmal um.

Silas lief die Einfahrt zum Haus seiner Eltern hinauf. Drinnen brannte Licht. Seine Mutter tauchte mit vollen Händen vor dem Küchenfenster auf und verschwand auch gleich wieder. Die Vorbereitungen für das Abendessen waren wie immer in vollem Gange. Vor der Haustüre blieb er stehen um seinen Schlüssel aus der Jackentasche zu friemeln. Garnicht so einfach mit den dicken Handschuhen an den Fingern. Von drinnen ertönte Jazzmusik. Sein Vater war also schon zuhause und hatte eine seiner geliebten Schallplatten aufgelegt. Endlich hatte er seinen Schlüssel gefunden und schob ihn ins Schloss.
»Bin zuhause!«, rief er, als er in der Garderobe stand und die Türe hinter sich geschlossen hatte. Seine Mutter streckte ihren Kopf durch den Türrahmen, voll beschäftigt, wie immer. »Silas! Wie siehst du denn aus, was hast du denn angestellt?« Silas holte gewohnheitsmäßig nicht mal Luft, um ihr zu antworten, da er wusste, dass sie ihn ohnehin nicht zu Wort kommen lassen würde. »Du sollst doch auf deine Sachen aufpassen. Das sage ich dir doch immer wieder.« Sie hatte sich bereits wieder umgedreht und Silas hörte das Geklapper von Geschirr und Töpfen, während er sich die Schuhe auszog. Trotzdem plapperte sie ununterbrochen weiter. »Ich kann dir doch nicht ständig neue Klamotten kaufen. Sieh dich doch mal an. Ja, wir sind nicht arm, aber trotzdem musst du lernen, auf die Dinge Acht zu geben. Oder willst du in einer der Fabriken arbeiten, in denen die Sachen hergestellt werden? Das ist harte Arbeit. Vielleicht würdest du die Dinge dann zu schätzen lernen. Hörst du, Silas?«
»Ja, Mama. Tut mir Leid«, rief er beiläufig zurück.
»Jetzt geh nach oben und zieh dich um. Es gibt gleich essen. Nicht, dass dein Vater dich so sieht.«
Silas schüttelte den Kopf, als er die Treppe nach oben lief. Seinem Vater würde die Hose vermutlich Nichtmal auffallen. Der redete ohnehin nur über geschäftliches Zeugs. Bei dem Gedanken daran, wie sein Vater das Gesicht verziehen würde, wenn er ihm von dem lila Lockenkopf erzählen würde, musste Silas schmunzeln. Lila Locken, wie unzivilisiert, die Jugend von heute, wären vermutlich die Worte, die er darüber verlieren würde, bevor das Thema beendet wäre. Doch Silas wusste, dass das Thema für ihn noch lange nicht erledigt war. Er wollte wissen, wer sie war und sich zumindest nochmal richtig bedanken. Jetzt konnte er nur hoffen, dass er ihr irgendwann wieder über den Weg lief. Schließlich kannte er noch nicht mal ihren richtigen Namen.

Das Thema für unser Weihnachts-Special lautet: Zwischen Tannenbäumen

Das Thema für den 01.01.2017 lautet: Vorsatz

Diesen Monat waren dabei:

Eva
Veronika
Conny

Schreibkick #34: Höhe

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Hallo ihr lieben,

heute geht es wieder weiter mit Gerry dem Grashüpfer. In der letzten Folge haben er und sein Begleiter Fritz den großen Zufall getroffen. Mal sehen, ob der ihm dabei helfen kann, seine Familie zu finden.

* * *

Verwundert verfolgte Gerry den Schlagabtausch der beiden Tiere, bis ihm der Kragen platzte. „Jetzt reicht es aber!“
Sofort hielten die beiden inne. Der große Zufall grinste neckisch und meinte: „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“
Bevor Fritz etwas erwidern konnte sprang Gerry von seinem Rücken. „Also gut. Wir sind alle zufällig hier. Was kannst du für uns tun, außer schlaue Sprüche um dich werfen?“

* * *

„Nun, kleiner Grashüpfer. Das werden wir sehen. Was führt dich und deinen Begleiter hierher?“
Gerry erzählte ihm alles: Wie er versucht hatte, mit dem Floß den Fluss zu überqueren um bei seiner Familie zu sein, wie er dabei den Wasserfall hinabgestürzt war, seine Verwirrung wegen der flirrenden Luft über dem Asphalt, wie er Fritz getroffen hatte und sie beide auf den großen Zufall gestoßen waren.
Als er geendet hatte, schaute der große Zufall ihn nachdenklich an. „Ich glaube, ich kann dir helfen.“
„Wirklich?“
„Ja. Mir ist letztens zufällig was verrücktes passiert …“
Fritz schnaubte verächtlich. „Was du nicht sagst.“
„Ich war, warum auch immer, irgendwo in einem Dschungel. Und da war ein Vogel. Er hatte seine Eier verloren. Jemand hatte sie aus seinem Nest gestohlen. Zufällig war ich vorher auf einem Baum. Dort erzählte mir ein Affe, der übrigens Hilfe brauchte, weil er keinen passenden Ast fand, um Termiten aus einem Baumstamm zu holen, dass er einen Eierdiebstahl beobachtet hatte, als er selbst auf der Suche nach einem geeigneten Ast war …“
„Komm zum Punkt!“, unterbrach Fritz den großen Zufall. Der schenkte ihm nur einen herablassenden Seitenblick.
„Also jedenfalls war der Vogel sehr dankbar für meine Hilfe, denn zufällig lief uns auch der Affe wieder über dem Weg, dem ich ja vorher schon geholfen hatte. Gemeinsam fanden sie die Eier und …“
„Und was hilft uns das jetzt?“, fragte Fritz.
„Ist ja gut. Aus Dankbarkeit schenkte er mir zwei Federn. Er hatte ja sonst nichts. Ich habe mich lange gefragt, was ich damit tun soll. Ich habe sie auch schon liegen lassen, aber der Wind hat sie mir zufällig hinterhergeweht, da habe ich sie wieder eingesteckt.“
Fragend blickte Gerry das große Tier an. „Und was soll ich mit zwei Federn?“
„Naja, ich habe hier …“ er kramte mit einer Tatze in den Tiefen seines Fells herum „… auch noch zwei Gummis. Die habe ich bekommen als …“
„STOP!“, drängte sich Fritz dazwischen. „Und mit den Gummis willst du die Federn an seinen winzigen Flügeln befestigen, damit er über den Fluss fliegen kann.“
„Genau.“
„Das ist brilliant!“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Gerry die beiden an. „Das ist nicht euer Ernst, oder?“
„Warum denn nicht?“ Fritz schien von der Idee wirklich begeistert zu sein.
„Weil ich noch nie geflogen bin“
„Dann lernst du es eben.“
„Mit Vogelfedern?“
„Ja. warum nicht?“
Fieberhaft überlegte Gerry. Fliegen zu können war schon immer sein Traum gewesen. Aber eben mit echten Grashüpferflügeln und nicht so. Bei dem Gedanken, mit diesen Federn über den Fluss zu flattern und sich der Gefahr auszusetzen, erneut in die Fluten zu stürzen, wurden seine Knie weich wie Moos. Andererseits war der Gedanke, den Wind in seinem Gesicht zu spüren und die Landschaft unter sich hinwegziehen zu sehen einfach verlockend.
„Du musst ja nicht gleich über den Fluss fliegen. Probier es doch einfach erstmal so. Viel kann ja nicht passieren.“ Unterbrach der Kater seine Gedanken.
Da hatte Fritz recht. Er musste ja nicht bei seinem ersten Flug den Fluss überqueren.
„Also gut. Ich mache es.“
Die beiden Tiere grinsten ihn an.

Wenige Minuten später hatten sie die Federn an Gerrys kleinen Schwingen angebracht. Vorsichtig hob und senkte er sie. Deutlich spürte er den stärkeren Luftwiderstand, den die Schwingen verursachten.
„Los, probier es“, ermunterte Fritz ihn.
Langsam begann er mit den Flügeln zu schlagen. Doch er hatte keine Ahnung, wie er sie richtig bewegen sollte. Der Schwung fegte ihn nach vorne und er verlor sein Gleichgewicht. Unsanft landete er auf dem Bauch. Im Hintergrund hörte er Fritz lachen. Genervt stand Gerry wieder auf und probierte es erneut. Dieses Mal bleib er zwar auf den Beinen, hob aber nicht ab.
„Vielleicht musst du Anlauf nehmen?“ Vermutete der große Zufall.
„Hm. Das kann sein.“
Gerry suchte sich eine Stelle auf dem Schotterweg, wo nicht so viele Steine lagen. Dann rannte er, so schnell ihn seine kleinen Beine trugen, spreizte seine Flügel und hob ab. „Oooouuuaaaah!“ Das Gefühl, keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben war beängstigend. Hastig schlug er mit den Flügeln, wurde vom Wind weiter getragen, geriet ins Strudeln, machte einen Salto und landete unsanft im Gras. Sofort waren Fritz und der große Zufall bei ihm. „Ist alles okay?“ Fragten sie beinahe gleichzeitig.
„Jaja. Aber ich glaube, das wird nichts.“
„Doch komm schon!“
„Du bekommst das hin“
„Du brauchst nur Übung.“
Die beiden überschlugen sich beinahe bei dem Versuch, ihn zu ermutigen.
„Schon gut“, murrte der Grashüpfer und stand wieder auf.

Gerry übte und übte. Immer wieder erhob er sich in die Luft und stürzte ab. Erst, als die Dämmerung hereinbracht schaffte er es, sich einigermaßen stabil in der Luft zu halten. Besonders hoch traute er sich noch nicht. Aber im Flug über das Gras und den Weg hinweg zu gleiten, war ein berauschendes Gefühl. Erschöpft, aber glücklich sank er schließlich in die Wiese. Seine zwei Flugcoaches applaudierten ihm.
„Hab ichs doch gewusst!“ Meinte Fritz, breit grinsend.

Am nächsten Morgen erwachte Gerry bereits vor dem Sonnenaufgang. Neben ihm lag Fritz im Gras und schlummerte noch tief und fest. Der große Zufall war verschwunden. Gerry bewegte seine Flügel, um sicher zu gehen, dass er nicht geträumt hatte. Die Vogelfedern waren noch da. Erleichtert atmete er auf. Die halbe Nacht über hatte er wachgelegen und überlegt, was er tun sollte. Und er war zu dem Schluss gekommen, noch heute über den Fluss zu fliegen. Er konnte nicht länger warten. So schnell wie möglich wollte er bei seiner Familie sein und mit ihnen fliegen. Bei dem Gedanken wurde er ganz kribbelig.

Gemeinsam mit Fritz stand er an dem großen Fluss.
„Du wirst mich doch besuchen kommen?“ Fragte der Kater.
„Bestimmt“, meinte Gerry.
„Dann wünsche ich dir alles Gute da drüben.“
„Danke.“
„Na dann los.“ Der Kater setzte sich ins Gras und schaute Gerry auffordernd an.
„Okay.“
Er atmete noch einmal tief durch, dann konzentrierte er sich und nahm Anlauf. Als Gerry schnell genug war breitete er seine Flügel aus. Die Bewegungen fühlten sich schon viel vertrauter an, als am Vortag. Mühelos stieg er in die Höhe. Es war das erste Mal, dass er nicht nur knapp über dem Boden glitt, sondern weiter in Richtung Himmel stieg. Doch es machte ihm nichts mehr aus. Das mulmige Gefühl in seinem Magen ignorierte er, denn die Freude über seine neu gewonnene Freiheit überwog. Er ließ seinen Blick über das Ufer schweifen, an dem er die letzten Stunden verbracht hatte. Dort unten saß Fritz, der stolz zu ihm hinauf sah. Immer höher und höher flog er, den Wolken entgegen. Irgendwann war der Kater nurnoch ein kleiner Punkt. Dafür kam die Kante des Wasserfalls immer näher. Schon konnte er den Wald sehen, in dem er aufgewachsen war. Er überflog die Wipfel in weiten Kreisen und blickte hinüber über den großen Fluss, wo weite Wiesen und seine Familie auf ihn warteten. Dann flog er sicherheitshalber noch ein kleines Stück höher, nahm all seinen Mut zusammen und surrte hinaus über das Wasser.

Diesen Monat waren dabei:
Veronika
Nicole
Eva
Anita
Surf Your Inspiration

Das Thema für den 01.12.2016 lautet: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

NaNoWriMo 2016 – Tinkas Fragen 2

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nanowrimo_2016_webbadge_participant-180Hallo ihr lieben,

weiter gehts mit Tinkas Fragen.

 

1. Wirst du direkt am 1. November um 0 Uhr starten?

Ich habe nicht um 0 Uhr angefangen, denn da habe ich bereits geschlafen. Dafür aber jetzt. Wir haben 9:30 Uhr morgens, ich habe meine Tasse Kaffee neben mir stehen und Knabberzeugs. Bin also bestens gerüstet.

 

2. Was möchtest du in diesem NaNo schreiben? Warum möchtest du ausgerechnet diese Geschichte aufschreiben?*

Ich weiß gar nicht, wie viel ich schon verraten möchte. Der Arbeitstitel meines Romans lautet „Voodoo“. Und darum wird es auch gehen. Aber es wird keine Horrorgeschichte. Sie wird vermutlich auch ohne Zombies und Voodoopuppen auskommen. Sie spielt in Berlin. Ich habe in den letzten Wochen viel über den ursprünglichen Voodoo aus Benin gelesen und werde eher Elemente aus dieser Kultur verwenden. Im Juni habe ich im Schreibmeer schon einen Artikel zum Thema verfasst.

 

3. Was hat dich auf die Idee für deine Geschichte gebracht?*

Eine Reportage über den Weltklimagipfel. Ja, das mag jetzt im ersten Moment zusammenhanglos klingen, aber so wars eben 😉

 

4. Schreibst du mit Musik oder lieber ohne? Was ist dein liebster Song/deine liebste Playlist zum Schreiben?*

Ich denke, vor allem die ersten Szenen werde ich mit Musik schreiben. Das passt so schön, da sie in der Berliner Partyszene spielen. Ich muss mir aber noch den richtigen Soundtrack zusammensuchen.
Generell schreibe ich mal mit und mal ohne Musik. Je nach Stimmung. Prinzipiell höre ich beim Schreiben aber nur rein instrumentale Musik. Sprache lenkt mich zu sehr ab. Während ich an den Trollen geschrieben habe, lief häufig der Soundtrack zu „Herr der Ringe“.

 

5. Warum stellt sich dein Antagonist gegen den Protagonisten?*

Mein Protagonist stellt sich gegen den Antagonisten. Mein Antagonist hat einen „allgemeineren“ Gegner.

 

Mood-Frage: Wie Motiviert bis du auf einer Skala von 1 – 10?

So bei 7. Ich bin echt motiviert. Wenn ich dann aber in meinen Kalender blicke und sehe, was „drumrum“ noch so alles los ist, sinkt die Stimmung  😀

Alles liebe,
Sabi

NaNoWriMo 2016 -Tinkas Fragen

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nanowrimo_2016_webbadge_participant-180Hallo ihr lieben,

die Tinka hat pünktlich zum NaNoWriMo wieder Fragen für Teilnehmer veröffentlicht. Und da ich dieses Jahr auch wieder dabei bin, lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, die Fragen zu beantworten.
Übermorgen geht es dann wieder los. Weltweit setzen sich Autoren an ihre PCs, Laptops und Notizbücher und schreiben, schreiben, schreiben ohne Ende. Das Ziel sind 50.000 Wörter in einem Monat.

 

Frage 1: In wenigen Wochen ist es soweit, der NaNoWriMo beginnt. Ist dies dein erster NaNo und weißt zu schon, was du schreiben möchtest?

Nein, es ist nicht mein erster NaNo. Ich nehme zum dritten Mal teil. Bisher habe ich allerdings nie gewonnen. Neben dem ganzen beruflichen Alltag ist es mir kaum möglich, die 50.000 in einem Monat zu knacken. Aber das gemeinsame Schreiben, die Schreibtouren und der Austausch in den Gruppen sind wahnsinnig motivierend und machen einfach nur Spaß.

Ja, ich weiß schon was ich schreiben werde. Ich recherchiere bereits seit Wochen für diesen Roman und freue mich darauf, endlich anfangen zu können. Allerdings werde ich in der ersten Woche meine Recherchen noch abschließen und mein letztes Projekt beenden. Den Trollen fehlt nämlich nach wie vor ihr großes Finale – ich bin aber schon viel näher dran! 😉

 

Frage 2: Wie bereitest du dich auf den NaNoWriMo vor?
Recherche, Recherche, Recherche. Ich habe mir heute erst zwei weitere Bücher bestellt. Außerdem habe ich bereits ein erstes Exposé, das die Handlung in ihren Grundzügen umfasst. Innerhalb der nächsten Woche werde ich die Geschichte um Details erweitern und schließlich einen Szenenplan erarbeiten. Dann geht es mit dem Schreiben los.
UND: Tee-shopping! Ganz wichtig! Ich brauche Tee! Das muss ich morgen unbedingt noch erledigen.

 

Frage 3: Welches Ziel hast du im NaNoWriMo? Reichen dir die 50.000 Wörter oder möchtest du mehr schaffen?
Mal sehen. Dabei sein ist alles 🙂

 

Frage 4: Hast du eine spezielle Strategie für den NaNoWriMo? Möchtest du jeden Tag die gleiche Wortzahl schaffen oder du zu den Blitzstartern gehören, die die 50.000 Wörter schon nach den ersten Tagen erreichen?
Ich werde versuchen, jeden Tag ein paar Wörter zu schreiben. So gut es geht natürlich die 1667. Aber ich werde es zeitlich nicht immer schaffen. Mal sehen, inwiefern ich die zahlenmäßig schwachen Tage an den Wochenenden ausgleichen kann.

 

Frage 5: Was erwartest du für dich und dein Schreiben vom NaNoWriMo?

Für mein Schreiben? Keine Ahnung. Dank der guten Vorbereitung hoffe ich, dass ich zügig voran komme. Ansonsten erwarte ich eine schöne (und anstrengende) Zeit und einen tollen Austausch mit anderen Schreiberlingen.

Alles liebe,

Sabi
Kategorie: Geschriebenes