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Schreibkick #38: Inspiration

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Hallo meine lieben,

als ich so über das diesmonatige Schreibkick-Thema nachgedacht habe, habe ich mir die Frage gestellt, woher wir Autoren eigentlich unsere Inspiration nehmen. Da gab es eigentlich nur eine einzige, naheliegende Antwort: Musen.
Aber wie geht es eigentlich den Musen damit, dass wir sie als reinen Quell der Kreativität nutzen, sie aber sonst kaum beachten? Was wissen wir denn ansonsten von ihnen? Was sind ihre Hobbys? Welche Musik hören sie gerne? Was ist ihr Lieblingsessen? Meine eigene Muse habe ich während eines NaNoWriMos sogar häufiger zu Nicole geschickt (dir ihr viel zu viele Kekse gegeben hat, woraufhin ich dann die Dumme war, die sie wieder auf Diät setzen musste … 😉 ). Dass sie in diesem Monat kein Burnout erlitten hat wundert mich bis heute.
Also … wie geht es den Musen so damit, auf diese einzige Aufgabe reduziert zu werden?

Rückkehr der Muse

Autor: Hey, wo warst du?
Muse: Hallo erstmal.
Autor: Ja hi. Und? Hast du mir was interessantes mitgebracht?
Muse: Das ist ja wirklich mal wieder typisch.
Autor: Was denn?
Muse: Fragst du dich auch eigentlich manchmal, wie es mir geht? Was ich sonst so mache?
Autor: Du kamst so beschwingt hier rein, da dachte ich …
Muse: Ja ja ja, jetzt komm mir nicht so. Du hast ja nicht mal vom Computer aufgesehen. Weißt du eigentlich, wie das ist, rein aufs Inspirieren reduziert zu werden? Das ist doch nicht das Einzige, das uns ausmacht!
Autor: Ähm … das tut mir leid, aber können wir da vielleicht später drüber reden, ich bin hier gerade an der Szene …
Muse: Mir fallen die Ideen auch nicht einfach so zu. Es ist harte Arbeit, sich farbenprächtige Kulissen, tiefgründige Charaktere und mysteriöse Antagonisten auszudenken. Von Spannungsbögen, die in eure neumodischen 7-Punkte-Strukturen passen ganz zu schweigen.
Autor: Okay, ist ja gut. Ich dachte immer, das macht dir halt Spaß.
Muse: Ja, tut es auch. Sonst würde ich den Job nicht machen. Aber es wäre dann doch nett, wenn ihr Autoren auch mal etwas aufmerksamer wärt. Mal habt ihr nichts zum Schreiben da, dann seid ihr zu müde, um die Ideen mitzuschreiben, euch ist zu kalt, ihr habt Hunger und verwechselt diese ganzen Ausreden einfach mit der Angst davor, bei der Umsetzung unserer Ideen zu scheitern. Euch zu inspirieren ist schwerstarbeit. Das ist frustrierend!
Autor: Schreiben ist halt auch nicht leicht. Aus euren bruchstückhaften Impulsen ganze Geschichten zu machen ist schon eine Herausforderung.
Muse: Ja klar! Könnten wir es besser, würden wir Musen die Bücher selber schreiben.
Autor: Da ist was dran.
Muse: Weißt du, was das Unwort des Jahres 2016 unter Musen geworden ist?
Autor: Was denn?
Muse: Plotbunny.
Autor: (schmunzelt)
Muse: Was ist daran lustig?
Autor: Das ist doch nett gemeint.
Muse: Kommt aber nicht immer so nett rüber.
Autor: Okay, okay. Tut mir leid. Komm erstmal an, nimm dir einen Keks, schenk dir einen Kaffee ein, ruh dich aus. Ich versuche, so lange an der Szene hier weiter zu kommen
Muse: Gut.
(Muse geht drei Schritte, dreht sich dann wieder um)
Muse: Aber weißt du was? Ich muss dir vorher schnell noch von meiner Idee erzählen …

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Nicole
Vro

Das Thema für den 01.03. lautet: Frühlingsblüten

Schreibkick #36: Zwischen Tannenbäumen

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Halli hallo ihr lieben,

schön, dass ihr für unseren Weihnachts-Schreibkick vorbei schaut. Ich habe ein kleines Gedicht für euch geschrieben. Es ist noch nicht perfekt, ich hätte gerne ein wenig mehr Zeit gehabt, um es zu verfeiern, ein paar Reime zu überarbeiten und einige Sätze umzustellen, aber ich will es euch heute an Weihnachten trotzdem nicht vorenthalten.

Und damit wünsche ich euch frohe Weihnachten, besinnliche Feiertage und dann einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Zwischen Tannenbäumen

Graue Straßen, dunkle Gassen,
weiche Pfoten auf hartem Asphalt.
Die Stadt, die wirkt fast gänzlich verlassen,
nur durch die Fenster Musik erschallt.

Der Fuchst sucht Futter, das liegengelassen,
damit er den Abend übersteht.
Da sieht er in einem kleinen Garten
den großen Baum von Lichtern erhellt.

Er staunt nicht schlecht über all den Glanz,
versinkt in dessen Anblickt ganz.
„So etwas will ich auch gerne haben
doch wo find ich all die glitzernden Gaben?“

Er schaut durch ein Fenster ins Haus hinein,
dort sitzt die Familie bei Braten und Wein.
„Alle sind sie zusammen ganz froh,
so friedlich, das sieht man sonst nirgendwo.“

Dann rennt er in den Wald hinein,
erzählt allen von dem hellen Schein.
„Lasst und heute ein Feste feiern,
wie noch nie gesehen in unseren Wäldern!“

Zwischen zwei Tannen sucht er ein Plätzchen,
vom Winde und Schneefall abgeschirmt.
Der Mond erhellt das kleine Fleckchen,
Der Himmel mit funkelnden Sternen verziert.

Die Meisen bringen kleine Glöckchen,
und schmücken ein hübsches Tännchen ganz froh,
Der Wolf konnt‘ einen Braten ergattern,
die Hasen ein wenig Salat dazu.

Der Dachs, der kommt auf leisen Pfoten,
eine Kette mit Lichtern schleppt er herbei.
„Ich konnt‘ ein paar Kugeln ergattern, die Roten“,
zwitschert ein Zeisig, trägt im Schnabel gleich drei.

So kommen die Tiere des Waldes zusammen,
Der Bär, das Reh, der Biber, der Specht.
sie zwitschern ein Liedchen und futtern beisammen,
bis am Morgen die Sonne das Blätterdach durchbricht.

Beim Weihnachts-Schreibkick waren dabei:
Eva
Veronika

Das Thema für den regulären Schreibkick am 01.01.2017 lautet: Vorsatz.

Liebe Grüße,
eure Sabi

Schreibkick #35: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

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Hallo ihr lieben,

meine Geschichte ist dieses Mal etwas länger ausgefallen, deswegen werde ich sie in drei Teilen posten. Ich wünsche euch viel Spaß 🙂

Teil 1

Silas stand mit dem Rücken zur Wand. Seine Lunge brannte und sein rechtes Knie schmerzte. Vermutlich hatte er eine Schürfwunde, doch er hatte nach seinem Sturz keine Zeit gehabt, nachzusehen, da seine Verfolger direkt hinter ihm waren. Jetzt hatten sie ihn eingeholt.
»Na, Brillenschlange, machst du dir wieder in die Hose?«
Er wusste nicht, was er sagen sollte, suchte panisch nach einem Fluchtweg. Doch die drei Jungs aus der Klasse über ihm, hatten ihn umzingelt.
»Gib mir dein Handy!«, forderte Matheo, der Anführer der drei.
Ängstlich schüttelte Silas den Kopf. Das würde Ärger geben zuhause, wenn seine Eltern das bemerkten. Er konnte nicht sagen, dass es Matheo und seine Bande waren, denn dann würden sie ihn verprügeln.
»Ich habe euch doch nichts getan«, jammerte er.
»Du hast Recht«, meinte Matheo. »Du bist ein lieber Junge. Deswegen sei jetzt so gut und gib mir dein Handy.« Drohend trat er einen Schritt auf ihn zu. Panisch schüttelte Silas den Kopf, woraufhin auch die anderen beiden Jungs näher kamen. Schritt für Schritt näherten sie sich ihm. Er schloss die Augen und hob die Hände vors Gesicht, erwartete das Reißen an seinem Rucksack und ihre Tritte, wenn sie ihre Beute hatten.
»Hey, Jungs, verzieht euch!«
Silas öffnete die Augen. Die drei Typen standen immer noch vor ihm. Doch hinter ihnen war jemand aufgetaucht. Silas konnte im Gegenlicht einer Laterne nur den Umriss einer Person erkennen. Ihre Stimme klang weiblich, aber streng. Vielleicht eine der Anwohnerinnen hier? Sie befanden sich in einer dunklen Seitenstraße, in der Silas sich hatte verstecken wollen. Dummerweise hatte er das Sackgassenschild nicht gesehen.
Matheo drehte sich um. »Du hast mir Garnichts zu sagen.«
»Meinst du?«
Sie zog etwas aus der Tasche – es sah aus wie eine Dose – und schüttelte es. Dann zielte sie damit auf Matheos Gesicht. »Verzieh dich, sonst bist du gleich grün.«
»Verpiss dich, du dumme …«
Weiter kam er nicht, denn sie machten einen schnellen Schritt nach vorne und sprühte ihm Farbe ins Gesicht. Metheo zuckte zusammen. »Ah, das brennt.«
Jetzt konnte Silas das Mädchen besser erkennen. Sie war vielleicht 15 oder 16, also ungefähr sechs Jahre älter als er, trug eine weite, dunkelgrüne Jacke und eine enge, schwarze Jeans. Aber das auffälligste an ihr waren eindeutig die lila Locken, die sie auf dem Kopf trug. Einer der anderen Jungs ging einen Schritt auf sie zu und hob die Fäuste vors Gesicht.
»Wirklich? Du willst auch?« Sie klang gelangweilt, fast schon herablassend.
Der Junge hingegen blieb verunsichert stehen.
»Macht, dass ihr wegkommt!«
Matheo hatte sich in der Zwischenzeit wieder gefangen und ging erneut auf sie zu. »Du dämliche Kuh, das wirst du mir …«
Sie holte aus, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen, doch er wehrte ihre Bewegung ab. Als hätte der Lockenkopf damit gerechnet, holte sie zur selben Zeit mir der anderen Hand aus und schlug ihm mit der Spraydose auf den Kopf. Dieses Mal schrie Matheo auf und Tränen stiegen ihm in die Augen.
»Also ich verschwinde jetzt«, meinte der Junge, der bisher unbeteiligt dabei gestanden hatte. Auch der mit den erhobenen Fäusten ging wenige Schritte zurück. Er schien unentschlossen, ob er fliehen, oder seinem Freund beistehen sollte.
Matheo warf ihr zwischen seinen Schluchzern einen bösen Blick zu. »Das gibt Rache.« Seine Stimme klang jedoch nicht allzu überzeugend. Dann rannte er los. Seine Kumpels folgten ihm.
Völlig perplex blieb Silas stehen. Er hatte nicht damit gerechnet, ungeschoren davon zu kommen. Wortlos starrte er das Mädchen an, das ihn gerettet hatte.
»Was ist? Hats dir die Sprache verschlagen?«
Silas wusste nicht, was er sagen sollte. In dem Moment begann es zu schneien. Die ersten Flocken in diesem Jahr. Wurde auch Zeit, in einem Monat war schließlich Weihnachten. Der Schnee blieben in ihrer Mähne hängen.
»Die Jungs scheinen dir ja ganz schön zugesetzt zu haben.«
Ihre Worte rissen Silas aus seinen Gedanken. »Äh. Ja. Danke für deine Hilfe.«
»Schon gut.«
»Wie heißt du?«
»Die meisten nennen mich Kitty.«
So einen seltsamen Namen hatte Silas noch nie gehört. »Ist das dein richtiger Name?«
»Nein.«
»Und wie heißt du richtig?«
»Ist doch egal. Ich muss jetzt weiter.«
»Halt! Warte!«, Silas wollte sie noch so viel fragen: wie sie so selbstbewusst geworden war, woher sie ihren coolen Namen hatte, wie sie gelernt hatte, sich so zu verteidigen und vieles mehr. Aber Kitty drehte sich um und lief die Straße hinunter. Silas folgte ihr.
»Bitte warte doch.«
Sie drehte sich um. Doch auf einmal wirkte ihr Gesicht nicht mehr freundlich und weich. Aus kalten Augen funkelte sie ihn an. »Lass mich. Ich habe dir geholfen. Das wars. Ich bin nicht auf der Suche nach einem neuen Freund.«
Wie angewurzelt blieb er stehen. Ein zweites Mal an diesem Abend fing sein Herz wie wild an zu klopfen.
»Tut mir leid, ich …«
»Das interessiert mich nicht.« Ihr Ausdruck wurde wieder etwas weicher. »Jetzt geh heim zu deiner Mama.« Mit den Worten wandte sie sich erneut ab. Silas blieb stehen und sah ihr hinterher. Immer wieder verschwand sie beinahe zwischen den Lichtkegeln der Straßenlaternen, dann tauchte sie im hellen Licht der nächsten wieder auf, bis sie einige Straßen weiter um eine Ecke bog und vollends aus seinem Blickfeld verschwand. Entgegen seiner Hoffnung drehte sie sich nicht noch einmal um.

Silas lief die Einfahrt zum Haus seiner Eltern hinauf. Drinnen brannte Licht. Seine Mutter tauchte mit vollen Händen vor dem Küchenfenster auf und verschwand auch gleich wieder. Die Vorbereitungen für das Abendessen waren wie immer in vollem Gange. Vor der Haustüre blieb er stehen um seinen Schlüssel aus der Jackentasche zu friemeln. Garnicht so einfach mit den dicken Handschuhen an den Fingern. Von drinnen ertönte Jazzmusik. Sein Vater war also schon zuhause und hatte eine seiner geliebten Schallplatten aufgelegt. Endlich hatte er seinen Schlüssel gefunden und schob ihn ins Schloss.
»Bin zuhause!«, rief er, als er in der Garderobe stand und die Türe hinter sich geschlossen hatte. Seine Mutter streckte ihren Kopf durch den Türrahmen, voll beschäftigt, wie immer. »Silas! Wie siehst du denn aus, was hast du denn angestellt?« Silas holte gewohnheitsmäßig nicht mal Luft, um ihr zu antworten, da er wusste, dass sie ihn ohnehin nicht zu Wort kommen lassen würde. »Du sollst doch auf deine Sachen aufpassen. Das sage ich dir doch immer wieder.« Sie hatte sich bereits wieder umgedreht und Silas hörte das Geklapper von Geschirr und Töpfen, während er sich die Schuhe auszog. Trotzdem plapperte sie ununterbrochen weiter. »Ich kann dir doch nicht ständig neue Klamotten kaufen. Sieh dich doch mal an. Ja, wir sind nicht arm, aber trotzdem musst du lernen, auf die Dinge Acht zu geben. Oder willst du in einer der Fabriken arbeiten, in denen die Sachen hergestellt werden? Das ist harte Arbeit. Vielleicht würdest du die Dinge dann zu schätzen lernen. Hörst du, Silas?«
»Ja, Mama. Tut mir Leid«, rief er beiläufig zurück.
»Jetzt geh nach oben und zieh dich um. Es gibt gleich essen. Nicht, dass dein Vater dich so sieht.«
Silas schüttelte den Kopf, als er die Treppe nach oben lief. Seinem Vater würde die Hose vermutlich Nichtmal auffallen. Der redete ohnehin nur über geschäftliches Zeugs. Bei dem Gedanken daran, wie sein Vater das Gesicht verziehen würde, wenn er ihm von dem lila Lockenkopf erzählen würde, musste Silas schmunzeln. Lila Locken, wie unzivilisiert, die Jugend von heute, wären vermutlich die Worte, die er darüber verlieren würde, bevor das Thema beendet wäre. Doch Silas wusste, dass das Thema für ihn noch lange nicht erledigt war. Er wollte wissen, wer sie war und sich zumindest nochmal richtig bedanken. Jetzt konnte er nur hoffen, dass er ihr irgendwann wieder über den Weg lief. Schließlich kannte er noch nicht mal ihren richtigen Namen.

Das Thema für unser Weihnachts-Special lautet: Zwischen Tannenbäumen

Das Thema für den 01.01.2017 lautet: Vorsatz

Diesen Monat waren dabei:

Eva
Veronika
Conny

Schreibkick #34: Höhe

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Hallo ihr lieben,

heute geht es wieder weiter mit Gerry dem Grashüpfer. In der letzten Folge haben er und sein Begleiter Fritz den großen Zufall getroffen. Mal sehen, ob der ihm dabei helfen kann, seine Familie zu finden.

* * *

Verwundert verfolgte Gerry den Schlagabtausch der beiden Tiere, bis ihm der Kragen platzte. „Jetzt reicht es aber!“
Sofort hielten die beiden inne. Der große Zufall grinste neckisch und meinte: „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“
Bevor Fritz etwas erwidern konnte sprang Gerry von seinem Rücken. „Also gut. Wir sind alle zufällig hier. Was kannst du für uns tun, außer schlaue Sprüche um dich werfen?“

* * *

„Nun, kleiner Grashüpfer. Das werden wir sehen. Was führt dich und deinen Begleiter hierher?“
Gerry erzählte ihm alles: Wie er versucht hatte, mit dem Floß den Fluss zu überqueren um bei seiner Familie zu sein, wie er dabei den Wasserfall hinabgestürzt war, seine Verwirrung wegen der flirrenden Luft über dem Asphalt, wie er Fritz getroffen hatte und sie beide auf den großen Zufall gestoßen waren.
Als er geendet hatte, schaute der große Zufall ihn nachdenklich an. „Ich glaube, ich kann dir helfen.“
„Wirklich?“
„Ja. Mir ist letztens zufällig was verrücktes passiert …“
Fritz schnaubte verächtlich. „Was du nicht sagst.“
„Ich war, warum auch immer, irgendwo in einem Dschungel. Und da war ein Vogel. Er hatte seine Eier verloren. Jemand hatte sie aus seinem Nest gestohlen. Zufällig war ich vorher auf einem Baum. Dort erzählte mir ein Affe, der übrigens Hilfe brauchte, weil er keinen passenden Ast fand, um Termiten aus einem Baumstamm zu holen, dass er einen Eierdiebstahl beobachtet hatte, als er selbst auf der Suche nach einem geeigneten Ast war …“
„Komm zum Punkt!“, unterbrach Fritz den großen Zufall. Der schenkte ihm nur einen herablassenden Seitenblick.
„Also jedenfalls war der Vogel sehr dankbar für meine Hilfe, denn zufällig lief uns auch der Affe wieder über dem Weg, dem ich ja vorher schon geholfen hatte. Gemeinsam fanden sie die Eier und …“
„Und was hilft uns das jetzt?“, fragte Fritz.
„Ist ja gut. Aus Dankbarkeit schenkte er mir zwei Federn. Er hatte ja sonst nichts. Ich habe mich lange gefragt, was ich damit tun soll. Ich habe sie auch schon liegen lassen, aber der Wind hat sie mir zufällig hinterhergeweht, da habe ich sie wieder eingesteckt.“
Fragend blickte Gerry das große Tier an. „Und was soll ich mit zwei Federn?“
„Naja, ich habe hier …“ er kramte mit einer Tatze in den Tiefen seines Fells herum „… auch noch zwei Gummis. Die habe ich bekommen als …“
„STOP!“, drängte sich Fritz dazwischen. „Und mit den Gummis willst du die Federn an seinen winzigen Flügeln befestigen, damit er über den Fluss fliegen kann.“
„Genau.“
„Das ist brilliant!“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Gerry die beiden an. „Das ist nicht euer Ernst, oder?“
„Warum denn nicht?“ Fritz schien von der Idee wirklich begeistert zu sein.
„Weil ich noch nie geflogen bin“
„Dann lernst du es eben.“
„Mit Vogelfedern?“
„Ja. warum nicht?“
Fieberhaft überlegte Gerry. Fliegen zu können war schon immer sein Traum gewesen. Aber eben mit echten Grashüpferflügeln und nicht so. Bei dem Gedanken, mit diesen Federn über den Fluss zu flattern und sich der Gefahr auszusetzen, erneut in die Fluten zu stürzen, wurden seine Knie weich wie Moos. Andererseits war der Gedanke, den Wind in seinem Gesicht zu spüren und die Landschaft unter sich hinwegziehen zu sehen einfach verlockend.
„Du musst ja nicht gleich über den Fluss fliegen. Probier es doch einfach erstmal so. Viel kann ja nicht passieren.“ Unterbrach der Kater seine Gedanken.
Da hatte Fritz recht. Er musste ja nicht bei seinem ersten Flug den Fluss überqueren.
„Also gut. Ich mache es.“
Die beiden Tiere grinsten ihn an.

Wenige Minuten später hatten sie die Federn an Gerrys kleinen Schwingen angebracht. Vorsichtig hob und senkte er sie. Deutlich spürte er den stärkeren Luftwiderstand, den die Schwingen verursachten.
„Los, probier es“, ermunterte Fritz ihn.
Langsam begann er mit den Flügeln zu schlagen. Doch er hatte keine Ahnung, wie er sie richtig bewegen sollte. Der Schwung fegte ihn nach vorne und er verlor sein Gleichgewicht. Unsanft landete er auf dem Bauch. Im Hintergrund hörte er Fritz lachen. Genervt stand Gerry wieder auf und probierte es erneut. Dieses Mal bleib er zwar auf den Beinen, hob aber nicht ab.
„Vielleicht musst du Anlauf nehmen?“ Vermutete der große Zufall.
„Hm. Das kann sein.“
Gerry suchte sich eine Stelle auf dem Schotterweg, wo nicht so viele Steine lagen. Dann rannte er, so schnell ihn seine kleinen Beine trugen, spreizte seine Flügel und hob ab. „Oooouuuaaaah!“ Das Gefühl, keinen Boden mehr unter den Füßen zu haben war beängstigend. Hastig schlug er mit den Flügeln, wurde vom Wind weiter getragen, geriet ins Strudeln, machte einen Salto und landete unsanft im Gras. Sofort waren Fritz und der große Zufall bei ihm. „Ist alles okay?“ Fragten sie beinahe gleichzeitig.
„Jaja. Aber ich glaube, das wird nichts.“
„Doch komm schon!“
„Du bekommst das hin“
„Du brauchst nur Übung.“
Die beiden überschlugen sich beinahe bei dem Versuch, ihn zu ermutigen.
„Schon gut“, murrte der Grashüpfer und stand wieder auf.

Gerry übte und übte. Immer wieder erhob er sich in die Luft und stürzte ab. Erst, als die Dämmerung hereinbracht schaffte er es, sich einigermaßen stabil in der Luft zu halten. Besonders hoch traute er sich noch nicht. Aber im Flug über das Gras und den Weg hinweg zu gleiten, war ein berauschendes Gefühl. Erschöpft, aber glücklich sank er schließlich in die Wiese. Seine zwei Flugcoaches applaudierten ihm.
„Hab ichs doch gewusst!“ Meinte Fritz, breit grinsend.

Am nächsten Morgen erwachte Gerry bereits vor dem Sonnenaufgang. Neben ihm lag Fritz im Gras und schlummerte noch tief und fest. Der große Zufall war verschwunden. Gerry bewegte seine Flügel, um sicher zu gehen, dass er nicht geträumt hatte. Die Vogelfedern waren noch da. Erleichtert atmete er auf. Die halbe Nacht über hatte er wachgelegen und überlegt, was er tun sollte. Und er war zu dem Schluss gekommen, noch heute über den Fluss zu fliegen. Er konnte nicht länger warten. So schnell wie möglich wollte er bei seiner Familie sein und mit ihnen fliegen. Bei dem Gedanken wurde er ganz kribbelig.

Gemeinsam mit Fritz stand er an dem großen Fluss.
„Du wirst mich doch besuchen kommen?“ Fragte der Kater.
„Bestimmt“, meinte Gerry.
„Dann wünsche ich dir alles Gute da drüben.“
„Danke.“
„Na dann los.“ Der Kater setzte sich ins Gras und schaute Gerry auffordernd an.
„Okay.“
Er atmete noch einmal tief durch, dann konzentrierte er sich und nahm Anlauf. Als Gerry schnell genug war breitete er seine Flügel aus. Die Bewegungen fühlten sich schon viel vertrauter an, als am Vortag. Mühelos stieg er in die Höhe. Es war das erste Mal, dass er nicht nur knapp über dem Boden glitt, sondern weiter in Richtung Himmel stieg. Doch es machte ihm nichts mehr aus. Das mulmige Gefühl in seinem Magen ignorierte er, denn die Freude über seine neu gewonnene Freiheit überwog. Er ließ seinen Blick über das Ufer schweifen, an dem er die letzten Stunden verbracht hatte. Dort unten saß Fritz, der stolz zu ihm hinauf sah. Immer höher und höher flog er, den Wolken entgegen. Irgendwann war der Kater nurnoch ein kleiner Punkt. Dafür kam die Kante des Wasserfalls immer näher. Schon konnte er den Wald sehen, in dem er aufgewachsen war. Er überflog die Wipfel in weiten Kreisen und blickte hinüber über den großen Fluss, wo weite Wiesen und seine Familie auf ihn warteten. Dann flog er sicherheitshalber noch ein kleines Stück höher, nahm all seinen Mut zusammen und surrte hinaus über das Wasser.

Diesen Monat waren dabei:
Veronika
Nicole
Eva
Anita
Surf Your Inspiration

Das Thema für den 01.12.2016 lautet: Lila Locken, karierte Socken, schneeweiße Flocken

NaNoWriMo 2016 – Tinkas Fragen 2

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nanowrimo_2016_webbadge_participant-180Hallo ihr lieben,

weiter gehts mit Tinkas Fragen.

 

1. Wirst du direkt am 1. November um 0 Uhr starten?

Ich habe nicht um 0 Uhr angefangen, denn da habe ich bereits geschlafen. Dafür aber jetzt. Wir haben 9:30 Uhr morgens, ich habe meine Tasse Kaffee neben mir stehen und Knabberzeugs. Bin also bestens gerüstet.

 

2. Was möchtest du in diesem NaNo schreiben? Warum möchtest du ausgerechnet diese Geschichte aufschreiben?*

Ich weiß gar nicht, wie viel ich schon verraten möchte. Der Arbeitstitel meines Romans lautet „Voodoo“. Und darum wird es auch gehen. Aber es wird keine Horrorgeschichte. Sie wird vermutlich auch ohne Zombies und Voodoopuppen auskommen. Sie spielt in Berlin. Ich habe in den letzten Wochen viel über den ursprünglichen Voodoo aus Benin gelesen und werde eher Elemente aus dieser Kultur verwenden. Im Juni habe ich im Schreibmeer schon einen Artikel zum Thema verfasst.

 

3. Was hat dich auf die Idee für deine Geschichte gebracht?*

Eine Reportage über den Weltklimagipfel. Ja, das mag jetzt im ersten Moment zusammenhanglos klingen, aber so wars eben 😉

 

4. Schreibst du mit Musik oder lieber ohne? Was ist dein liebster Song/deine liebste Playlist zum Schreiben?*

Ich denke, vor allem die ersten Szenen werde ich mit Musik schreiben. Das passt so schön, da sie in der Berliner Partyszene spielen. Ich muss mir aber noch den richtigen Soundtrack zusammensuchen.
Generell schreibe ich mal mit und mal ohne Musik. Je nach Stimmung. Prinzipiell höre ich beim Schreiben aber nur rein instrumentale Musik. Sprache lenkt mich zu sehr ab. Während ich an den Trollen geschrieben habe, lief häufig der Soundtrack zu „Herr der Ringe“.

 

5. Warum stellt sich dein Antagonist gegen den Protagonisten?*

Mein Protagonist stellt sich gegen den Antagonisten. Mein Antagonist hat einen „allgemeineren“ Gegner.

 

Mood-Frage: Wie Motiviert bis du auf einer Skala von 1 – 10?

So bei 7. Ich bin echt motiviert. Wenn ich dann aber in meinen Kalender blicke und sehe, was „drumrum“ noch so alles los ist, sinkt die Stimmung  😀

Alles liebe,
Sabi

Rezension: Rike Moor- Im Schatten des Jaotar

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im-schatten-des-jaotar Klappentext:
Tief im Regenwald von Onar liegt die Heimat der Manori. Eines Tages finden Späher zweier befreundeter Stämme die Spuren einer gefährlichen Kreatur, dem Jaotar, in ihren Territorien. Kurz nach dem beunruhigenden Fund breitet sich eine merkwürdige und unbekannte Krankheit aus. Dennoch beginnt eine schicksalsbehaftete Jagd auf die Bestien des Regenwaldhochlandes. Unter den ausgesandten Krieger, Jägern und Spähern beider Stämme befinden sich auch Nairi und Yriiel, zwei junge von Grund auf verschiedene Manori.

Während Nairi bereit ist verbotenerweise Magie einzusetzen, lehnt Yriiel diese strikt ab. Als ihre unterschiedlichen Ansichten aufeinanderprallen, entsteht ein Strudel aus Pflichtgefühl, Heimlichkeiten und unerwarteter Zuneigung. Zu allem Überfluss müssen nicht nur die beiden herausfinden, dass die Jaotare ihr kleinstes Problem sind und sie einer Gefahr gegenüberstehen, der sie ohne Magie nicht gewachsen sind.

Meine Meinung:

Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar von der Autorin über die Facebookgruppe „Reziliebe“ bekommen.

Ich habe mich anfangs etwas schwer getan, in die Geschichte zu kommen. Die Autorin wechselt immer wieder zwischen den Schauplätzen der beiden Manori-Stämme. Und auch, wenn die Namen genannt werden und man eigentlich wissen könnte, wo man sich gerade befindet, habe ich mich tatsächlich schwer getan. Vielleicht, weil bei beiden Gruppen ähnliches zeitgleich passiert? Ich weiß es nicht. Nach einer Weile bin ich aber in die Geschichte hinein gekommen und fand sie von da an ganz gut.
Auch mit den Charakteren bin ich nicht direkt warm geworden. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich in sie einzufühlen. Nairi und Yriiel sind eigentlich ganz nette Personen – wenn man sie erstmal etwas besser kennt. Doch dann hatte mich die Geschichte gepackt und ich wollte wissen wie es weiter geht.
Positiv ist zu sagen, dass es durchweg recht spannend bleibt. Es gibt einige Fragen, die lange offen bleiben, aber nach und nach gelöst werden.
Etwas unrealistisch ist, wie „gut“ und „einfach“ Nairi, Yriiel und der Rest ihrer Truppe durch ihr Abenteuer gelangen. Ihnen werden zwar immer wieder Steine in den Weg gelegt, trotzdem haben sie wenig Verluste auf ihrer Seite zu beklagen.
Die Welt ist schön beschrieben. Man kann sich die verschiedenen Schauplätze zwischen den Baumriesen, im Urwald usw. gut vorstellen. Auch die magischen Elemente (Pflanzen, verwoben mit den Manori, magische Kristalle …) passen in das Setting und in die Geschichte.

Sprachlich ist das Buch okay. Mitunter holpert es etwas und es gibt Passagen, in welchen sich vermehrt Fehler finden lassen. Für ein (wie ich vermute) unlektoriertes Erstlingswerk finde ich es aber noch okay.

Das Buch bekommt von mir eine vorsichtige Leseempfehlung. Es ist nett zum zwischendrin in der S-Bahn lesen. Leichte, einfache Unterhaltung.

 

Schreibkick #33: Zufall

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Hallo ihr lieben,

dieses Mal geht es wieder weiter mit Gerry. Da ich einen Monat übersprungen habe, hier nochmal kurz das Ende vom letzten Teil, zur Erinnerung. Dann geht es mit dem Thema „Zufall“ weiter.

Am Straßenrand saß eine zerzauste Katze. Gerry gefror das Blut in den Adern.
„Na, hat das Sommerflirren dich verwirrt?“
Vorsichtig lief Gerry einige Schritte rückwärts. Er wollte nicht als Mittagessen dieser Kreatur enden.
„Keine Sorge. Ich fress‘ dich nicht. Hatte heut‘ schon ’ne Maus. An dir is‘ ja nix dran.“

* * *

Die Worte beruhigten Gerry allerdings überhaupt nicht. Er schnappte nach Luft und machte aus Reflex einen Salto rückwärts. Doch mit wenigen eleganten Bewegungen stand die Katze wieder direkt über ihm. Hätte er anständige Flügel gehabt, hätte er wegfliegen können. Doch so war er dem Vieh hilflos ausgeliefert.
„Aber … aber, sie waren doch gerade noch da?“
„Da war niemand. Glaub mir.“
„Aber … aber …“ Suchend blickte Gerry sich um Seine Familie war weg.
Die Katze setzte sich hin und begann, ihre linke Pfote zu lecken. „Mhm, wo kommhmmst du mhm denn mmh her? Ich mhm habmme jemmhmanden wie mhm dich hier noch nie gemhmsehen.“
„Vom Wald. Oben auf dem Hügel“, antwortete Gerry zögerlich.
Das Tier hielt in seiner Bewegung inne und setzte seine Pfote wieder auf den Boden. „Ein Wald, sagst du? Ich war noch nie in einem Wald. Ich habe bisher nur davon gehört. Da soll es ganz viel zu essen geben. Viel mehr, als die paar dürren, vertrockneten Mäuse die einem hier tagtäglich über den Weg laufen.“
„Ja. Er ist da oben.“ Gerry zeigte in Richtung des Wasserfalls, den man in einiger Entfernung noch sehen konnte. Der Fluss hatte ihn ganz schön weit mitgenommen.
„Na dann, worauf wartest du?“, sagte die Katze, stand auf und stolzierte in Richtung des Hügels davon. Gerry bliebt sprachlos mit offenen Mund stehen. Nach einigen Schritten drehte sich die Kreatur um. „Bist du hier festgewachsen oder was? Komm!“
„Äh … ja … okay.“ So schnell er konnte, versuchte er, dem Vierbeiner hinterher zu kommen. Vielleicht war es gar nicht schlecht, ein wehrhaftes Tier an seiner Seite zu haben. Neugierig inspizierte er die spitzen Krallen, die gerade nur minimal zwischen dem Fell hervorlugten.
„Wie heißt du?“, maunzte es.
„Gerry. Und du?“
„Fritz. Wie kommt es, dass du hier unten bist, wenn du doch von oben aus dem Wald kommst?“ Gerry seufzte. Dann begann er, seine Geschichte zu erzählen.

Gerry war gerade dabei, das Blätterdach der Bäume in allen Details zu beschreiben, als Fritz plötzlich stehen blieb und die Nase in die Luft reckte.
Gerry blickte ihn fragend an. „Ist irgendwas?“
„Ich rieche etwas. Aber ich kann es nicht einordnen.“
„Vielleicht ist es schon der Wald?“, fragte der Grashüpfer hoffnungsvoll. Doch die Katze schüttelte nur den Kopf. „Es ist etwas tierisches. Aber sowas habe ich noch nie gerochen.“
„Denkst du, es ist gefährlich?“
„Keine Ahnung.“ Vorsichtig setzte er eine Pfote vor die andere, ohne mit dem schnuppern aufzuhören. „Komm.“
Langsam, Schritt für Schritt, schlichen sie vorwärts. Als sie um die nächste Kurve bogen, sahen sie auf einmal etwas großes, schwarzes neben der Straße liegen. Fritz erstarrte in seiner Bewegung und auch Gerry blieb stehen.
„Was ist das?“, flüsterte der Grashüpfer.
„Sssst“, machte die Katze. Duckte sich und wagte sich langsam einige Zentimeter nach vorne.
Auf einmal hob das große Etwas den Kopf und blickte direkt in ihre Richtung. Schwarze Augen sahen sie unter dicken Augenlidern hindurch an. Herabhängende Lefzen begannen zu zucken, als das Ungetüm die Witterung aufnahm. Fritz und Gerry erstarrten.
„Und jetzt?“, versuchte Gerry erneut, sich mit dem Kater abzusprechen.
„Weiß nicht.“
Sie beobachteten den Fellberg, der ungerührt liegen blieb, für einige Sekunden.
„Meinst du jetzt, es ist gefährlich?“
„Woher soll ich das wissen?“, fauchte die Katze. „Aber wir müssen dran vorbei, wenn wir nach oben wollen.“
„Wir können auch warten, bis es weg ist?“, wandte Gerry verängstigt ein.
„So wie das da liegt kann das Tage dauern.“
Gerry konnte an Fritz zusammengekniffenen Augenbrauen förmlich sehen, wie sein Gehirn arbeitete. Sein eigenes hingegen war einfach leer. Er hatte keinerlei Erfahrungen mit solchen Situationen.
„Okay. Spring auf meinen Rücken. Ich laufe daran vorbei, als wäre es nichts besonderes. Sollte das Ding irgendetwas unvorhergesehenes machen, renne ich los. Also halt dich gut fest.“
Gerry nickte. Fritz legte sich auf den Boden und ließ den Grashüpfer aufsteigen. Er hatte zunächst einige Mühe, sich auf dem Katzenrücken zu halten. Doch dann fand er an einem großen Fellknäuel einen einigermaßen sicheren Halt.
„Kanns los gehen?“
„Ja.“
Langsam setzte sich der Kater unter Gerry in Bewegung. Es schaukelte ganz schön, doch es gelang ihm, das Gleichgewicht zu halten.
Als sie dem Ungetüm immer näher kamen, pochte sein Herz wie wild und er glaubte, auch das Herz des Katers zu spüren, das immer schneller und schneller schlug.
Gerry blickte stur geradeaus und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
„Hallo.“
Fritz machte seinen Satz zur Seite und der Grashüpfer auf seinem Rücken konnte sich gerade noch halten.
„Nicht erschrecken“, grollte das Wesen, wobei unter seinen Lefzen spitze Eckzähne zum Vorschein kamen. „Ich will euch nicht fressen.“
Ungläubig schüttelte Gerry den Kopf. Das war schon die zweite Kreatur in kurzer Zeit, die kein Interesse daran hatte, ihn zum Mittagessen zu verspeisen. Und das, obwohl ihm seine Familie immer wieder eingebläut hatte, wie gefährlich die Welt „da draußen“ war.
„W…wer bist du?“, piepste der Gerry.
„Ich? Ich bin der große Zufall.“
„Was?“, mischte sich nun Fritz ein. Seine Stimme klang genauso verdutzt, wie Gerry sich fühlte.
„Der große Zufall. Ich bin immer zufällig dort, wo jemand einen Zufall benötigt.“
„Danke. Wir brauchen nichts“, sagte Fritz und wandte sich bereits ab.
„Seid ihr sicher? Das wäre dann aber ein komischer Zufall.“ Seine tiefe Stimme ließ die Straße vibrieren.
Gerry kratzte sich am Kopf. Drehte er jetzt langsam völlig durch? Das war alles zu verrückt um wahr zu sein.
„Zufällig brauchen wir aber garnichts“, meinte Fritz genervt.
„Hm. Auch solche Zufälle muss es mal geben“, meinte der große Zufall und leckte sich mit seiner Zunge über die Schnauze.
„Ausnahmen bestätigen die Regel“, erwiderte Fritz genervt.
Das schwarze Ungetüm verzog die Lefzen, was wohl ein Lächeln sein sollte. „Auf den Zufall bauen ist Torheit, den Zufall benutzen ist Klugheit.“
„Jaja, und auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn.“
Die besten Dinge verdanken wir dem Zufall.“
Verwundert verfolgte Gerry den Schlagabtausch der beiden Tiere, bis ihm der Kragen platzte. „Jetzt reicht es aber!“
Sofort hielten die beiden inne. Der große Zufall grinste neckisch und meinte: „Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“
Bevor Fritz etwas erwidern konnte sprang Gerry von seinem Rücken. „Also gut. Wir sind alle zufällig hier. Was kannst du für uns tun, außer schlaue Sprüche um dich werfen?“

🙂 So weit erstmal die Geschichte von Gerry, Fritz und dem großen Zufall. Beim nächsten Mal gibts das Finale 😀

Diesen Monat waren dabei
Eva
Veronika
Alice Japa
Nicole Vergin

Das Thema für den nächsten Monat lautet: Höhe

Rezension: Lisa-Marie Reuter – Die Herrschaft der Xarquen

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Hallo ihr lieben,

dieses Mal habe ich etwas ganz besonderes für euch. Dieses Buch ist mein absoluter Fantasy-Liebling im Jahr 2016. Wenn ihr auf liebenswerte, abenteuerliche, etwas verrückte Fantasy steht, seid ihr bei diesem Buch absolut richtig!

Schon beim ersten Satz (nach dem Vorwort zur Übersetzung aus dem Pärlonischen) des Buches musste ich grinsen: „Schmorzo H. von Krotzenhausen“. Was für ein hübscher Name. Die Autorin entführt den Leser innerhalb weniger Sekunden in eine abenteuerlich Fantasywelt, mit einer wunderbaren Artenvielfalt und eigenwilligen, außergewöhnlichen Charakteren. Es gibt Werwölfe mit Doppelnamen (Rex-Arko Lupernus III. von Todesklau, Cora-Bella …), einen Elfer mit Fledermausflügeln, Irrwitze, Drachen, Lebewesen, die es eigentlich gar nicht mehr gibt usw. Wer auf abgedrehte Fantasy mit einer liebevollen, lustigen Geschichte steht, ist hier genau richtig.

Im Großen und Ganzen geht es um Pongo den Polizeipären, welcher in einem absolut hierarchischen System aufgewachsen ist. Doch plötzlich ist er auf sich alleine gestellt und verbündet sich mit Kiffi der Killerelfe. Sie haben ein Kästchen bei sich, das die Schreckensherrschaft der geheimnisvollen Xarquen beenden soll und hinter dem machthungrige Gegner her sind. Gemeinsam fliehen sie quer durchs Land, um das Kästchen an seinen Bestimmungsort zu bringen.

Pongo, Kiffi und die übrigen Charaktere sind super beschrieben. Es fällt kein bisschen schwer, sich in jeden Einzelnen von ihnen hineinzuversetzen. Sie sind alle absolut liebenswert und glaubwürdig. Das gilt auch für die „Bösewichte“. Für den Leser ist ihre Handlungsweise gut nachvollziehbar. Das Buch ist aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, was viel Abwechslung bedeutet und die Geschichte sehr lebendig macht.

Die Welt ist so beschrieben, dass man sie sich gut vorstellen kann, ohne, dass es langwierige Erklärungen gibt. Durch die vielen kleinen Details, die gut in die Handlung verpackt sind, bekommt man so nebenbei mit, in welcher Umgebung man sich befindet, wie die Wesen aussehen, denen man begegnet und wie sie so drauf sind.

Die Sprache des Buches ist durchgehend flüssig und beinahe komplett fehlerfrei. Ich glaube, ich bin über zwei kleinere Rechtschreibfehler gestolpert. Ansonsten lässt sich das Buch ohne jeden Stolperer oder Logikfehler lesen.

Das Buch ist von vorne bis hinten spannend. Das ist sowohl dem Plot, als auch der detaillierten Welt und den interessanten Charakteren zuzuschreiben. Mal geht es von der Geschichte her rasant voran, mal geht man mit Pongo und den anderen auf Entdeckungsreise, staunt über die Städte, die Sehenswürdigkeiten und die Natur oder trifft auf schräge Vögel und hört sich deren Geschichte an. Wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie ein Drache mit generalisierter Angststörung sein Leben verbringt?

Mich hat lange kein Buch mehr so begeistert wie „Die Herrschaft der Xarquen“. Es ist erfrischend anders und macht einfach Spaß. <3

Schreibkick #32 : Die Hummel

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Hallo ihr lieben,

es ist wieder Schreibkickzeit 🙂 Mein Grashüpfer Gerry macht diesen Monat allerdings eine Pause, denn mir ist ein nettes, kleines Gedicht eingefallen, das ich gerne mit euch teilen möchte.
Viel Spaß damit 🙂

Die Hummel

Der kleinen Hummel ist ganz bang,
Wie stellt sie nur das Fliegen an?
Hier steht sie vor dem ersten Flug,
Im Magen ist ihr gar nicht gut.
Ihre Flügel sind so kurz,
Unvermeidbar scheint der Sturz.
»Da muss ich durch, ich hab den Mut«,
redet sie’s sich selber gut.
Sie spreizt die Schwingen und hebt ab,
Ihr ganzer Körper sackt herab.
Doch ihre Schwingchen klein und fein,
Tragen sie in die Welt hinein.
Mit viel Gebrumm, trotz Sturzgefahr
Macht sie das Unmögliche wahr.

Diesen Monat dabei:
Veronika
Eva
Alice Japa

Das Thema für den nächsten Monat lautet: Zufall

Rezension: P.I.D. 1 – Im Visier der Vergangenheit

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Hallo ihr lieben,

ich habe ja schon lange darüber nachgedacht, ob ich auch Rezensionen auf meinem Blog veröffentlichen soll. Aber es gibt schon so viele Blogs, auf denen so viele Rezensionen geschrieben werden, teilweise mit wunderschönen, ausgeklügelten Systemen. Da werden Pfötchen, Sternchen, Ringe oder sonst was in verschiedensten Kategorien vergeben, mitsamt Coverbeschreibung, ausführlicher Inhaltsangabe usw. Noch so einen Blog zu erstellen erschien mir immer relativ nutzlos.

Warum jetzt aber trotzdem eine Rezensionskategorie?

Ich lese gerade unheimlich viele Bücher von Selfpublishern, vor allem Debütromane. Und das hat mich auf die Idee gebracht, mich bei meinen Rezensionen genau darauf zu fokussieren: Debütromane von Selfpublishern oder Autoren in Kleinverlagen.

Meine erste Rezension fällt dabei allerdings erstmal etwas aus der Reihe. Denn inzwischen hat Andrea Bugla bereits mehrere Romane veröffentlicht (wobei auch P.I.D. genau genommen nicht ihr erstes Buch ist, aber so genau will ich es hier mal nicht nehmen 😉 ). Das Buch ist auch schon eine ganze Weile auf dem Markt. Warum wird es trotzdem meine erste Rezension?
Ganz einfach: Ich habe mich damals zur Leserunde angemeldet, war danach aber Ewigkeiten nicht mehr auf Lovelybooks und habe nicht mehr mitbekommen, dass die Leserunde startet, bzw. dass ich dabei bin. Ihre Nachrichten habe ich erst letztens entdeckt, woraufhin ich mir das Buch sofort gekauft und gelesen habe. Liebe Andrea, falls du das hier liest: Sorry für die Verspätung 🙂

P.I.D.1 – Im Visier der Vergangenheit

P.I.D. - Im Visier der VergangenheitJules ist in Lebensgefahr. Sie steht ganz oben auf der Todesliste eines skrupellosen Killers. Sie befindet sich in einem Zeugenschutzprogramm, als sie plötzlich selbst eines Mordes beschuldigt wird. Sie hat keinen Anhaltspunkt, wo sie Hilfe finden kann. Um ihr Leben und das geliebter Menschen zu schützen, muss sie einem Fremden vertrauen und ihr Leben in seine Hände legen. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt.

Das Buch ist fesselnd geschrieben, die Geschichte wird rasant vorangetrieben und die Spannung bleibt die ganze Zeit erhalten. Es fiel mir leicht, mich in die Charaktere hineinzuversetzen. Jules, mit all ihren Sorgen und Ängsten, ist absolut glaubwürdig beschrieben, genauso wie Coop und die Geschichte, die sich zwischen den beiden entwickelt.

Auch sprachlich gefällt mir das Buch sehr gut. Die Orte sind so beschrieben, dass man ein Bild vor Augen hat, die Dialoge sind flüssig, mit dem ein oder anderen Wortwitz, was mir gut gefällt. Neben all der Spannung gibt es also auch einige Gelegenheiten zum Schmunzeln.

In vielen Rezensionen wird bemängelt, dass das Ende offen bleibt. Ich hatte mich daher schon vor dem Lesen auf ein sehr unbefriedigendes Ende eingestellt und muss ehrlich sagen, dass ich mich daran überhaupt nicht gestört habe. Ja, es bleiben die meisten Fragen offen (obwohl natürlich vorher einige neue Informationen dazu kommen), aber meines Erachtens nach ist an der Stelle, an der das Buch endet trotzdem ein Erzählabschnitt zu Ende. Für mich passt es also gut so wie es ist. Außerdem ist der zweite Teil des Buches ja bereits erschienen, man kann also einfach weiter lesen 🙂

Mein Fazit:
Absolut lesenswert für alle, die es spannend mögen.

Hier gehts zum Buch: P.I.D. – Im Visier der Vergangenheit
Und zur Autorin

Liebe Grüße,
Sabi