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Die Gruselmeer Autoren #3: Katrin Scheiding

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Zum Sonntag gibt es ein wunderbares Interview mit Katrin Scheiding. In ihrer Geschichte schickt sie euch auf Entdeckungstour in ein altes Haus, auf den Spuren myteriöser Vorgänge.

Autorenvita:  Katrin wurde 1977 im schönen Ruhrgebiet geboren und entdeckte schon früh die Magie der Buchstaben. Nach dem Abitur studierte sie in Düsseldorf Germanistik und Medienwissenschaft (im vergangenen Jahrhundert noch auf Magister) und promovierte dort irgendwann über Theodor Fontanes Romanwerk. Jetzt lebt sie mit Mann, Kindern und Katze in einem nordhessischen Dorf.

Beruflich startete sie als Volontärin in einem Ratgeberverlag und durchlief die unterschiedlichen Stationen der Verlagswelt von der Manuskriptidee bis zum Buchdruck. Vor ein paar Jahren entschied sie sich, mit einem eigenen Lektoratsbüro den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Seitdem unterstützt sie Verlage, Indie-Autoren, Studenten und alle, die einen Text zwischen zwei Buchdeckel bekommen wollen, bei ihren Projekten (www.katrinscheiding.de) und verleiht den Manuskripten den letzten Schliff.

Als passionierte Leserin bloggt sie auf www.nowheremansbuecherschrank.wordpress.com über Bücher, Lesefreuden und die herrliche brotlose Kunst des Wörterschmiedens.

Beim Schreibmeer ist sie schwerpunktmäßig für die graue Theorie und das Hintergrundwissen zu schriftstellerischen Themen zuständig und macht auch trockene Themen für Autoren spannend.

Erzähl mal Katrin, worum geht es in deiner Geschichte „Am Salzmarkt“?

Im Haus am Salzmarkt gehen ungewöhnliche Dinge in einer Dachkammer vor. Gleichzeitig taucht im Dorf ein Historiker auf, der seine Nase in fremde Angelegenheiten steckt. Henriette (die Bewohnerin des Hauses) und Justus (der Historiker) stoßen auf Vorgänge, die aus einer uralten Zeit stammen …

Wie bist du auf die Idee für deine #Gruselmeer-Kurzgeschichte gekommen?

Da kamen zwei Fragen zusammen, die zu meiner Kurzgeschichte führten. Erst fragte meine Tochter, ob es nicht eine Schauergeschichte gäbe, die ihr endlich mal gefällt. Die Kindergruselgeschichten waren ihr alle zu niedlich und harmlos, die „echten“ waren dann doch zu heftig. Sie mag den Grusel nach Art von E. A. Poe oder E. T. A. Hoffmann, aber eben nicht ganz so nervenkitzelnd. Gleichzeitig suchte Tinka Beere nach Geschichten für das #Gruselmeer. Gut, sagte ich mir, gehen wir es eben an. Dummerweise wurde die Geschichte dann doch zu gruselig für Kinder, selbst für meine hartgesottene Tochter.

Verrätst du uns den ersten Satz deines Textes?

„Das Haus war groß, alt und schön.“

Was machst du beim Schreibmeer normalerweise?

Eigentlich bin ich als Autorin für das Hintergrundwissen zuständig und schreibe über die verschiedenen Literaturepochen. Außerdem plaudere ich aus Lektoratssicht aus dem Nähkästchen und gebe Tipps, um Stolperfallen beim Schreiben zu erkennen und zu vermeiden.

Literaturepochen … klingt interessant. Wie bist du zu dem Thema gekommen?

Ich habe ja Literaturwissenschaft studiert und dabei so ziemlich alle Literaturepochen seit dem Hochmittelalter berührt. Der Witz daran ist – eigentlich ja auch logisch – dass die Epochen auf irgendeine Art aufeinander aufbauen. Mal wird die Epoche verfeinert und differenziert, bis eine neue Strömung entstanden ist, mal geht es aber auch in eine völlig konträre Stilrichtung wie bei einem Pendel, das in die beiden Extreme ausschlägt. Jedenfalls haben die Literaturepochen immer etwas miteinander zu tun. Sie lernen in einer Weise voneinander.

Ich halte es für wichtig, dass sich moderne Autoren in den Literaturepochen auskennen und verorten können. Es ist mir nicht selten im Lektorat untergekommen, dass ich einen Text gelesen habe, der sauber einer bestimmten Theorie folgt – was aber beim Autor oft völlig unbewusst passiert. Ich als Lektorin kann zum Beispiel sehen: „Dieser Thriller folgt der Theorie des Kriminalromans nach Dürrenmatt“, was für den Leser ja eigentlich uninteressant ist. Für den Autor kann das aber erstens eine wichtige Inspirationsquelle sein und vor allem auch ein gutes Handwerksmittel, um Brüche und Unstimmigkeiten im Text zu erkennen und zu beseitigen. Oder auch, um bewusst Stile zu mixen. Dafür muss man die Motive allerdings kennen und einordnen. Warum nicht mal die Motivik des Jugendstils und der Romantik in Urban Fantasy oder auch Horror einbauen oder so? E. T. A. Hoffmann zum Beispiel liefert grandiose Inspirationen.

Außerdem kann man von seinen Vorfahren nur lernen, und wenn es darum geht, nicht denselben Irrtum zu begehen. Somit finde ich es wichtig, dass das entsprechende Hintergrundwissen beim Schreiben mitschwingt.

Was schreibst du sonst so?

Mehr oder weniger gar nichts. Ich mag Poetry Slams, die ich aber nur für mich schreibe und noch nie performt habe. Aber nun schwirren diverse Ideen für Gruselgeschichten in meinem Kopf herum 😉

Heißt das, es wird in der Zukunft eventuell doch die eine oder andere Geschichte von dir geben?

Ich halte es da wie James Bond: Sag niemals nie.

Woran arbeitest du aktuell?

An einer Kurzgeschichte, die im Mittelalter spielt und die klassischen Totentanzdarstellungen zum Gegenstand hat.

Was darf für dich beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Kaffee!

Welche Bücher liest du selbst gerne?

Ich bin offen für alles, der Text muss eine bestimmte Saite bei mir anschlagen. Ich mag gut recherchierte historische Romane, ich mag Fantasy, ich mag Klassiker, ich mag moderne Belletristik … Irgendwo zwischen J. R. R. Tolkien, Theodor Fontane, Haruki Murakami und Ralf Rothmann bin ich glücklich. Aber gegen Tennessee Williams und Günter Grass hab ich auch nichts. Nur les ich irgendwie nicht gern Lustiges. Ich weiß auch nicht wieso, wo ich doch ziemlich gern lache;)

Wo findet man dich im Netz?

Bei www.katrinscheiding.de, bei https://nowheremansbuecherschrank.wordpress.com/ und auf Facebook bei https://www.facebook.com/DrKatrinScheidingKorrektoratUndLektorat/

Die Gruselmeer Autoren #1: Katherina Ushachov

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Hallo ihr lieben,

wie bereits angekündigt, wird am 20.10.2017 unser Gruselmeer erscheinen. Ein hübsches Büchlein mit Geschichten der Schreibmeer-Autoren. Hierfür habe ich mit den Autoren der Anthologie kleine Interviews gemacht, um sie und ihre Geschichten vorzustellen.

Anfangen möchte ich heute mit Katherina Ushachov.

Autorenvita:  Ich bin Katherina Ushachov, online besser bekannt als „Evanesca Feuerblut“. Nach meinem Abschluss in „MA Weltliteratur“ lebe und arbeite ich als freie Lektorin im schönen Vorarlberg.

Im Team bin ich als weitere Autorin dabei. Außerdem lektoriere ich einen Teil der Schreibmeerartikel. Mehr oder weniger aktiv spreche ich neben Deutsch noch drei weitere Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Russisch) und pflege ein leider etwas eingerostetes Latein.

Interessentechnisch bin ich sehr weit gefächert – Sprachen, Kulturen, Wissenschaft. So bin ich leidenschaftliche Conlangerin, gehöre also zu den versponnenen Menschen, die gerne Sprachen basteln. Nicht weil es sich mit dem Aufkommen des „Herr der Ringe“-Hypes in den Nulljahren so gehört, sondern aus Leidenschaft und ganz von alleine.

Ich behaupte von mir jetzt außerdem einfach mal, dass ich mich relativ gut mit Vampiren auskenne, sofern es sich nicht um die romantische Unterart handelt, die glitzert und/oder Schulmädchen verführt. Aber ich kann Vorträge über die verschwimmenden Gendergrenzen in Anne Rice „Vampirchroniken“ aus dem Stegreif halten. Oder erklären, wieso „Dracula“ als es erschien ein sehr versautes Buch gewesen ist.

Romantik an sich ist generell nicht so mein Ding – aber ich kenne mich dafür relativ gut im Fantasy-Segment abseits der ausgetretenen Pfade aus, befasse mich aktiv mit Worldbuilding und lese fast mehr Indie- und Kleinverlagsbücher als welche der „Großen“.

Erzähl mal Katherina, worum geht es in deiner Geschichte „Ein Traum“?

Das ist schwer, ohne zu spoilern. Es geht um einen Menschen, der immer wieder träumt – und in diesen Träumen eine Begegnung hat. Und obwohl diese Begegnung nicht besonders angenehm ist, entfaltet sie einen Sog, dem sich der Mensch nicht entziehen kann.

Wie bist du auf die Idee für deine #Gruselmeer-Kurzgeschichte gekommen?

Das ist so banal, das kann ich fast nicht erzählen … Es gibt auf Facebook viele dieser „lustigen“ Seiten wie „Faktastisch“, „Made my day“ oder „Das ist schmutzig, falsch und moralisch höchst verwerflich. Bin dabei.“ Es ist keine dieser Seiten, aber eine sehr ähnliche, für Freunde des gepflegten Grusels, auf der mir die perfekte Prämisse für eine Gruselgeschichte untergekommen ist.

Verrätst du uns den ersten Satz deines Textes?

„Unser Gehirn ist nicht in der Lage, sich Gesichter auszudenken.“

Was machst du beim Schreibmeer normalerweise?

Wenn ich nicht gerade selbst Artikel schreibe, lektoriere ich die Artikel meiner Teamkolleg*innen.

Was schreibst du sonst so?

Ich habe zwei Großbaustellen beziehungsweise zwei Genres, zu denen ich immer wieder zurückkehre:
Historische Vampirfantasy mit queeren Protas und ohne Romance im Hauptplot. Und Dystopien.
Das hat sich irgendwie von selbst ergeben und ich weiß bis heute nicht, wieso eigentlich. Aber die meisten meiner Vampire gehören zum LGBTA-Spektrum. Dahinter lag keine Absicht, ich schrieb sie schon queer, als ich noch keine Ahnung hatte, wie viele Orientierungen überhaupt existieren. Inzwischen sehe ich mich als politische und auch feministische Autorin – und hoffe, dass dadurch, dass ich queere Wesen einfach einbaue, statt ein Riesengewese darum zu machen, etwas an der Wirklichkeit zu ändern. Worte sind mächtig.
Zur Dystopie bin ich dagegen sehr bewusst gekommen – ich war ein Teenager und habe das Entstehen einer Neonazibewegung in Ländern des ehemaligen Ostblocks mitverfolgt. Parallel dazu beobachtet, was die USA unter Bush mit der Welt anstellt. Also schrieb ich den ersten Roman meines Lebens unter dem Motto „Nie wieder Auschwitz“. Seither kann ich mich von der Dystopie nicht so recht lösen. Dystopische Plotbunnys laufen mir immer dann zu, wenn etwas in der Welt besonders im Argen ist. Gerade drängt ein anderes geopolitisches Thema darauf, in einem Roman verarbeitet zu werden – das mache ich im Oktober.
Ich schreibe aber auch Kurzgeschichten in diversen Genres und tüftle seit Jahren an einer Arcanepunk-Welt herum.

Woran arbeitest du aktuell?

Ich nutze den September, um den letzten Band meiner ersten Vampirromanreihe endlich zu überarbeiten.
Im Oktober möchte ich die in der vorigen Antwort erwähnte Dystopie schreiben und im November ist der NaNoWriMo und somit Zeit für #7Leben Band 3.
Darauf muss ich mich allerdings noch vorbereiten, indem ich recherchiere und zumindest grob plane, was eigentlich passieren soll.

Du hast einen ganz schön engen Zeitplan. Wie schaffst du es, jeden Monat ein neues Projekt zu bearbeiten?

Ich muss :D. Klingt vermutlich bescheuert, aber wenn ich einen Zeitplan halte, dann reicht das fast immer aus, um ihn auch einzuhalten. In der Hinsicht bin ich sehr diszipliniert. Wobei ich nicht jeden Monat ein neues Projekt anfange, ich möchte nur innerhalb eines Monats eins fertig haben.
Aber an den Monaten, die ich nicht zum Schreiben vorsehe, überarbeite ich und das kann auch mal länger dauern.

Was darf für dich beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Ich bin sehr anspruchslos. Klar, am liebsten schreibe ich in meinem bequemen Chefsessel, vor zwei Bildschirmen, in meinem tollen Schreibprogramm und mit einem Glas Wasser neben mir.
Aber: Ich kann praktisch überall schreiben und unter jeder Bedingung. Meine NaNoWriMos habe ich eigentlich nur so gut gewonnen, weil ich mir angewöhnt habe, mich von Umständen nicht beeinflussen zu lassen.
Ich schreibe auf Tempotaschentücher. Über OneDrive und Onlineword. In einem Online-Wörterzähler. In One-Note. Auf Handys mit T9.
Was nicht fehlen darf, wären somit vermutlich meine Hände 😀

Welche Bücher liest du selbst gerne?

Ich glaube, es ist einfacher zu definieren, was ich nicht gerne lese und das ist alles, wo Romance den Hauptplot stellt – oder der romantische Subplot zu sehr in den Vordergrund drängt. Geschichten mit viel Herzschmerz und „Kriegt sie/er ihn/sie oder nicht?“ interessieren mich einfach nicht besonders – ich kann mich leichter in einen dreiköpfigen Assassinen vom Planeten Morsmordre hineinversetzen, als in eine verliebte Teenagerin.
Das gleiche Problem habe ich mit auf Erotik ausgerichteten Plots, in denen es darum geht, wer, mit wem und auf welche Weise.
Das soll keine Herabwürdigung dieser Romane sein, ich bin mir sicher, es gibt handwerklich großartige Liebesromane und hervorragende erotische Literatur. Aber ich bin nicht deren Zielgruppe.
Dafür tummeln sich neben Fantasy in vielen Spielarten, Science-Fiction und so manchem historischen Roman ziemlich viele Sachbücher zu allen möglichen Themen in meinem Regal. Ich habe ein riesiges Lexikon der Geheimbünde, ein Buch über russische Zarinnen und eins mit Aufsätzen über das Attentat in der Menschheitsgeschichte. Es gibt Sachbücher, für die würde ich mir vermutlich einen Fuß abhacken lassen, um sie in die Finger zu kriegen.

Das klingt für mich so, als sei dir ein fundiertes Hintergrundwissen für deine Geschichten sehr wichtig. Wie sehr dürfen, deiner Meinung nach, Fantasyelemente die Realität beugen?

So wenig wie möglich. Innerhalb der Welt muss es in sich schlüssig sein – wenn es fliegende Schweine gibt, dann bitte keine dicken rosa Grunztiere mit Puttenflügeln. Da soll dann bitte solide recherchiert werden, wie so ein fliegendes Schwein am Plausibelsten aufgebaut wäre. Wo hat es Muskelansätze? Wo kann es durch Lufteinlagerungen Gewicht sparen? Kann es wirklich fliegen oder nur flattern wie ein Huhn?
Ich besitze beispielsweise zwei Grundlagenwerke zur Astrophysik, um meine Fantasyelemente wissenschaftlich zu unterfüttern. Außerdem habe ich früher viele populärwissenschaftliche Zeitschriften verschlungen. Eins meiner Bücherregale ist zu 70% mit Sekundärliteratur gefüllt, weil mir Fakten und Hintergründe wichtig sind. Fantasy ist nicht die Lizenz zum Unlogischsein.

Wo findet man dich im Netz?

Ich bin im Netz recht umtriebig, auch wenn ich je nach Portal unterschiedlich aktiv bin. Hier erstmal die üblichen Verdächtigen:

Website:  https://feuerblut.com/

Twitter:  https://twitter.com/evanesca

Instagram:  https://www.instagram.com/evanesca_feuerblut/

Facebook: https://www.facebook.com/katherina.ushachov.autorin

Außerdem betreibe ich ein Forum für Autor*innen (das http://www.antikreatief.de/ ), bin selbst Mitglied in mehreren hervorragenden Schreibforen (besonders hervorheben möchte ich hier den Tintenzirkel), gehöre zu den Autorinnen der Märchenspinnerei (http://maerchenspinner.layeredmind.de/) und zu den Nornen im Nornennetz (http://nornennetz.aeom.de/).

Schreibkick #46: Herbstfarben

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Hallo ihr lieben,

heute gibt es etwas außerhalb der Fortsetzungsgeschichte. Dieser kleine Text ist während einer Schreibaufgabe bei einem Treffen mit meiner Schreibgruppe entstanden und ich finde, er passt ganz gut zum Thema.

Kicki

Kicki hüpfte flink und geschickt von Ast zu Ast. Unter ihr rieselten gelbrote Blätter zu Boden. In einer Astgabel blieb sie sitzen. Hatte sie hier nicht vor kurzem ein paar Nüsse liegen lassen, als sie von der dämlichen Krähe belästigt worden war? Doch. Da waren sie. „Das schwarze Ungetüm hat sie also nicht gefunden“, dachte Kicki voller Genugtuung.
Sie griff sich eine  der Nüsse und drehte sie in ihren Pfötchen. Als sie gerade hineinbeißen wollte, hörte sie von unten Kindergeschrei.

„Gugg mal Mami, ein Eichhörnchen!“

Genervt hielt Kicki inne.

„Pssst“, machte die Mutter. Du verscheuchst es sonst.“

Kicki beobachtete, wie die Familie sich langsam an den Baum heranpirschte. „Für wie blöd halten die mich eigentlich?“, dachte sie bei sich. Sie hasste es, beim Essen begafft zu werden. Schnell nahm sie Anlauf über einen der ausladenden Äste und hüpfte hinüber auf die große Tanne. Dort schraubte sie sich am Stamm entlang in die Höhe und blieb, außerhalb der Sichtweite der Familie ganz oben sitzen und machte es sich bequem. In Gedanken ging sie all ihre Verstecke noch einmal durch. Unter dem Kastanienbaum, bei der Parkbank, hinter dem „Rasen nicht betreten“-Schild und so weiter. Sie war sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Der Winter konnte kommen. Die Berge in der Ferne trugen bereits weiße Mützen aus Schnee. Weit konnte der Winter also nicht mehr sein.

Diesen Monat waren dabei:
Anita (in der facebook-Gruppe gepostet)
Eva
Vro
Corly
Rina
Alice

Das Thema für den 01.11.2017 lautet: Nebelschwaden

Schreibkick #45: Sommerausklang

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Hallo ihr lieben,

ich bin wieder einen Tag zu spät dran. Ich hoffe, ihr habt trotzdem Spaß an der Fortsetzungegeschichte. Denn jetzt geht es weiter mit Miley, Hanna und … ja … und wem wohl?

Sommerausklang

Zögerlich mischten wir uns unter das Volk. Gitarrensound und Trommelrhythmen drangen aus den Lautsprechern. Unser erster Gang führte uns zu der aufgebauten Theke.
»Hey, willst du auch Bowle?«, fragte Hanna.
Ich nickte. »Gerne.«
»Soll ich versuchen, die mit Alkohol zu bekommen?«
Ich sah sie mit großen Augen an. Alkohol hatte ich bisher nur an meinem 16. Geburtstag getrunken, als mein Vater mir erlaubt hatte, zur Feier des Tages ein kleines Gläschen Rotwein zu probieren. Geschmeckt hatte es mir nicht, aber das warme Gefühl danach war ganz angenehm gewesen.
»Hm.«, antwortete ich daher.
»Ich probiere es einfach.«
»Hm«, sagte ich wieder.
Ich beobachtete, wie Hanna zielstrebig auf den Kellner hinter der Theke zuging. Sie zeigte auf eine der großen Schüsseln und sagte etwas. Der Mann jedoch zog eine Augenbraue hoch, grinste dann und füllte ihr schließlich zwei Becher aus der anderen Schüssel voll.
Als Hanna mir den Becher in die Hand drückte, zuckte sie nur mit den Schultern und meinte: »Hat nicht geklappt.«
Mit meiner alkoholfreien Erdbeerbowle in der Hand sah ich mich um. Bisher standen die meisten Leute an den Stehtischen herum, unterhielten sich und nippten an ihren Getränken. Ein paar Mädchen ließen ihre Hintern leicht zu der Musik wippen. Die übrigen Leute hatten sich ein wenig abseits mit Bier, Sekt und Bowle in den Sand gesetzt. Die meisten waren schick, sommerlich gekleidet, aber nicht wirklich aufgetakelt. In meinem Look fühlte ich mich daher einigermaßen wohl.
Hanna stieß mich mit dem Ellbogen an. »Komm, setzen wir uns auf die Baumbank.«
»Okay.«
Am Strand war vor einigen Jahren ein riesiger Stamm angespült worden. Von ersten Tag an, war er ein beliebter Aufenthaltsort gewesen. Und da keiner sich zuständig fühlte, oder es für nötig hielt, ihn wegzuräumen, hatte er einige Jahre so verbracht. Dann kam auf einmal von irgendwem im Stadtrat die Idee, dass man etwas damit machen müsse. Verschönerung des Stadtbildes und so. Und da jeder den Baum behalten wollte, wurde ein Künstler des Nachbarortes beauftragt, eine Bank daraus zu machen. Er hatte in die Oberseite des Baumes ein paar kleine Sitzkuhlen gefräst – oder wie man dazu sagt. Um die natürliche Ästhetik mit modernem Minimalismus zu vereinen, hieß es damals, glaube ich. Jetzt haben wir einen stinknormalen Stamm mit leichten Kuhlen – unsere Baumbank. Und der Künstler ist vermutlich um ein paar tausend Euro leichter.
»So lässt es sich doch leben«, meinte Hanna, als wir uns auf die Baumbank hievten.
»Ja, das stimmt.«
Leise drang das Rauschen der Wellen zwischen der Musik zu uns vor. »Trotzdem würde mich interessieren, wer diese Party veranstaltet«, sagte ich.
»Wir können ja nachher mal rumfragen«, antwortete Hanna. Dann runzelte sie die Stirn und stieß mich mit dem Ellenbogen an. Sie nickte in eine bestimmte Richtung und ich folgte ihrem Blick. Dort stand ein Junge. Oder eher ein junger Mann. Wahrscheinlich so um die 18. Ich hatte ihn noch nie gesehen. Er war auch etwas fülliger, sah aber ganz nett aus in seinem hellblauen Poloshirt und den schwarzen Shorts. Einen Pullover hatte er locker über die Schultern geworfen. Das war gut. Die meisten banden sich ihre Pullover um ihre Hüften. Aber das betont unsere Problemzonen nur unnötig. Er hatte drei Becher in der Hand und kam zögerlich auf uns zu, als er unsere Blicke bemerkte.
»Hi«, sagte er, und hätte er die Hände frei gehabt, hätte er sich bestimmt verlegen am Kopf gekratzt.
»Hi«, antworteten wir im Chor.
»Ich … ähm … also ich habe vorhin gehört, wie ihr. Also wie du …« er sah Hanna an. »Wie du die Bowle mit Alkohol bestellen wolltest. Was dann ja nicht geklappt hat.« Er lächelte nervös. »Also ich habe euch welche mitgebracht, wenn ihr wollt?«
Wieder einer von Hannas Verehrern. War ja klar. Genervt starrte ich auf den Sand unter meinen Füßen, als hätte der mit etwas wichtiges zu sagen. Wieder bemerkte ich einen Stoß in der Rippengegend. Als ich aufblickte, sah ich, dass der Kerl nicht Hanna, sondern mich verlegen angrinste. Mein Herz begann zu rasen.
»Ich … äh … ja. Also klar doch.«
Er atmete erleichtert aus und drückte mir und Hanna jeweils einen Becher in die Hand. »Ich bin übrigens Fred.« Er sprach den Namen englisch aus. »Also eigentlich Ferdinand. Aber alle nennen mich Fred.«
Auch wir stellten uns ihm vor. Dann stießen wir an und ich nahm einen Schluck von meiner Bowle. Sie schmeckte sehr süß. Kein Vergleich zu dem Rotwein, den ich damals getrunken hatte. Wenn Alkohol so schmeckte, konnte ich mich wohl doch daran gewöhnen. Vor allem, wenn er mir von einem so netten Typen gebracht wurde. Jetzt galt es, irgendwie diese Konversation am Laufen zu halten. Ich musste mir etwas einfallen lassen.
»Ähm. Warum haben wir dich denn noch nie hier im Ort gesehen? Eigentlich kennt man sich hier ja.«
»Ich bin gerade mit meinem Vater hergezogen. Er hat hier einen Job bekommen. Ich hätte auch bei meiner Mutter in Berlin bleiben können. Aber in einem Jahr, nach meinem Abi, wollte ich eh weg aus der Stadt. Also habe ich die Chance genutzt, um jetzt schonmal was Neues zu sehen.«
»Dann haben sich deine Eltern getrennt?«, frage Hanna neugierig.
»Ja. Aber schon vor Jahren.«
»Und wo arbeitet dein Vater jetzt?«, mischte ich mich wieder ein. Ich wollte nicht, dass Hanna ihn zu seiner gesamten Familiengeschichte ausfragte, wie sie es so gerne tat.
»Bei Plant 2.0.«
»Dem Genpflanzenunternehmen?«
»Ja genau. Er ist Mikrobiologe und untersucht die Zellen der unterschiedlichen Züchtungen.«
»Cool«, sagte ich.
»Cool?«, keifte Hanna schrill. »Ich finde, unsere Natur bekommt das ganz gut alleine hin mit den Pflanzen. Ich verstehe nicht, warum alles immer noch besser, größer und effizienter werden muss!«
Diese Diskussion wurde in unserem Ort bereits hunderte Male geführt, seit Plant 2.0 ihr Fabrikgebäude und die Versuchsfelder am Stadtrand eingeweiht hatte. Sogar im Schulunterricht war Gentechnik ein Thema geworden. Hanna war eine der erbittertsten Gegnerinnen und würde sich bei Protesten vermutlich freiwillig an das Fabriktor ketten lassen. Das konnte heute Abend ja noch ein spannender Sommerausklang werden.

Fortsetzung folgt …

Das Thema für den 01.10.2017 lautet: Herbstfarben

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Vro
Rina

Schreibkick #40: Platzregen

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Hallo ihr lieben,

ich bin diesen Monat etwas zu früh dran, da ich nicht weiß, ob ich morgen zum posten kommen werde.
Ich wusste lange nicht, was ich zu diesem Thema schreiben soll, also habe ich mir überlegt, die Protagonistin meines nächsten Romans einfach mal hinaus in den Regen zu schicken. Somit bekommt ihr heute bereits die Gelegenheit, Lia ein wenig kennenzulernen. Viel Spaß beim Lesen!

Platzregen

Lia blickte durch das Fenster in ihrer Haustüre nach draußen und zog sich dabei die Kapuze ihres Regencapes über den Kopf. Sie konnte das Prasseln des Regens bereits in ihrer kuschelig warmen Wohnung hören. Als sie die Tür öffnete, wurde es mit einem Schlag lauter. Es war kein Gewitter, sie hatte zumindest noch keinen Donner gehört. Und doch regnete es in Strömen. Lia lächelte und trat hinaus. Dann blickte sie nach oben in den Himmel. Es war dunkel, die Wolken verdeckten den Himmel,  und schwere Tropfen zerplatzten auf ihrem Gesicht. Bevor ihre Kapuze sich mit Wasser füllen konnte, senkte sie den Kopf wieder und machte sich auf den Weg zum Café, wo sie ihre Freundin treffen würde. Sie wusste, wie das Gespräch beginnen würde. „Das ist ja mal ein furchtbares Wetter. Ich bin klitschnass“, würde Clara sagen. Lia würde nur lächeln. Sie liebte den Regen.

Ein paar Gestalten, in dunkle Mäntel gehüllt oder unter großen Regenschirmen schutzsuchend, huschten an ihr vorbei. Hin und wieder hob einer den Kopf und musterte sie kurz in ihrem vermutlich sehr auffälligen, türkisen Regenmantel, der ihr bis zu den Knien reichte und an der Taille mit einem Gürtel zusammengebunden war. Dann senkten sie wieder missmutig ihren Blick, als müssten sie es zwingend vermeiden, einen Tropfen abzubekommen. Lia verstand die ganze Aufregung und all die Beschwerden über das Wetter nicht. Im Sommer war es zu warm (zumindest, wenn man die Tage im Büro oder in der Uni verbringen musste, am Wannsee wäre es schon okay), im Winter zu kalt (wenn denn wenigstens richtig Schnee liegen würde!), Frühling und Herbst waren eh nichts Gescheites und kaum eine Erwähnung wert (dieses Aprilwetter!). Und der liebe Regen, der war sowieso die Hauptursache für schlechte Laune. Mitunter genügten auch ein paar Wolken am Himmel. Lia wusste bei all diesen Diskussionen nie so recht, was sie sagen sollte. Sie verstand nicht, weshalb Meteorologen mit ihrer Vorhersage eine kollektive kurze depressive Episode bei ihren Mitmenschen auslösen konnten. Sie streckte die Hand aus und spürte, wie das kühle Nass über ihre Finger rann. Sie mochte das Gefühl. Und das Geräusch des Regens, hinter dem all die anderen Laute der Stadt zurückwichen, so dass es zwischen all dem Lärm plötzlich beinahe still wirkte. Und sie mochte den Wind, der ihr im Herbst die Haare zerzauste, den knirschenden Schnee unter ihren Füßen und das platschende Geräusch von Schneematsch, wenn man schwungvoll darauf trat. Lia liebte die trockene Hitze des Sommers ebenso sehr, wie ein lautes, grelles Gewitter im Frühling.
Ein Auto fuhr an ihr vorbei und ließ eine Welle frischen Regenwassers über den Gehweg schwappen. Lia sog die Luft ein. Es duftete herrlich frisch, der Großstadtmief war wie weggewaschen. Wie konnte man das nicht lieben? Sie hatte das Café erreicht, in welchem sie sich mit Clara treffen wollte. Beim Eintreten wehte ihr der Duft von Kuchen und Kaffee entgegen. Warme Luft umfing sie. In der hinteren Ecke sah sie ihre Freundin bereits am Tisch sitzen, einen Regenschirm neben sich zum Trocknen aufgestellt. Lia lief zu ihr hinüber, während sie ihren Regenmantel abstreifte.
„Hallo Clara.“
„Hi Lia.“
Clara stand auf, um ihre Freundin zur Begrüßung zu umarmen. „Du bist ja ganz nass. Das ist aber auch ein furchtbares Wetter. Meine Hose ist klitschnass.“
Lia lächelte.

Das Thema für den 01.05.2017 lautet: Kuriose Geschichten aus dem Freibad

Diesen Monat waren dabei:
Veronika
Eva
Nicole

Das Jahr 2017 oder so …

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Hallo ihr lieben,

bis auf die Schreibkicks war es hier einige Zeit lang ziemlich still. Das liegt daran, dass ich gerade in meinem Brotjob ziemlich viel zu tun habe und trotzdem versuche, nebenher fleißig an einigen Projekten zu arbeiten. Aber jetzt wird es mal wieder Zeit, euch an meinen Plänen teilhaben zu lassen.

#Gruselmeer

Da wäre zum einen das Projekt #Gruselmeer, an dem ich gemeinsam mit einigen anderen Autoren arbeite. Meine Geschichte steht, befindet sich gerade in einem der vielen, vielen Überarbeitungsschritte und wächst und gedeiht. Mehr kann ich euch dazu momentan leider noch nicht verraten. Aber ihr dürft gespannt sein … 🙂

#Voodoo

Zum anderen arbeite ich fleißig an meinem neuen Roman. Der Arbeitstitel lautet #Voodoo. Dabei wird es nicht bleiben – versprochen. Mir fällt aber auch einfach nichts besseres ein. Dieser Text wird noch etwas dauern … so langsam nimmt die Sache aber Formen an.

#schräg

Auf Wattpad veröffentliche ich außerdem seit Februar ein paar Kurzgeschichten. Alles, was sich im Laufe der Zeit so gesammelt hat. Von fantastisch bis einfach schräg. Jeden Sonntag (wenn ich es nicht vergesse) gibt es einen neuen Teil.

#Schattendrache

Dazu sag ich mal noch garnichts *muhahahahaha*

Nevia und das Geheimnis der Elfenmagie

Der ein oder andere von euch hat es vielleicht schon gesehen. Ich bin seit neuestem bei snipsl. Über die App werde ich nach und nach meine kleine Nevi veröffentlichen. Ja, die Geschichte ist fertig, von einigen Testlesern für gut befunden, aber noch lange nicht ausgereift. Daher freue ich mich über Leser und Feedback.

Das Cover ist in einer Nacht-und-Nebel Aktion entstanden:
„Ooooh snipsl, was is denn das?“,
„Ah, das wäre doch cool für Nevi, mal beim Support fragen, wie man Autor wird!“
An dieser Stelle mit langer Wartezeit gerechnet. Fünf Minuten später: „Okay, ich bin bei snipsl. Waaaaah! Ich brauche ein Cover! SCHNELL!“
Dafür ist es doch ganz gut geworden, oder?

Worum gehts?

Nevia, die von allen nur Nevi genannt wird, ist ein Trollmädchen. Sie gilt als tollpatschig, ständig fällt ihr etwas um oder geht zu Bruch. Doch dann trifft sie Audrina Gilby, ihre Klassenlehrerin, die mehr hinter Nevis Schusseligkeit vermutet: Elfenmagie. Sie beginnt zu üben und entdeckt ungeahnte Fähigkeiten in sich.
Voll neuer Hoffnung versucht Nevi, ihrer Lehrerin gegen ein paar Geldeintreiber beizustehen. Doch dabei legt sie sich mit der einflussreichsten Frau in Fuchseck an, was dramatische Folgen für sie, Frau Gilby und das ganze Dorf hat.

 

 

 

Leipziger Buchmesse

Außer der vielen Arbeit und dem ganzen Geschreibe, bin ich nebenher dabei, gemeinsam mit den Wortstürmern unseren Messebesuch auf der Leipziger Buchmesse zu planen. Für mich heißt das hauptsächlich, Termine koordinieren: Wann will ich wo sein um wen zu treffen? Falls ihr mich besuchen wollt, viel Zeit werde ich am Stand der Wortstürmer (Halle 5 D502, in der Nähe der Bloggerlounge) verbringen. Also schaut doch einfach mal dort vorbei.

#Schreibkicks

Hier bleibt alles wie immer. Monatlich gibts ein Thema, wer mag, darf dazu einen Text schreiben (alles Geschriebene zählt, egal ob Kurzgeschichte, Songtext, Haiku …) und es zum 1. des nächsten Monats auf seinem Blog oder sonstwo posten. Bescheid geben nicht vergessen, damit ich euch verlinken kann. 🙂

So, das wars dann vorerst mal von mir und meiner Jahresplanung 2017.
Viele liebe Grüße,
Sabi

Schreibkick #39: Frühlingsblüten

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Hallo ihr lieben,

ich weiß, es ist viel zu spät für den Schreibkick. Aber die Woche war bisher etwas verrückt, daher besser spät als nie.

Ich habe keine Ahnung, wie mein Hirn den Sprung von Frühlingsblüten hin zu dieser Szene geschafft hat. Aber das Ergebnis gefällt mir ganz gut. Ich hoffe, euch auch.

Die Sanduhr

Über mir die Sterne glüh’n,
unter mir die Blumen blüh’n.
Den lauen Wind der Sommernacht
spür‘ ich auf meiner Haut, ganz sacht.

Das Gras, es ist ganz nass vom Tau,
die Blüten stellen sich zur Schau.
Sie leuchten in der schönsten Pracht,
dass es mir richtig Freude macht.

Auf einem Hügel, nicht mehr weit,
steht eine Bank zum Ruh’n bereit.
Ich komme näher. Was ist das nur?
Auf der Bank steht eine Sanduhr.

Der Sand, der rieselt unentwegs,
ich spür‘, dass meine Zeit vergeht.
Ich zerre, reiße, will sie drehn,
doch schwer wie Blei, bleibt sie stehn.

Erschöpft sinke ich ins weiche Gras,
die Zeit bewahr’n, wie schafft man das?
Neben mir erklingt ein Kichern,
ein weißer Fuchs, die Pfoten silbern.

„Die Zeit, die ist ein stures Ding,
läuft unentwegt vor sich hin.
Keine Chance den Weg zu ändern“,
spricht er, stupst mich an den Händen.

„Folge mir und du begreifst,
wie du dich davon befreist.“
Er schreitet fort, ich folge ihm,
so laufen wir schweigend dahin.

Er führt mich bis zu einem Strand
und setzt sich in den hellen Sand.
Erstes Licht die Welt erhellt,
Das Farbenspiel, sensationell.

Sprachlos seh’n wir übers Meer,
mein Denken, das wird leicht und leer.
fasziniert, zeitgleich geborgen,
vergesse ich all meine Sorgen.

Der Fuchs reißt mich aus den Gedanken,
blickt zurück, woher wir kamen.
Täusch ich mich? Ich seh’s ganz klar!
Die Sanduhr rieselt langsamer.

Verschmitzt der Fuchs nun zu mir blickt.
„Die Zeit, die ist eben verrückt.
Du musst nutzen, was du hast,
weil du das Beste sonst verpasst.“

 

Diesen Monat waren dabei:
Nicole Vergin
Eva
Veronika

Das Thema für den 01.04.2017 lautet: Platzregen

Schreibkick #38: Inspiration

Veröffentlicht am von 3 Kommentare

Hallo meine lieben,

als ich so über das diesmonatige Schreibkick-Thema nachgedacht habe, habe ich mir die Frage gestellt, woher wir Autoren eigentlich unsere Inspiration nehmen. Da gab es eigentlich nur eine einzige, naheliegende Antwort: Musen.
Aber wie geht es eigentlich den Musen damit, dass wir sie als reinen Quell der Kreativität nutzen, sie aber sonst kaum beachten? Was wissen wir denn ansonsten von ihnen? Was sind ihre Hobbys? Welche Musik hören sie gerne? Was ist ihr Lieblingsessen? Meine eigene Muse habe ich während eines NaNoWriMos sogar häufiger zu Nicole geschickt (dir ihr viel zu viele Kekse gegeben hat, woraufhin ich dann die Dumme war, die sie wieder auf Diät setzen musste … 😉 ). Dass sie in diesem Monat kein Burnout erlitten hat wundert mich bis heute.
Also … wie geht es den Musen so damit, auf diese einzige Aufgabe reduziert zu werden?

Rückkehr der Muse

Autor: Hey, wo warst du?
Muse: Hallo erstmal.
Autor: Ja hi. Und? Hast du mir was interessantes mitgebracht?
Muse: Das ist ja wirklich mal wieder typisch.
Autor: Was denn?
Muse: Fragst du dich auch eigentlich manchmal, wie es mir geht? Was ich sonst so mache?
Autor: Du kamst so beschwingt hier rein, da dachte ich …
Muse: Ja ja ja, jetzt komm mir nicht so. Du hast ja nicht mal vom Computer aufgesehen. Weißt du eigentlich, wie das ist, rein aufs Inspirieren reduziert zu werden? Das ist doch nicht das Einzige, das uns ausmacht!
Autor: Ähm … das tut mir leid, aber können wir da vielleicht später drüber reden, ich bin hier gerade an der Szene …
Muse: Mir fallen die Ideen auch nicht einfach so zu. Es ist harte Arbeit, sich farbenprächtige Kulissen, tiefgründige Charaktere und mysteriöse Antagonisten auszudenken. Von Spannungsbögen, die in eure neumodischen 7-Punkte-Strukturen passen ganz zu schweigen.
Autor: Okay, ist ja gut. Ich dachte immer, das macht dir halt Spaß.
Muse: Ja, tut es auch. Sonst würde ich den Job nicht machen. Aber es wäre dann doch nett, wenn ihr Autoren auch mal etwas aufmerksamer wärt. Mal habt ihr nichts zum Schreiben da, dann seid ihr zu müde, um die Ideen mitzuschreiben, euch ist zu kalt, ihr habt Hunger und verwechselt diese ganzen Ausreden einfach mit der Angst davor, bei der Umsetzung unserer Ideen zu scheitern. Euch zu inspirieren ist schwerstarbeit. Das ist frustrierend!
Autor: Schreiben ist halt auch nicht leicht. Aus euren bruchstückhaften Impulsen ganze Geschichten zu machen ist schon eine Herausforderung.
Muse: Ja klar! Könnten wir es besser, würden wir Musen die Bücher selber schreiben.
Autor: Da ist was dran.
Muse: Weißt du, was das Unwort des Jahres 2016 unter Musen geworden ist?
Autor: Was denn?
Muse: Plotbunny.
Autor: (schmunzelt)
Muse: Was ist daran lustig?
Autor: Das ist doch nett gemeint.
Muse: Kommt aber nicht immer so nett rüber.
Autor: Okay, okay. Tut mir leid. Komm erstmal an, nimm dir einen Keks, schenk dir einen Kaffee ein, ruh dich aus. Ich versuche, so lange an der Szene hier weiter zu kommen
Muse: Gut.
(Muse geht drei Schritte, dreht sich dann wieder um)
Muse: Aber weißt du was? Ich muss dir vorher schnell noch von meiner Idee erzählen …

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Nicole
Vro

Das Thema für den 01.03. lautet: Frühlingsblüten

Schreibkick #36: Zwischen Tannenbäumen

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Halli hallo ihr lieben,

schön, dass ihr für unseren Weihnachts-Schreibkick vorbei schaut. Ich habe ein kleines Gedicht für euch geschrieben. Es ist noch nicht perfekt, ich hätte gerne ein wenig mehr Zeit gehabt, um es zu verfeiern, ein paar Reime zu überarbeiten und einige Sätze umzustellen, aber ich will es euch heute an Weihnachten trotzdem nicht vorenthalten.

Und damit wünsche ich euch frohe Weihnachten, besinnliche Feiertage und dann einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Zwischen Tannenbäumen

Graue Straßen, dunkle Gassen,
weiche Pfoten auf hartem Asphalt.
Die Stadt, die wirkt fast gänzlich verlassen,
nur durch die Fenster Musik erschallt.

Der Fuchst sucht Futter, das liegengelassen,
damit er den Abend übersteht.
Da sieht er in einem kleinen Garten
den großen Baum von Lichtern erhellt.

Er staunt nicht schlecht über all den Glanz,
versinkt in dessen Anblickt ganz.
„So etwas will ich auch gerne haben
doch wo find ich all die glitzernden Gaben?“

Er schaut durch ein Fenster ins Haus hinein,
dort sitzt die Familie bei Braten und Wein.
„Alle sind sie zusammen ganz froh,
so friedlich, das sieht man sonst nirgendwo.“

Dann rennt er in den Wald hinein,
erzählt allen von dem hellen Schein.
„Lasst und heute ein Feste feiern,
wie noch nie gesehen in unseren Wäldern!“

Zwischen zwei Tannen sucht er ein Plätzchen,
vom Winde und Schneefall abgeschirmt.
Der Mond erhellt das kleine Fleckchen,
Der Himmel mit funkelnden Sternen verziert.

Die Meisen bringen kleine Glöckchen,
und schmücken ein hübsches Tännchen ganz froh,
Der Wolf konnt‘ einen Braten ergattern,
die Hasen ein wenig Salat dazu.

Der Dachs, der kommt auf leisen Pfoten,
eine Kette mit Lichtern schleppt er herbei.
„Ich konnt‘ ein paar Kugeln ergattern, die Roten“,
zwitschert ein Zeisig, trägt im Schnabel gleich drei.

So kommen die Tiere des Waldes zusammen,
Der Bär, das Reh, der Biber, der Specht.
sie zwitschern ein Liedchen und futtern beisammen,
bis am Morgen die Sonne das Blätterdach durchbricht.

Beim Weihnachts-Schreibkick waren dabei:
Eva
Veronika

Das Thema für den regulären Schreibkick am 01.01.2017 lautet: Vorsatz.

Liebe Grüße,
eure Sabi

Schreibkick #35: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

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Hallo ihr lieben,

meine Geschichte ist dieses Mal etwas länger ausgefallen, deswegen werde ich sie in drei Teilen posten. Ich wünsche euch viel Spaß 🙂

Teil 1

Silas stand mit dem Rücken zur Wand. Seine Lunge brannte und sein rechtes Knie schmerzte. Vermutlich hatte er eine Schürfwunde, doch er hatte nach seinem Sturz keine Zeit gehabt, nachzusehen, da seine Verfolger direkt hinter ihm waren. Jetzt hatten sie ihn eingeholt.
»Na, Brillenschlange, machst du dir wieder in die Hose?«
Er wusste nicht, was er sagen sollte, suchte panisch nach einem Fluchtweg. Doch die drei Jungs aus der Klasse über ihm, hatten ihn umzingelt.
»Gib mir dein Handy!«, forderte Matheo, der Anführer der drei.
Ängstlich schüttelte Silas den Kopf. Das würde Ärger geben zuhause, wenn seine Eltern das bemerkten. Er konnte nicht sagen, dass es Matheo und seine Bande waren, denn dann würden sie ihn verprügeln.
»Ich habe euch doch nichts getan«, jammerte er.
»Du hast Recht«, meinte Matheo. »Du bist ein lieber Junge. Deswegen sei jetzt so gut und gib mir dein Handy.« Drohend trat er einen Schritt auf ihn zu. Panisch schüttelte Silas den Kopf, woraufhin auch die anderen beiden Jungs näher kamen. Schritt für Schritt näherten sie sich ihm. Er schloss die Augen und hob die Hände vors Gesicht, erwartete das Reißen an seinem Rucksack und ihre Tritte, wenn sie ihre Beute hatten.
»Hey, Jungs, verzieht euch!«
Silas öffnete die Augen. Die drei Typen standen immer noch vor ihm. Doch hinter ihnen war jemand aufgetaucht. Silas konnte im Gegenlicht einer Laterne nur den Umriss einer Person erkennen. Ihre Stimme klang weiblich, aber streng. Vielleicht eine der Anwohnerinnen hier? Sie befanden sich in einer dunklen Seitenstraße, in der Silas sich hatte verstecken wollen. Dummerweise hatte er das Sackgassenschild nicht gesehen.
Matheo drehte sich um. »Du hast mir Garnichts zu sagen.«
»Meinst du?«
Sie zog etwas aus der Tasche – es sah aus wie eine Dose – und schüttelte es. Dann zielte sie damit auf Matheos Gesicht. »Verzieh dich, sonst bist du gleich grün.«
»Verpiss dich, du dumme …«
Weiter kam er nicht, denn sie machten einen schnellen Schritt nach vorne und sprühte ihm Farbe ins Gesicht. Metheo zuckte zusammen. »Ah, das brennt.«
Jetzt konnte Silas das Mädchen besser erkennen. Sie war vielleicht 15 oder 16, also ungefähr sechs Jahre älter als er, trug eine weite, dunkelgrüne Jacke und eine enge, schwarze Jeans. Aber das auffälligste an ihr waren eindeutig die lila Locken, die sie auf dem Kopf trug. Einer der anderen Jungs ging einen Schritt auf sie zu und hob die Fäuste vors Gesicht.
»Wirklich? Du willst auch?« Sie klang gelangweilt, fast schon herablassend.
Der Junge hingegen blieb verunsichert stehen.
»Macht, dass ihr wegkommt!«
Matheo hatte sich in der Zwischenzeit wieder gefangen und ging erneut auf sie zu. »Du dämliche Kuh, das wirst du mir …«
Sie holte aus, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen, doch er wehrte ihre Bewegung ab. Als hätte der Lockenkopf damit gerechnet, holte sie zur selben Zeit mir der anderen Hand aus und schlug ihm mit der Spraydose auf den Kopf. Dieses Mal schrie Matheo auf und Tränen stiegen ihm in die Augen.
»Also ich verschwinde jetzt«, meinte der Junge, der bisher unbeteiligt dabei gestanden hatte. Auch der mit den erhobenen Fäusten ging wenige Schritte zurück. Er schien unentschlossen, ob er fliehen, oder seinem Freund beistehen sollte.
Matheo warf ihr zwischen seinen Schluchzern einen bösen Blick zu. »Das gibt Rache.« Seine Stimme klang jedoch nicht allzu überzeugend. Dann rannte er los. Seine Kumpels folgten ihm.
Völlig perplex blieb Silas stehen. Er hatte nicht damit gerechnet, ungeschoren davon zu kommen. Wortlos starrte er das Mädchen an, das ihn gerettet hatte.
»Was ist? Hats dir die Sprache verschlagen?«
Silas wusste nicht, was er sagen sollte. In dem Moment begann es zu schneien. Die ersten Flocken in diesem Jahr. Wurde auch Zeit, in einem Monat war schließlich Weihnachten. Der Schnee blieben in ihrer Mähne hängen.
»Die Jungs scheinen dir ja ganz schön zugesetzt zu haben.«
Ihre Worte rissen Silas aus seinen Gedanken. »Äh. Ja. Danke für deine Hilfe.«
»Schon gut.«
»Wie heißt du?«
»Die meisten nennen mich Kitty.«
So einen seltsamen Namen hatte Silas noch nie gehört. »Ist das dein richtiger Name?«
»Nein.«
»Und wie heißt du richtig?«
»Ist doch egal. Ich muss jetzt weiter.«
»Halt! Warte!«, Silas wollte sie noch so viel fragen: wie sie so selbstbewusst geworden war, woher sie ihren coolen Namen hatte, wie sie gelernt hatte, sich so zu verteidigen und vieles mehr. Aber Kitty drehte sich um und lief die Straße hinunter. Silas folgte ihr.
»Bitte warte doch.«
Sie drehte sich um. Doch auf einmal wirkte ihr Gesicht nicht mehr freundlich und weich. Aus kalten Augen funkelte sie ihn an. »Lass mich. Ich habe dir geholfen. Das wars. Ich bin nicht auf der Suche nach einem neuen Freund.«
Wie angewurzelt blieb er stehen. Ein zweites Mal an diesem Abend fing sein Herz wie wild an zu klopfen.
»Tut mir leid, ich …«
»Das interessiert mich nicht.« Ihr Ausdruck wurde wieder etwas weicher. »Jetzt geh heim zu deiner Mama.« Mit den Worten wandte sie sich erneut ab. Silas blieb stehen und sah ihr hinterher. Immer wieder verschwand sie beinahe zwischen den Lichtkegeln der Straßenlaternen, dann tauchte sie im hellen Licht der nächsten wieder auf, bis sie einige Straßen weiter um eine Ecke bog und vollends aus seinem Blickfeld verschwand. Entgegen seiner Hoffnung drehte sie sich nicht noch einmal um.

Silas lief die Einfahrt zum Haus seiner Eltern hinauf. Drinnen brannte Licht. Seine Mutter tauchte mit vollen Händen vor dem Küchenfenster auf und verschwand auch gleich wieder. Die Vorbereitungen für das Abendessen waren wie immer in vollem Gange. Vor der Haustüre blieb er stehen um seinen Schlüssel aus der Jackentasche zu friemeln. Garnicht so einfach mit den dicken Handschuhen an den Fingern. Von drinnen ertönte Jazzmusik. Sein Vater war also schon zuhause und hatte eine seiner geliebten Schallplatten aufgelegt. Endlich hatte er seinen Schlüssel gefunden und schob ihn ins Schloss.
»Bin zuhause!«, rief er, als er in der Garderobe stand und die Türe hinter sich geschlossen hatte. Seine Mutter streckte ihren Kopf durch den Türrahmen, voll beschäftigt, wie immer. »Silas! Wie siehst du denn aus, was hast du denn angestellt?« Silas holte gewohnheitsmäßig nicht mal Luft, um ihr zu antworten, da er wusste, dass sie ihn ohnehin nicht zu Wort kommen lassen würde. »Du sollst doch auf deine Sachen aufpassen. Das sage ich dir doch immer wieder.« Sie hatte sich bereits wieder umgedreht und Silas hörte das Geklapper von Geschirr und Töpfen, während er sich die Schuhe auszog. Trotzdem plapperte sie ununterbrochen weiter. »Ich kann dir doch nicht ständig neue Klamotten kaufen. Sieh dich doch mal an. Ja, wir sind nicht arm, aber trotzdem musst du lernen, auf die Dinge Acht zu geben. Oder willst du in einer der Fabriken arbeiten, in denen die Sachen hergestellt werden? Das ist harte Arbeit. Vielleicht würdest du die Dinge dann zu schätzen lernen. Hörst du, Silas?«
»Ja, Mama. Tut mir Leid«, rief er beiläufig zurück.
»Jetzt geh nach oben und zieh dich um. Es gibt gleich essen. Nicht, dass dein Vater dich so sieht.«
Silas schüttelte den Kopf, als er die Treppe nach oben lief. Seinem Vater würde die Hose vermutlich Nichtmal auffallen. Der redete ohnehin nur über geschäftliches Zeugs. Bei dem Gedanken daran, wie sein Vater das Gesicht verziehen würde, wenn er ihm von dem lila Lockenkopf erzählen würde, musste Silas schmunzeln. Lila Locken, wie unzivilisiert, die Jugend von heute, wären vermutlich die Worte, die er darüber verlieren würde, bevor das Thema beendet wäre. Doch Silas wusste, dass das Thema für ihn noch lange nicht erledigt war. Er wollte wissen, wer sie war und sich zumindest nochmal richtig bedanken. Jetzt konnte er nur hoffen, dass er ihr irgendwann wieder über den Weg lief. Schließlich kannte er noch nicht mal ihren richtigen Namen.

Das Thema für unser Weihnachts-Special lautet: Zwischen Tannenbäumen

Das Thema für den 01.01.2017 lautet: Vorsatz

Diesen Monat waren dabei:

Eva
Veronika
Conny