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Rezension: Rike Moor- Im Schatten des Jaotar

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im-schatten-des-jaotar Klappentext:
Tief im Regenwald von Onar liegt die Heimat der Manori. Eines Tages finden Späher zweier befreundeter Stämme die Spuren einer gefährlichen Kreatur, dem Jaotar, in ihren Territorien. Kurz nach dem beunruhigenden Fund breitet sich eine merkwürdige und unbekannte Krankheit aus. Dennoch beginnt eine schicksalsbehaftete Jagd auf die Bestien des Regenwaldhochlandes. Unter den ausgesandten Krieger, Jägern und Spähern beider Stämme befinden sich auch Nairi und Yriiel, zwei junge von Grund auf verschiedene Manori.

Während Nairi bereit ist verbotenerweise Magie einzusetzen, lehnt Yriiel diese strikt ab. Als ihre unterschiedlichen Ansichten aufeinanderprallen, entsteht ein Strudel aus Pflichtgefühl, Heimlichkeiten und unerwarteter Zuneigung. Zu allem Überfluss müssen nicht nur die beiden herausfinden, dass die Jaotare ihr kleinstes Problem sind und sie einer Gefahr gegenüberstehen, der sie ohne Magie nicht gewachsen sind.

Meine Meinung:

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar von der Autorin über die Facebookgruppe „Reziliebe“ bekommen.

Ich habe mich anfangs etwas schwer getan, in die Geschichte zu kommen. Die Autorin wechselt immer wieder zwischen den Schauplätzen der beiden Manori-Stämme. Und auch, wenn die Namen genannt werden und man eigentlich wissen könnte, wo man sich gerade befindet, habe ich mich tatsächlich schwer getan. Vielleicht, weil bei beiden Gruppen ähnliches zeitgleich passiert? Ich weiß es nicht. Nach einer Weile bin ich aber in die Geschichte hinein gekommen und fand sie von da an ganz gut.
Auch mit den Charakteren bin ich nicht direkt warm geworden. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich in sie einzufühlen. Nairi und Yriiel sind eigentlich ganz nette Personen – wenn man sie erstmal etwas besser kennt. Doch dann hatte mich die Geschichte gepackt und ich wollte wissen wie es weiter geht.
Positiv ist zu sagen, dass es durchweg recht spannend bleibt. Es gibt einige Fragen, die lange offen bleiben, aber nach und nach gelöst werden.
Etwas unrealistisch ist, wie „gut“ und „einfach“ Nairi, Yriiel und der Rest ihrer Truppe durch ihr Abenteuer gelangen. Ihnen werden zwar immer wieder Steine in den Weg gelegt, trotzdem haben sie wenig Verluste auf ihrer Seite zu beklagen.
Die Welt ist schön beschrieben. Man kann sich die verschiedenen Schauplätze zwischen den Baumriesen, im Urwald usw. gut vorstellen. Auch die magischen Elemente (Pflanzen, verwoben mit den Manori, magische Kristalle …) passen in das Setting und in die Geschichte.

Sprachlich ist das Buch okay. Mitunter holpert es etwas und es gibt Passagen, in welchen sich vermehrt Fehler finden lassen. Für ein (wie ich vermute) unlektoriertes Erstlingswerk finde ich es aber noch okay.

Das Buch bekommt von mir eine vorsichtige Leseempfehlung. Es ist nett zum zwischendrin in der S-Bahn lesen. Leichte, einfache Unterhaltung.

 

Schreibkick #33: Zufall

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Hallo ihr lieben,

dieses Mal geht es wieder weiter mit Gerry. Da ich einen Monat übersprungen habe, hier nochmal kurz das Ende vom letzten Teil, zur Erinnerung. Dann geht es mit dem Thema „Zufall“ weiter.

Am Straßenrand saß eine zerzauste Katze. Gerry gefror das Blut in den Adern.
„Na, hat das Sommerflirren dich verwirrt?“
Vorsichtig lief Gerry einige Schritte rückwärts. Er wollte nicht als Mittagessen dieser Kreatur enden.
„Keine Sorge. Ich fress‘ dich nicht. Hatte heut‘ schon ’ne Maus. An dir is‘ ja nix dran.“

* * *

Die Worte beruhigten Gerry allerdings überhaupt nicht. Er schnappte nach Luft und machte aus Reflex einen Salto rückwärts. Doch mit wenigen eleganten Bewegungen stand die Katze wieder direkt über ihm. Hätte er anständige Flügel gehabt, hätte er wegfliegen können. Doch so war er dem Vieh hilflos ausgeliefert.
„Aber … aber, sie waren doch gerade noch da?“
„Da war niemand. Glaub mir.“
„Aber … aber …“ Suchend blickte Gerry sich um Seine Familie war weg.
Die Katze setzte sich hin und begann, ihre linke Pfote zu lecken. „Mhm, wo kommhmmst du mhm denn mmh her? Ich mhm habmme jemmhmanden wie mhm dich hier noch nie gemhmsehen.“
„Vom Wald. Oben auf dem Hügel“, antwortete Gerry zögerlich.
Das Tier hielt in seiner Bewegung inne und setzte seine Pfote wieder auf den Boden. „Ein Wald, sagst du? Ich war noch nie in einem Wald. Ich habe bisher nur davon gehört. Da soll es ganz viel zu essen geben. Viel mehr, als die paar dürren, vertrockneten Mäuse die einem hier tagtäglich über den Weg laufen.“
„Ja. Er ist da oben.“ Gerry zeigte in Richtung des Wasserfalls, den man in einiger Entfernung noch sehen konnte. Der Fluss hatte ihn ganz schön weit mitgenommen.
„Na dann, worauf wartest du?“, sagte die Katze, stand auf und stolzierte in Richtung des Hügels davon. Gerry bliebt sprachlos mit offenen Mund stehen. Nach einigen Schritten drehte sich die Kreatur um. „Bist du hier festgewachsen oder was? Komm!“
„Äh … ja … okay.“ So schnell er konnte, versuchte er, dem Vierbeiner hinterher zu kommen. Vielleicht war es gar nicht schlecht, ein wehrhaftes Tier an seiner Seite zu haben. Neugierig inspizierte er die spitzen Krallen, die gerade nur minimal zwischen dem Fell hervorlugten.
„Wie heißt du?“, maunzte es.
„Gerry. Und du?“
„Fritz. Wie kommt es, dass du hier unten bist, wenn du doch von oben aus dem Wald kommst?“ Gerry seufzte. Dann begann er, seine Geschichte zu erzählen.

Gerry war gerade dabei, das Blätterdach der Bäume in allen Details zu beschreiben, als Fritz plötzlich stehen blieb und die Nase in die Luft reckte.
Gerry blickte ihn fragend an. „Ist irgendwas?“
„Ich rieche etwas. Aber ich kann es nicht einordnen.“
„Vielleicht ist es schon der Wald?“, fragte der Grashüpfer hoffnungsvoll. Doch die Katze schüttelte nur den Kopf. „Es ist etwas tierisches. Aber sowas habe ich noch nie gerochen.“
„Denkst du, es ist gefährlich?“
„Keine Ahnung.“ Vorsichtig setzte er eine Pfote vor die andere, ohne mit dem schnuppern aufzuhören. „Komm.“
Langsam, Schritt für Schritt, schlichen sie vorwärts. Als sie um die nächste Kurve bogen, sahen sie auf einmal etwas großes, schwarzes neben der Straße liegen. Fritz erstarrte in seiner Bewegung und auch Gerry blieb stehen.
„Was ist das?“, flüsterte der Grashüpfer.
„Sssst“, machte die Katze. Duckte sich und wagte sich langsam einige Zentimeter nach vorne.
Auf einmal hob das große Etwas den Kopf und blickte direkt in ihre Richtung. Schwarze Augen sahen sie unter dicken Augenlidern hindurch an. Herabhängende Lefzen begannen zu zucken, als das Ungetüm die Witterung aufnahm. Fritz und Gerry erstarrten.
„Und jetzt?“, versuchte Gerry erneut, sich mit dem Kater abzusprechen.
„Weiß nicht.“
Sie beobachteten den Fellberg, der ungerührt liegen blieb, für einige Sekunden.
„Meinst du jetzt, es ist gefährlich?“
„Woher soll ich das wissen?“, fauchte die Katze. „Aber wir müssen dran vorbei, wenn wir nach oben wollen.“
„Wir können auch warten, bis es weg ist?“, wandte Gerry verängstigt ein.
„So wie das da liegt kann das Tage dauern.“
Gerry konnte an Fritz zusammengekniffenen Augenbrauen förmlich sehen, wie sein Gehirn arbeitete. Sein eigenes hingegen war einfach leer. Er hatte keinerlei Erfahrungen mit solchen Situationen.
„Okay. Spring auf meinen Rücken. Ich laufe daran vorbei, als wäre es nichts besonderes. Sollte das Ding irgendetwas unvorhergesehenes machen, renne ich los. Also halt dich gut fest.“
Gerry nickte. Fritz legte sich auf den Boden und ließ den Grashüpfer aufsteigen. Er hatte zunächst einige Mühe, sich auf dem Katzenrücken zu halten. Doch dann fand er an einem großen Fellknäuel einen einigermaßen sicheren Halt.
„Kanns los gehen?“
„Ja.“
Langsam setzte sich der Kater unter Gerry in Bewegung. Es schaukelte ganz schön, doch es gelang ihm, das Gleichgewicht zu halten.
Als sie dem Ungetüm immer näher kamen, pochte sein Herz wie wild und er glaubte, auch das Herz des Katers zu spüren, das immer schneller und schneller schlug.
Gerry blickte stur geradeaus und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
„Hallo.“
Fritz machte seinen Satz zur Seite und der Grashüpfer auf seinem Rücken konnte sich gerade noch halten.
„Nicht erschrecken“, grollte das Wesen, wobei unter seinen Lefzen spitze Eckzähne zum Vorschein kamen. „Ich will euch nicht fressen.“
Ungläubig schüttelte Gerry den Kopf. Das war schon die zweite Kreatur in kurzer Zeit, die kein Interesse daran hatte, ihn zum Mittagessen zu verspeisen. Und das, obwohl ihm seine Familie immer wieder eingebläut hatte, wie gefährlich die Welt „da draußen“ war.
„W…wer bist du?“, piepste der Gerry.
„Ich? Ich bin der große Zufall.“
„Was?“, mischte sich nun Fritz ein. Seine Stimme klang genauso verdutzt, wie Gerry sich fühlte.
„Der große Zufall. Ich bin immer zufällig dort, wo jemand einen Zufall benötigt.“
„Danke. Wir brauchen nichts“, sagte Fritz und wandte sich bereits ab.
„Seid ihr sicher? Das wäre dann aber ein komischer Zufall.“ Seine tiefe Stimme ließ die Straße vibrieren.
Gerry kratzte sich am Kopf. Drehte er jetzt langsam völlig durch? Das war alles zu verrückt um wahr zu sein.
„Zufällig brauchen wir aber garnichts“, meinte Fritz genervt.
„Hm. Auch solche Zufälle muss es mal geben“, meinte der große Zufall und leckte sich mit seiner Zunge über die Schnauze.
„Ausnahmen bestätigen die Regel“, erwiderte Fritz genervt.
Das schwarze Ungetüm verzog die Lefzen, was wohl ein Lächeln sein sollte. „Auf den Zufall bauen ist Torheit, den Zufall benutzen ist Klugheit.“
„Jaja, und auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.“
Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall.“
Verwundert verfolgte Gerry den Schlagabtausch der beiden Tiere, bis ihm der Kragen platzte. „Jetzt reicht es aber!“
Sofort hielten die beiden inne. Der große Zufall grinste neckisch und meinte: „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“
Bevor Fritz etwas erwidern konnte sprang Gerry von seinem Rücken. „Also gut. Wir sind alle zufällig hier. Was kannst du für uns tun, außer schlaue Sprüche um dich werfen?“

🙂 So weit erstmal die Geschichte von Gerry, Fritz und dem großen Zufall. Beim nächsten Mal gibts das Finale 😀

Diesen Monat waren dabei
Eva
Veronika
Alice Japa
Nicole Vergin

Das Thema für den nächsten Monat lautet: Höhe

Rezension: Lisa-Marie Reuter – Die Herrschaft der Xarquen

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Hallo ihr lieben,

dieses Mal habe ich etwas ganz besonderes für euch. Dieses Buch ist mein absoluter Fantasy-Liebling im Jahr 2016. Wenn ihr auf liebenswerte, abenteuerliche, etwas verrückte Fantasy steht, seid ihr bei diesem Buch absolut richtig!

Schon beim ersten Satz (nach dem Vorwort zur Übersetzung aus dem Pärlonischen) des Buches musste ich grinsen: „Schmorzo H. von Krotzenhausen“. Was für ein hübscher Name. Die Autorin entführt den Leser innerhalb weniger Sekunden in eine abenteuerlich Fantasywelt, mit einer wunderbaren Artenvielfalt und eigenwilligen, außergewöhnlichen Charakteren. Es gibt Werwölfe mit Doppelnamen (Rex-Arko Lupernus III. von Todesklau, Cora-Bella …), einen Elfer mit Fledermausflügeln, Irrwitze, Drachen, Lebewesen, die es eigentlich gar nicht mehr gibt usw. Wer auf abgedrehte Fantasy mit einer liebevollen, lustigen Geschichte steht, ist hier genau richtig.

Im Großen und Ganzen geht es um Pongo den Polizeipären, welcher in einem absolut hierarchischen System aufgewachsen ist. Doch plötzlich ist er auf sich alleine gestellt und verbündet sich mit Kiffi der Killerelfe. Sie haben ein Kästchen bei sich, das die Schreckensherrschaft der geheimnisvollen Xarquen beenden soll und hinter dem machthungrige Gegner her sind. Gemeinsam fliehen sie quer durchs Land, um das Kästchen an seinen Bestimmungsort zu bringen.

Pongo, Kiffi und die übrigen Charaktere sind super beschrieben. Es fällt kein bisschen schwer, sich in jeden Einzelnen von ihnen hineinzuversetzen. Sie sind alle absolut liebenswert und glaubwürdig. Das gilt auch für die „Bösewichte“. Für den Leser ist ihre Handlungsweise gut nachvollziehbar. Das Buch ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, was viel Abwechslung bedeutet und die Geschichte sehr lebendig macht.

Die Welt ist so beschrieben, dass man sie sich gut vorstellen kann, ohne, dass es langwierige Erklärungen gibt. Durch die vielen kleinen Details, die gut in die Handlung verpackt sind, bekommt man so nebenbei mit, in welcher Umgebung man sich befindet, wie die Wesen aussehen, denen man begegnet und wie sie so drauf sind.

Die Sprache des Buches ist durchgehend flüssig und beinahe komplett fehlerfrei. Ich glaube, ich bin über zwei kleinere Rechtschreibfehler gestolpert. Ansonsten lässt sich das Buch ohne jeden Stolperer oder Logikfehler lesen.

Das Buch ist von vorne bis hinten spannend. Das ist sowohl dem Plot, als auch der detaillierten Welt und den interessanten Charakteren zuzuschreiben. Mal geht es von der Geschichte her rasant voran, mal geht man mit Pongo und den anderen auf Entdeckungsreise, staunt über die Städte, die Sehenswürdigkeiten und die Natur oder trifft auf schräge Vögel und hört sich deren Geschichte an. Wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie ein Drache mit generalisierter Angststörung sein Leben verbringt?

Mich hat lange kein Buch mehr so begeistert wie „Die Herrschaft der Xarquen“. Es ist erfrischend anders und macht einfach Spaß. <3

Schreibkick #32 : Die Hummel

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Hallo ihr lieben,

es ist wieder Schreibkickzeit 🙂 Mein Grashüpfer Gerry macht diesen Monat allerdings eine Pause, denn mir ist ein nettes, kleines Gedicht eingefallen, das ich gerne mit euch teilen möchte.
Viel Spaß damit 🙂

Die Hummel

Der kleinen Hummel ist ganz bang,
Wie stellt sie nur das Fliegen an?
Hier steht sie vor dem ersten Flug,
Im Magen ist ihr gar nicht gut.
Ihre Flügel sind so kurz,
Unvermeidbar scheint der Sturz.
»Da muss ich durch, ich hab den Mut«,
redet sie’s sich selber gut.
Sie spreizt die Schwingen und hebt ab,
Ihr ganzer Körper sackt herab.
Doch ihre Schwingchen klein und fein,
Tragen sie in die Welt hinein.
Mit viel Gebrumm, trotz Sturzgefahr
Macht sie das Unmögliche wahr.

Diesen Monat dabei:
Veronika
Eva
Alice Japa

Das Thema für den nächsten Monat lautet: Zufall

Schreibkick #31: Sommerflirren

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Gerhard der Grashüpfer, Teil 2

Gerry stöhnte vor Schmerz, als er langsam wieder zu sich kam. Nur nach und nach kam die Erinnerung an die letzten Minuten zurück. Er war gefallen. Scheinbar endlos ging es nach unten, Gischt spritzte, vernebelte seinen Blick. Dann der Aufprall. Gerry konnte sich nicht erinnern, aber es musste einen gegeben haben. Jetzt lag er hier am Flussufer. Harmlos plätscherte das Wasser vor sich hin. Kaum zu glauben, dass es eine solche Kraft entwickeln konnte.
Mühsam setzte Gerry sich auf und blickte sich um. Die Sonne brannte unbarmherzig von oben herab. Der Wasserfall war bereits ein ganzes Stück entfernt. Das Wasser musste ihn noch eine Weile mitgerissen haben, bevor es ihn hier am Ufer angespült hatte. Die Welt um ihn herum war flach und staubig. Ganz anders, als der Wald, den er kannte. Kein Baum, kein Strauch, kein Grashalm wuchst dort, wo Gerry sich befand. Erst in einiger Entfernung konnte er wieder einen grünen Streifen entdecken. Gerry kniff die Augen zusamen. Er konnte es nicht wirklich deutlich erkennen. Die Farben schienen vor seinen Augen zu verschwimmen. Direkt vor ihm lag flacher, fast schwarzer Stein. Undeutlich konnte er sehen, dass er sich auch den Berg hinauf schlängelte, an dessen oberen Ende sich der Wald der Grashüpfer befand. Das musste eine dieser Straßen sein, von denen die anderen oft redeten. Doch von den rasenden Ungetümen, durch die immer wieder Insekten zu Tode kamen, konnte Gerry keines entdecken. Vorsichtig setzte er einen Fuß auf die Straße, zog ihn aber direkt wieder zurück. Der Boden war heiß. Was sollte er tun? Eigentlich blieb ihm nichts weiter übrig, als sich auf den Weg nach Hause zu machen. Beim Anblick des großen Hügels seufzte er. Das konnte dauern.

Schritt für Schritt trottete er neben der Straße her und beobachtete das flirren der Luft über dem Asphalt, als auf einmal Henry dort auftauchte. Er lächelte, winkte ihm zu, und war dann wieder verschwunden. Gerry runzelte die Stirn und rieb sich die Augen. Da war er wieder! Zusammen mit Markus, Karin und Elisabeth. Sie alle tanzten auf einem kleinen Flecken grüner Wiese mitten auf der Straße. Karin hielt inne und zwinkerte ihm zu. Gerry blieb stehen. Er konnte sein Glück kaum fassen. So schnell es ging, rannte er los. Die Hitze des Bodens war ihm jetzt egal. Er wollte zu den Anderen. Er lief und lief. Doch es schien fast so, als rückten die anderen immer weiter von ihm weg. Mal verschwanden sie und tauchten an anderer Stelle wieder auf, mal liefen sie eine Weile vor ihm her. „He, wartet!“, rief er. Doch sie hörten nicht auf ihn. Sie stoben auseinander, als er sie fast erreicht hatte und erschienen lachend und tanzend ein paar Meter weiter erneut. Gerry war bereits komplett außer Puste, als er ein Gackern neben sich hörte. Er blieb stehen und wandte sich um. Am Straßenrand saß eine zerzauste Katze. Gerry gefror das Blut in den Adern.
„Na, hat das Sommerflirren dich verwirrt?“
Vorsichtig lief Gerry einige Schritte rückwärts. Er wollte nicht als Mittagessen dieser Kreatur enden.
„Keine Sorge. Ich fress‘ dich nicht. Hatte heut‘ schon ’ne Maus. An dir is‘ ja nix dran.“

Das Thema für den 01.09.2016 lautet: Die Hummel

Dieses Mal waren dabei:
Veronika
Eva
SurfYourInspiration

Kategorie: Schreibkick-Texte

Rezension: Die Reise des Karneolvogels: Der Wanderzirkus – Jeanette Lagall

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Die Reise des Karneolvogels - Der WanderzirkusKlappentext:
Flucht war nicht der letzte Ausweg. Es war der einzige. Um der arrangierten Hochzeit zu entgehen, verkleiden sich die beiden ‘höheren Töchter‘ Riki und Myra als Knaben und schließen sich einem Wanderzirkus an. Dank ihrer neuen Identität entkommen sie zwar den Fesseln der viktorianischen Gesellschaft, doch die Welt der Gaukler ist nicht nur bunter, sondern auch gefährlicher als erwartet. Der Karneolvogel, ein mächtiges Artefakt der Gaukler, ist verschwunden und sein Hüter Ramiro schwebt in Lebensgefahr, wenn es nicht bis zur großen Versammlung wieder auftaucht. Dass nun auch noch die Liebe ihre kapriziösen Finger ins Spiel bringt, verschärft die Situation zusätzlich – denn was würden die Zirkusleute tun, wenn die Lüge der beiden ’Knaben‘ ans Licht kommt? Das Geheimnis muss also um jeden Preis gewahrt bleiben. Aber wie, wenn ausgerechnet derjenige Gefühle für Riki entwickelt, der sich selbst niemals eingestehen könnte, einen Jüngling zu lieben – und für den Liebe und Verrat ohnehin Hand in Hand gehen. Während die Gaukler den Spuren des Artefaktes folgen und sich herauskristallisiert, dass womöglich ein Verräter unter ihnen ist, setzen die Familien der Mädchen alles daran, die Ausreißerinnen zu finden, und bringen damit den ganzen Wanderzirkus in Gefahr …

Meine Meinung:
Der Roman „Die Reise des Karneolvogels“ von Jeanette Lagall ist packend von Anfang bis Ende.
Zunächst allerdings etwas oberflächliches Gemäkel: Ich hatte eigentlich aufgrund des Klappentextes eine spannende Abenteuergeschichte, mit vielen geheimen Enthüllungen und verwirrenden Verfolgungsjagden auf der Suche nach einem Artefakt erwartet. Diese Erwartung wurde nicht ganz erfüllt. Die Geschichte rund um den Karneolvogel spielt im ersten Band meines Erachtens nach nur eine Nebenrolle. Das erste Buch hätte wahrscheinlich genauso ablaufen können, ohne den Karneolvogel. Das macht aber garnichts. Denn die Geschichte rund um Riki und Myra, ihre Bekanntschaften im Wanderzirkus und die Verfolgung durch ihre Eltern ist so wunderschön und spannend beschrieben, dass das Buch trotzdem auf ganzer Strecke überzeugen konnte.

In die beiden Protagonistinnen konnte ich mich von Anfang an gut hineinversetzen. Auch die Mitglieder des Zirkusses sind liebevoll und glaubwürdig beschrieben. Die Konflikte die sich mit der Zeit ergeben sind nachvollziehbar. Es hat richtig Spaß gemacht, mit den beiden „Knaben“ auf Wanderschaft zu gehen und mit ihnen die Welt zu entdecken. Schließlich kommen die beiden aus gutem Hause und bemerken nach und nach, was ihnen hinter den dicken Mauern der prüden viktorianischen Gesellschaft so alles vorenthalten wurde. Vor allem, wenn es um das Thema Liebe geht. Sie versuchen, so gut es geht, ihre Rolle als Jungen auszufüllen, ohne, dass ihnen jemand auf die Schliche kommt. Ihre Gedankengänge dabei zauberten mir immer wieder ein Lächeln auf die Lippen.
Und immer wieder stellt sich diese eine Frage: War die Entscheidung richtig? Ist die Freiheit das Risiko wert? Oder wäre es nicht doch besser, in die Sicherheit des Pensionats zurückzukehren, an die Seite der Männer, die sie heiraten sollen?

Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Sprache lebendig. Die Erzählperspektive wechselt zwischendrin immer mal wieder, was das Lesen umso spannender macht.

Alles in allem kann ich kann das Buch nur empfehlen. Jeanette Lagall schafft es, den Leser mit auf die Reise in eine kunterbunte Welt zu nehmen. Das Buch lädt zum träumen ein, macht mitunter aber auch nachdenklich.

Kategorie: Rezensionen

Schreibkick #30 : Der Wasserfall

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Hallo ihr lieben,

mein Text wird wieder eine Fortsetzungsgeschichte. Ich hatte das Bild von dem Grashüpfer die ganze Zeit im Kopf, wusste aber nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Daher hier ein ziemlich planloser Anfang einer etwas längeren Geschichte. Mal sehen, was dann draus wird.

Gerhard der Grashüpfer

Gerhard schob das Blatt, welches er an den Seiten etwas nach oben gebogen hatte, ins Wasser. Sanft wippte es auf den plätschernden Wellen. Er holte einmal tief Luft, dann machte er zwei schnelle Schritte auf sein Floß und versuchte, es so gut wie möglich auszubalancieren. Er stand sicherer, als er gedacht hätte. Probeweise schaukelte er ein wenig nach rechts und links, doch das Blatt reagierte kaum darauf. Nur die Dellen unter seinen Beinchen wurden jeweils etwas tiefer. Er lächelte. Seinem Vorhaben stand nun nichts mehr im Weg.
Mit einem kleinen Stock stieß er sich vom Ufer ab und begann zu rudern. Sachte glitt er auf den Fluss hinaus. Nach wenigen Sekunden hatte er den Schatten der Bäume verlassen. Er freute sich schon auf die saftigen Wiesen auf der anderen Seite, die Farben der Obstbäume und die Sonne. Seine Brüder, Schwestern, Onkel und Tanten erzählten ihm immer wieder begeistert davon.
„Weißt du Gerry, die Wiesen sind so grün, viel grüner, als die Blätter dieses Waldes.“
„Und Gerry, dort blühen Blumen, die viel schöner sind, als alles, was man unter diesem Blätterdach finden kann.“
Gerry hatte die Wiesen und Blumen selber noch nie gesehen, da seine Flügel zu kurz waren zum Fliegen. Sie trugen ihn keinen Meter weit. Da konnte er auch gleich hüpfen. Aber über den Fluss kam er so nicht. Heute früh waren sie wieder aufgebrochen. Doch dieses Mal war Gerry vorbereitet. Das Floß lag bereits gut versteckt zwischen zwei Steinen bereit. Er würde sie nachher alle überraschen.

Gerry hatte ungefähr die Mitte des Flusses erreicht, als er merkte, dass er nicht mehr richtig vorwärts kam. Stattdessen wurde er nun seitwärts, das Gewässer hinab getrieben. „Nein. Nein, da will ich doch gar nicht hin!“
Er beobachtete das Wasser um sich herum. Es floss viel schneller als am Ufer und das kleine Blatt, auf dem Gerry stand, begann gefährlich zu wackeln. Panisch versuchte er, schneller zu rudern. Doch das Ufer zog ungerührt an ihm vorbei. So sehr er auch ruderte und paddelte, es änderte nichts. Mal hatte er kurz das Gefühl, dem Ufer etwas näher zu kommen, doch dann wurde er wieder in die Mitte des Flusses gezogen.
Immer schneller und schneller flitzten die Bäume und Hügel an ihm vorbei. Er hörte ein Rauschen. Es war nicht mehr länger nur das leise Plätschern des Baches. Lauter und lauter wurde das Geräusch. Gerry trieb immer weiter darauf zu. Als er sich umwandte, um den Ursprung des Rauschens zu erkennen, sah er, dass dort vorne die Welt endete. Das Wasser schäumte, türmte sich auf, und stürzte dann über eine Kante ins Nichts.
Der Wasserfall, kam es ihm in den Sinn. So weit war er schon getrieben? Verzweifelt versuchte er, der Strömung entgegenzurudern, die ihn unerbittlich in Richtung des Abgrunds zog.
„Nein.“ Er hatte doch nur die Wiesen und Blumen sehen und die ganze Pracht endlich gemeinsam mit seiner Familie genießen wollen. Auf einmal fühlte er sich schrecklich kraftlos. Das ohrenbetäubende Tosen, das Schaukeln des Blattes und die Gischt, die ihm in die Augen spritzte, ließen ihn in sich zusammensacken. Dann kippte das Floß. Gerry krallte sich so gut es ging an den Rändern fest.

Diesen Monat waren dabei:
Veronika
Eva
Conny

Das Thema für den 01.08.2016 lautet: Sommerflirren

Kategorie: Schreibkick-Texte

Rezension: P.I.D. 1 – Im Visier der Vergangenheit

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Hallo ihr lieben,

ich habe ja schon lange darüber nachgedacht, ob ich auch Rezensionen auf meinem Blog veröffentlichen soll. Aber es gibt schon so viele Blogs, auf denen so viele Rezensionen geschrieben werden, teilweise mit wunderschönen, ausgeklügelten Systemen. Da werden Pfötchen, Sternchen, Ringe oder sonst was in verschiedensten Kategorien vergeben, mitsamt Coverbeschreibung, ausführlicher Inhaltsangabe usw. Noch so einen Blog zu erstellen erschien mir immer relativ nutzlos.

Warum jetzt aber trotzdem eine Rezensionskategorie?

Ich lese gerade unheimlich viele Bücher von Selfpublishern, vor allem Debütromane. Und das hat mich auf die Idee gebracht, mich bei meinen Rezensionen genau darauf zu fokussieren: Debütromane von Selfpublishern oder Autoren in Kleinverlagen.

Meine erste Rezension fällt dabei allerdings erstmal etwas aus der Reihe. Denn inzwischen hat Andrea Bugla bereits mehrere Romane veröffentlicht (wobei auch P.I.D. genau genommen nicht ihr erstes Buch ist, aber so genau will ich es hier mal nicht nehmen 😉 ). Das Buch ist auch schon eine ganze Weile auf dem Markt. Warum wird es trotzdem meine erste Rezension?
Ganz einfach: Ich habe mich damals zur Leserunde angemeldet, war danach aber Ewigkeiten nicht mehr auf Lovelybooks und habe nicht mehr mitbekommen, dass die Leserunde startet, bzw. dass ich dabei bin. Ihre Nachrichten habe ich erst letztens entdeckt, woraufhin ich mir das Buch sofort gekauft und gelesen habe. Liebe Andrea, falls du das hier liest: Sorry für die Verspätung 🙂

P.I.D.1 – Im Visier der Vergangenheit

P.I.D. - Im Visier der VergangenheitJules ist in Lebensgefahr. Sie steht ganz oben auf der Todesliste eines skrupellosen Killers. Sie befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm, als sie plötzlich selbst eines Mordes beschuldigt wird. Sie hat keinen Anhaltspunkt, wo sie Hilfe finden kann. Um ihr Leben und das geliebter Menschen zu schützen, muss sie einem Fremden vertrauen und ihr Leben in seine Hände legen. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt.

Das Buch ist fesselnd geschrieben, die Geschichte wird rasant vorangetrieben und die Spannung bleibt die ganze Zeit erhalten. Es fiel mir leicht, mich in die Charaktere hineinzuversetzen. Jules, mit all ihren Sorgen und Ängsten, ist absolut glaubwürdig beschrieben, genauso wie Coop und die Geschichte, die sich zwischen den beiden entwickelt.

Auch sprachlich gefällt mir das Buch sehr gut. Die Orte sind so beschrieben, dass man ein Bild vor Augen hat, die Dialoge sind flüssig, mit dem ein oder anderen Wortwitz, was mir gut gefällt. Neben all der Spannung gibt es also auch einige Gelegenheiten zum Schmunzeln.

In vielen Rezensionen wird bemängelt, dass das Ende offen bleibt. Ich hatte mich daher schon vor dem Lesen auf ein sehr unbefriedigendes Ende eingestellt und muss ehrlich sagen, dass ich mich daran überhaupt nicht gestört habe. Ja, es bleiben die meisten Fragen offen (obwohl natürlich vorher einige neue Informationen dazu kommen), aber meines Erachtens nach ist an der Stelle, an der das Buch endet trotzdem ein Erzählabschnitt zu Ende. Für mich passt es also gut so wie es ist. Außerdem ist der zweite Teil des Buches ja bereits erschienen, man kann also einfach weiter lesen 🙂

Mein Fazit:
Absolut lesenswert für alle, die es spannend mögen.

Hier gehts zum Buch: P.I.D. – Im Visier der Vergangenheit
Und zur Autorin

Liebe Grüße,
Sabi

Mein Tag auf der 1. internationalen Autorenmesse in Frankfurt

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Header

Die erste internationale Autorenmesse ist vorbei. Mein Fazit? Nicht viel Neues gelernt, dafür viele coole Leute getroffen. Aber fangen wir von vorne an …

Die Autorenmesse fand im Hörsaalkomplex der Uni Frankfurt statt. Verteilt auf gut zwei Stockwerke, präsentierten eine Hand voll Aussteller ein paar Flyer, wenige Bücher und irgendwelches Marketingzeugs, mit dem ich nicht viel anfangen konnte. Nach 10 Minuten hatte ich alles gesehen – nicht so spannend. Also auf zu den Seminarräumen, in die Vorträge.

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Mit den Vorträgen, die ich mir ausgesucht hatte, hatte ich anscheinend viel Glück. Von anderen hörte ich häufiger, dass sie aus den Räumen geflüchtet seien, weil die Präsentationen so schlecht waren oder schlichtweg das Thema verfehlten (#FallEtzold).

Als erstes war ich bei Jurenka Jurk von www.schreibfluss.com. Sie gab den Zuhörern einen Überblick über sämtliche Tools, die man so zum Schreiben verwenden kann. Angefangen bei den Schreibtypen („Bauchschreiber vs. Kopfschreiber“), über den Aufbau eines Romans am Beispiel der Heldenreise, bis hin zu Tipps beim Überarbeiten. Nichts, was man nicht schon irgendwo gelesen hätte, wenn man sich mit dem Thema Schreiben bereits beschäftigt hat. Dennoch war es ein guter Vortrag. Die Darstellung der Spannungskurve in Form einer „Dramamaus“ wird mir im Gedächtnis bleiben.

Im Vortrag von Caroline Funke zum Thema „Digitales Publizieren im Verlag“ habe ich mich erstmal gefreut, Axel Hollmann von den Schreibdilettanten wiederzutreffen, dem ich bereits auf der Frankfurter Buchmesse begegnet bin. In dem Vortrag habe ich dann genau das erfahren, was ich mir erwartet habe: Wie läuft das bei Forever und Midnight mit dem Publizieren? Das könnte für mein nächstes Projekt nach den Trollen eventuell interessant werden. Besonders begeistert war ich von den schnellen Antwortzeiten. Während man bei großen Verlagen häufig monatelang auf eine Rückmeldung wartet, meinte Caroline Funke, dass sie sich bemühen würden, innerhalb von zwei Wochen zu antworten.

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Bereits nach der zweiten Vortragsrunde liefen die Twitteraccounts heiß. Die ersten waren aus Vorträgen geflohen, oder beschwerten sich darüber, dass das Thema verfehlt wurde. Gesprächsthema Nummer 1: Herr Etzold, der in seiner Veranstaltung zum Storytelling angeblich von seiner Hochzeit berichtete und anschließend aus seinem Buch vorlesen wollte. Daraufhin verließ ein Teil der Besucher den Raum.

Nach einer Portion Gnocci, für die ich gut 30min anstand, die zur einen Hälfte knallheiß und zur anderen Hälfte eiskalt war, kam ich dann viel zu spät in den Vortrag von Tanja Steinlechner vom Schreibhain. Die Veranstaltung war mir zuvor von Juliana Fabula empfohlen worden. Auf der Buchmesse sei sie sehr gut gewesen. Als ich eintraf befand sich die Dozentin gerade in einer Diskussion mit einem der Zuhörer. Er berichtete über seine Probleme beim Schreiben, fragte dann nach Methoden zum plotten. Mein Gedanke: „Na toll, wieder nix Neues.“ Ich spielte schon mit dem Gedanken, wieder zu gehen, als die Vortragende geschickt zum eigentlichen Thema überlenkte. Sie gab Tipps zum Umgang mit dem inneren Kritiker (über den ich hier auch schon geschrieben habe), den man während dem Schreiben gerne verbannen darf, der beim Überarbeiten aber ein wichtiger Weggefährte ist. Besonders unterhaltsam fand ich die Überschrift: „Autoren leben Polygam: Das Schreiben, der andere Partner“. Sie rief dazu auf, dem Schreiben genügend Raum zu geben, denn schreiben braucht Zeit. Alles andere mache sonst mit der Zeit unglücklich.

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Mein persönliches – etwas schräges – Highlight der Vortragsreihe war dann die Veranstaltung „Wer hat Angst vorm weißen Blatt“ von Gabriele Borgmann. Die ersten Minuten verbrachte ich damit, mir das Augenrollen zu verkneifen. Nachdem sie ersteinmal Werbung für ihr Buch ausgeteilt hatte, klangen die ersten Sätze der Vortragenden auswendig gelernt und waren mit „weisen“ Zitaten gespickt (Waaaah! Hilfe!). Dann ging es um Schreibtipps in Form eines Cocktails mit #Sprudelperlen (das Augenrollen zu unterdrücken war jetzt eine echte Kraftanstrengung). Dann die praktischen Tipps:
Das Datum „4.12.2016“ aufschreiben, das sei in einem halben Jahr. Damit versprachen wir uns, bis dahin unseren Roman fertig zu bekommen.
Den Anfang schreiben (einfach anfangen, später verändern).
Als nächstes, Pre-writing. Ich weiß nicht mehr, wie sie es einleitete, aber wir sollten uns überlegen, was wir den Menschen mit unserem Text mitteilen wollen – 10min schreiben (meine Augen rollten sich jetzt von ganz alleine, ich war machtlos). Ich machte die Übung mit, mit dem Gedanken, wenigstens darüber bloggen zu können. Dann kam die Wende: Ich schrieb und schrieb und schrieb und nach 10 min hatte ich eines der größten Probleme für mein Projekt nach den Trollen gelöst. Eine Frage über die ich seit einigen Wochen nachdenke, einfach so, in 10 min in Luft aufgelöst. Ich war happy und an Augenrollen war nicht mehr zu denken.
Ich weiß nicht, ob es an meiner veränderten Stimmung oder tatsächlich an den Inhalten lag, aber den Rest der Veranstaltung fand ich eigentlich echt gut. Sie gab noch ein paar Hinweise zur Verwendung von Adjektiven und Adverben und ermunterte uns, überraschende Wörter zu verwenden. Außerdem sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf den letzten Satz legen, denn der letzte Eindruck sei oft der, der bleibt.

Danach hatte ich genug von den Veranstaltungen. Ich hatte mein persönliches Highlight gefunden. Zusammen mit ein paar Schreibnächtlern saß ich ein wenig auf der Terrasse und schnupperte dann noch kurz beim Buchcontest rein, wo mich besonders Detlef Plaisier und Fabian Freigeist mit ihren Lesungen beeindruckten.

Es war Zeit für den Aufbruch, schließlich wollte ich am Abend noch zum Treffen der Schreibnacht und vorher kurz in die Jugendherberge, mein Handy wieder aufladen. Der Abend im Lokal „Das Leben ist schön“ war ein perfekter Ausklang für den Tag. Es wurde über den neuesten Plagiatsfall diskutiert, übers Schreiben gefachsimpelt und es gab richtig gutes Essen. Was will man mehr?

Auf meinem Heimweg über den Eisernen Steg entstanden noch ein paar Fotos von Frankfurt bei Nacht. Dann fiel ich totmüde ins Bett.

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Werde ich nochmal zur Autorenmesse nach Frankfurt fahren? Ich weiß es nicht. Das Programm war hauptsächlich auf Menschen ausgelegt, die sich noch nicht ausführlich mit dem Schreiben beschäftigt haben- lohnt sich also nicht, wenn man bereits seit ein paar Jahren dabei ist. Was daran nun international gewesen sein soll, frage ich mich auch. Die Leute zu treffen war cool, aber so kommunikativ wie auf den großen Buchmessen war es nicht. Sollte das Konzept so bestehen bleiben, wird die Messe in Zukunft also wahrscheinlich ohne mich stattfinden. Ich komme dann zur „Afterparty“ vorbei 😉

Mein persönliches Lieblingsfoto entstand dann Sonntagmorgen auf dem Weg zur U-Bahn. Die Hochhäuser in den Wolken:

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Liebe Grüße,
Sabi

Schreibkick #29: Das Eis

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Hallo ihr lieben,

hier kommt in aller Kürze mein Schreibkick:

Das Eis genießt mit voller Wonne
die wunderbare Sommersonne.
Doch ist sie ihm nicht wohlgesonnen,
so ist’s alsbald im Erdreich verronnen.

Das Thema für den nächsten Monat lautet: Wasserfall

Diesen Monat waren dabei:

Surf Your Inspiration
Veronika
Eva
AlltagsPoetin
Nicole
Conny