Schlagwort-Archiv: schreiben

Die Gruselmeer Autoren #2: Florian Waldner

Veröffentlicht am von 1 Kommentar

Weiter geht es heute mit Florian, der uns in seiner Geschichte auf Geisterjagd schickt.

Autorenvita:  Florian Waldner lebt und schreibt im schönen Bregenzerwald. Als Leseratte, Story-Telling-Enthusiast, Wortspieler und Fan von allem, was eine gute Geschichte enthält, lag ein Studium in Germanistik und Latinistik nahe. Neben regelmäßigen Beiträgen über das Schreiben und Kreativtechniken beim Schreibmeer veröffentlicht er Kürzestgeschichten und Gedichte für Zwischendurch auf seinem Blog „Tintenfleck“.

Erzähl mal, Florian,  worum geht es in deiner Geschichte „Das Haus in Athens“?

Das ist schwierig. Ich will ja nicht zu viel verraten, aber auch nicht zu wenig. Im Grunde geht es um zwei „Geisterjäger“ – falls man sie so nennen kann –, die ein Auftrag nach Athens, Pennsylvania, führt. Dort steht ein Haus, in dem die beiden dann … nun, da möchte ich nun eigentlich wirklich nichts mehr verraten.
„Geisterjäger“ sagt doch schon alles, nicht?

Wie bist du auf die Idee für deine #Gruselmeer-Kurzgeschichte gekommen?

Die Geschichte an sich beschäftigt mich schon sehr lange, denn sie hat ein historisches Vorbild. In einem Brief an einen Freund schildert der römische Politiker Gaius Plinius Caecilius Secundus, besser bekannt als Plinius der Jüngere, eine ganz ähnliche Geschichte über ein Haus, das in Athen steht. Die Art und Weise, wie der Philosoph, der in diesem „Gespensterbrief“ das Haus betritt, mit der Situation umgeht, hat mich schon immer fasziniert. Als dann die Idee mit dem #Gruselmeer aufkam, wusste ich schnell, dass ich mich weiter mit der Geschichte von Plinius befassen möchte – aber anstatt sie einfach nachzuerzählen, habe ich sie für mich selbst vollkommen zerlegt und neu zusammengearbeitet. Aus dem alten Athen wird Pennsylvania, aus der Antike das 19. Jahrhundert, aus einem alten Philosophen zwei junge Menschen … es war spannend, zu sehen, wie sich die Geschichte dadurch verändert und was man damit alles machen kann.

Verrätst du uns den ersten Satz deines Textes?

Die Kerzen flackerten, als die Entität des Jenseits nach ihnen griff.

Was machst du beim Schreibmeer normalerweise?

Ich schreibe Artikel, in der Regel über Erzähltechniken, literarische Traditionen und Schreibtheorien, manchmal aber auch „einfache“ Praxistipps. Ist spannender, als es klingt 😉

Dann erzähl uns doch von dem spannenden Part. Was reizt dich an diesen Themen?

Für mich persönlich ist Schreiben mehr als nur das Erzählen einer guten Geschichte. Natürlich braucht man einen hieb- und stichfesten Plot mit überraschenden Wendungen, interessante Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, und nachvollziehbare Konflikte, damit die Handlung für das Publikum verständlich bleibt.
Daneben fasziniert mich aber auch, wie eine gute Geschichte erzählt wird – all die vielen kleinen Tricks und Kniffe, die über die bloße Handlung hinausgehen und die Leserinnen und Leser oft gar nicht bemerken, weil sie völlig unbewusst wirken. Dazu zählen etwa all die vielen kleinen Dinge, die auf Satz- und Wortebene passieren, etwa, dass man Adjektive und Nomen verwendet, die direkt eine gewisse Atmosphäre aufbauen – niemand würde beispielsweise in einer Gruselgeschichte das Wort „süß“ verwenden. Oder dass man Sätze verkürzt, teilweise bis hin zur Auslassung von Subjekten, Objekten und sogar Prädikaten, um so das Lese- und Erzähltempo zu steigern (und damit auch die Spannung). Oder dass man abwechslungsreiche Satzanfänge verwendet.
Oder an der richtigen Stelle Absätze setzt.

Solche kleinen Kniffe und Regeln gibt es hunderte – aber wirklich spannend wird es dann, wenn Autoren sie bewusst nicht einsetzen, bewusst die Regeln verletzen und damit noch einmal etwas völlig Neues schaffen. Das ist das absolute Meisterlevel, Techniken zu beherrschen und im richtigen Moment auf sie zu verzichten.
Denn eine Geschichte kann noch so gut sein, sie wird besser, wenn man sie auch gut erzählt.

Was schreibst du sonst so?

Ich habe ein Faible für Kürzestgeschichten aller Art. Vom Genre her bin ich nicht festgelegt, Science-Fiction und Fantasy wechseln sich mit Humorvollem und Liebesschnulzen ab, manchmal vermischt sich auch alles ineinander. Ich experimentiere auch gern mit den unterschiedlichsten Techniken und Motiven, verfasse Drabbles und Nonsense-Texte, Parodien und Texte, die die Realität verdrehen … der gemeinsame Nenner könnte vielleicht sein, dass es in meinen Texten meistens nicht so kommt, wie man es zuvor erwartet hat.

Woran arbeitest du aktuell?

Ich konzentriere mich derzeit vor allem auf die Fertigstellung einer Anthologie, die unter dem Titel #Projekt24 auf meinem Blog zum Teil schon vorveröffentlicht wurde. Es geht darin um Geschichten rund um das Motiv „Dinner for Two“. An der Anthologie sind neben mir 23 andere Autorinnen und Autoren beteiligt, darunter feste Größen der Indie-Szene genauso wie bisher unbekannte Schreiberlinge. Die Texte sind trotz der engen Vorgabe erstaunlich vielfältig, alle Arten von Genres sind vertreten, Humorvoll bis traurig, phantastisch bis realistisch. Als Erscheinungstermin peilen wir noch dieses Jahr an, ein genaues Datum steht leider noch nicht.

Daneben gilt meine ganze Aufmerksamkeit meinem Kurzgeschichten-Blog, dem Tintenfleck, auf dem ich nach einer langen Pause jetzt wieder wöchentlich einen neuen Text veröffentliche.

Was ist für dich die Motivation dahinter, Geschichten einfach so, kostenfrei auf deinem Blog zu veröffentlichen? Und für wen sind sie gedacht?

Der „Tintenfleck“ ist meine kleine „Experimentierkammer“ – es gibt dort keine Gatekeeper, keine Verleger, die mir dreinreden und auch keine Verkaufszahlen, die mich beeinflussen würden. Ich muss kein Geld verdienen und das ist auch gut so. Denn dadurch eröffnet sich mir auf dem Blog eine Freiheit, die ich sonst nicht habe. Texte auf dem Tintenfleck sind manchmal etwas grenzwertig, manchmal so richtig „blöd“, arbeiten mit doppelten Böden, mit (un)fairen Tricks, führen Leser an der Nase herum, wagen stets drei Experimente auf einmal und sind alles andere als konventionell. Das sind oft Dinge, die in langen Romanen, aber auch in Kurzgeschichten-Anthologien einfach nicht gehen, weil sie zu sehr herausstechen, zu sehr für sich alleine stehen und sich nicht in ein großes Ganzes einfügen würden.
Das heißt aber nicht, dass ich dort einfach die Sau rauslasse, im Gegenteil: An manchen Texten auf dem Blog arbeite ich teilweise mehrere Wochen und absolut jeder Text wird professionell lektoriert, ehe er online geht.

Für wen die Texte gedacht sind: Für Leute, die mehr wollen, als immer nur dieselben Geschichten lesen. Die Freude an anspruchsvollen Texten, unerwarteten Wendungen, feinsinnigem Humor, Anspielungen auf die Populärkultur und literarischen Experimenten haben. Von der Schnulze über einen heiteren Blick auf den Alltag bis hin zur Game-of-Thrones-Parodie ist alles dabei.
Die meisten Texte sind inspiriert von Themen, die mich auch selbst beschäftigen – und so manche Hauptfigur ist selbst ein Schriftsteller, der versucht, eine Deadline einzuhalten, eine Autorin, die mit ihrer Muse hadert oder immer im falschen Moment Ideen hat … Viele Autorinnen und Autoren mögen sich da wiedererkennen und tatsächlich gehören auch einige Mitglieder der schreibenden Zunft zu meinen Stammlesern.

Was darf für dich beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Das kann ich pauschal gar nicht sagen. Ich schreibe meistens dort, wo es mich überkommt. Stift und Papier oder einen Computer brauche ich immer, aber sonst? Meine Ruhe vielleicht, dass mich keiner stört …

Welche Bücher liest du selbst gerne?

Ich lese querbeet alles. Alte Klassiker, moderne Phantastik, antike Geschichtsschreiber, kitschig-romantische Texte von heute … ich kann und mag mich nicht festlegen. Zu Autoren, die ich schätze, gehören Tolkien, Rowling, Martin, Wolf Haas, Jonathan Stroud, E.T.A. Hoffmann, Ovid, Boccaccio und viele viele mehr.

Was war das letzte Buch, das dich wirklich fasziniert hat?

Das ist eine wirklich schwierige Frage … passend zum gerade erscheinenden „Gruselmeer“ wäre das vielleicht die „Lockwood“-Reihe von Jonathan Stroud. Die Reihe spielt in einem alternativen England vor dem Beginn der Digitalisierung, das von dem „Problem“ in Atem gehalten wird: Die Toten, egal ob der letzten Jahre oder der letzten Jahrhunderte, kehren in Massen als Geister zurück. In gefühlt jedem zweiten Haus spukt es und die Berührung eines Geistes kann von der einfachen Verbrennung über irreversible Schäden bis hin zum Tod alles als Folge haben. Erwachsene können die Geister nicht sehen, nur Kinder – und so bildet man im ganzen Land junge Geisterjäger aus, die des nachts, bewaffnet mit Degen und Salzbomben (Geister mögen kein Metall und kein Salz) ausziehen, um den Toten wieder die letzte Ruhe zu geben.
Was mich hier vor allem fasziniert, ist das Bild, das Stroud von dieser Gesellschaft zeichnet. Er beschränkt sich nicht auf das Erzählen grusliger Geisterjagden, sondern gleichzeitig wird die Geschichte zur Gesellschaftsstudie: Geisterjagd ist ein lukratives Geschäft, Agenturen vermitteln Geisteraustreibungen, die meisten Agenturen werden von Erwachsenen geführt, die ohne mit der Wimper zu zucken Kinder jede Nacht in Gefahren (und manchmal den sicheren Tod) schicken.
Strouds Protagonisten sind aber die Kinder selbst – und während er spannende und gruslige Schauplätze malt, bedient er sich nicht nur vieler klassischer Erzähltechniken, die wir aus alten Gruselfilmen und Comics kennen (Geräusche, unerklärbare Kälte, besondere Gimmicks bei starken Geistern wie ein abgetrennter Kopf, Formwandler und und und), sondern Stroud durchbricht seine eigene Schaueratmosphäre immer wieder mit viel (schwarzem) Humor, bringt lustige Tollpatschigkeiten, herrliches Gezanke und macht klar, dass das eben Kinder sind, die Geister jagen – und verstärkt damit die Gefahr und den Grusel erst recht, denn erst durch den Humor wird die Düsternis noch viel düsterer.

Für mich ist er momentan einer der faszinierendsten und besten Fantasy-Autoren.

Wo findet man dich im Netz?

Mein Kurzgeschichten-Blog: http://tintenfleck.wordpress.com
Twitter: https://twitter.com/tintenfleckblog
Facebook: https://www.facebook.com/tintenfleck.blog/

Die Gruselmeer Autoren #1: Katherina Ushachov

Veröffentlicht am von 0 Kommentare

Hallo ihr lieben,

wie bereits angekündigt, wird am 20.10.2017 unser Gruselmeer erscheinen. Ein hübsches Büchlein mit Geschichten der Schreibmeer-Autoren. Hierfür habe ich mit den Autoren der Anthologie kleine Interviews gemacht, um sie und ihre Geschichten vorzustellen.

Anfangen möchte ich heute mit Katherina Ushachov.

Autorenvita:  Ich bin Katherina Ushachov, online besser bekannt als „Evanesca Feuerblut“. Nach meinem Abschluss in „MA Weltliteratur“ lebe und arbeite ich als freie Lektorin im schönen Vorarlberg.

Im Team bin ich als weitere Autorin dabei. Außerdem lektoriere ich einen Teil der Schreibmeerartikel. Mehr oder weniger aktiv spreche ich neben Deutsch noch drei weitere Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Russisch) und pflege ein leider etwas eingerostetes Latein.

Interessentechnisch bin ich sehr weit gefächert – Sprachen, Kulturen, Wissenschaft. So bin ich leidenschaftliche Conlangerin, gehöre also zu den versponnenen Menschen, die gerne Sprachen basteln. Nicht weil es sich mit dem Aufkommen des „Herr der Ringe“-Hypes in den Nulljahren so gehört, sondern aus Leidenschaft und ganz von alleine.

Ich behaupte von mir jetzt außerdem einfach mal, dass ich mich relativ gut mit Vampiren auskenne, sofern es sich nicht um die romantische Unterart handelt, die glitzert und/oder Schulmädchen verführt. Aber ich kann Vorträge über die verschwimmenden Gendergrenzen in Anne Rice „Vampirchroniken“ aus dem Stegreif halten. Oder erklären, wieso „Dracula“ als es erschien ein sehr versautes Buch gewesen ist.

Romantik an sich ist generell nicht so mein Ding – aber ich kenne mich dafür relativ gut im Fantasy-Segment abseits der ausgetretenen Pfade aus, befasse mich aktiv mit Worldbuilding und lese fast mehr Indie- und Kleinverlagsbücher als welche der „Großen“.

Erzähl mal Katherina, worum geht es in deiner Geschichte „Ein Traum“?

Das ist schwer, ohne zu spoilern. Es geht um einen Menschen, der immer wieder träumt – und in diesen Träumen eine Begegnung hat. Und obwohl diese Begegnung nicht besonders angenehm ist, entfaltet sie einen Sog, dem sich der Mensch nicht entziehen kann.

Wie bist du auf die Idee für deine #Gruselmeer-Kurzgeschichte gekommen?

Das ist so banal, das kann ich fast nicht erzählen … Es gibt auf Facebook viele dieser „lustigen“ Seiten wie „Faktastisch“, „Made my day“ oder „Das ist schmutzig, falsch und moralisch höchst verwerflich. Bin dabei.“ Es ist keine dieser Seiten, aber eine sehr ähnliche, für Freunde des gepflegten Grusels, auf der mir die perfekte Prämisse für eine Gruselgeschichte untergekommen ist.

Verrätst du uns den ersten Satz deines Textes?

„Unser Gehirn ist nicht in der Lage, sich Gesichter auszudenken.“

Was machst du beim Schreibmeer normalerweise?

Wenn ich nicht gerade selbst Artikel schreibe, lektoriere ich die Artikel meiner Teamkolleg*innen.

Was schreibst du sonst so?

Ich habe zwei Großbaustellen beziehungsweise zwei Genres, zu denen ich immer wieder zurückkehre:
Historische Vampirfantasy mit queeren Protas und ohne Romance im Hauptplot. Und Dystopien.
Das hat sich irgendwie von selbst ergeben und ich weiß bis heute nicht, wieso eigentlich. Aber die meisten meiner Vampire gehören zum LGBTA-Spektrum. Dahinter lag keine Absicht, ich schrieb sie schon queer, als ich noch keine Ahnung hatte, wie viele Orientierungen überhaupt existieren. Inzwischen sehe ich mich als politische und auch feministische Autorin – und hoffe, dass dadurch, dass ich queere Wesen einfach einbaue, statt ein Riesengewese darum zu machen, etwas an der Wirklichkeit zu ändern. Worte sind mächtig.
Zur Dystopie bin ich dagegen sehr bewusst gekommen – ich war ein Teenager und habe das Entstehen einer Neonazibewegung in Ländern des ehemaligen Ostblocks mitverfolgt. Parallel dazu beobachtet, was die USA unter Bush mit der Welt anstellt. Also schrieb ich den ersten Roman meines Lebens unter dem Motto „Nie wieder Auschwitz“. Seither kann ich mich von der Dystopie nicht so recht lösen. Dystopische Plotbunnys laufen mir immer dann zu, wenn etwas in der Welt besonders im Argen ist. Gerade drängt ein anderes geopolitisches Thema darauf, in einem Roman verarbeitet zu werden – das mache ich im Oktober.
Ich schreibe aber auch Kurzgeschichten in diversen Genres und tüftle seit Jahren an einer Arcanepunk-Welt herum.

Woran arbeitest du aktuell?

Ich nutze den September, um den letzten Band meiner ersten Vampirromanreihe endlich zu überarbeiten.
Im Oktober möchte ich die in der vorigen Antwort erwähnte Dystopie schreiben und im November ist der NaNoWriMo und somit Zeit für #7Leben Band 3.
Darauf muss ich mich allerdings noch vorbereiten, indem ich recherchiere und zumindest grob plane, was eigentlich passieren soll.

Du hast einen ganz schön engen Zeitplan. Wie schaffst du es, jeden Monat ein neues Projekt zu bearbeiten?

Ich muss :D. Klingt vermutlich bescheuert, aber wenn ich einen Zeitplan halte, dann reicht das fast immer aus, um ihn auch einzuhalten. In der Hinsicht bin ich sehr diszipliniert. Wobei ich nicht jeden Monat ein neues Projekt anfange, ich möchte nur innerhalb eines Monats eins fertig haben.
Aber an den Monaten, die ich nicht zum Schreiben vorsehe, überarbeite ich und das kann auch mal länger dauern.

Was darf für dich beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Ich bin sehr anspruchslos. Klar, am liebsten schreibe ich in meinem bequemen Chefsessel, vor zwei Bildschirmen, in meinem tollen Schreibprogramm und mit einem Glas Wasser neben mir.
Aber: Ich kann praktisch überall schreiben und unter jeder Bedingung. Meine NaNoWriMos habe ich eigentlich nur so gut gewonnen, weil ich mir angewöhnt habe, mich von Umständen nicht beeinflussen zu lassen.
Ich schreibe auf Tempotaschentücher. Über OneDrive und Onlineword. In einem Online-Wörterzähler. In One-Note. Auf Handys mit T9.
Was nicht fehlen darf, wären somit vermutlich meine Hände 😀

Welche Bücher liest du selbst gerne?

Ich glaube, es ist einfacher zu definieren, was ich nicht gerne lese und das ist alles, wo Romance den Hauptplot stellt – oder der romantische Subplot zu sehr in den Vordergrund drängt. Geschichten mit viel Herzschmerz und „Kriegt sie/er ihn/sie oder nicht?“ interessieren mich einfach nicht besonders – ich kann mich leichter in einen dreiköpfigen Assassinen vom Planeten Morsmordre hineinversetzen, als in eine verliebte Teenagerin.
Das gleiche Problem habe ich mit auf Erotik ausgerichteten Plots, in denen es darum geht, wer, mit wem und auf welche Weise.
Das soll keine Herabwürdigung dieser Romane sein, ich bin mir sicher, es gibt handwerklich großartige Liebesromane und hervorragende erotische Literatur. Aber ich bin nicht deren Zielgruppe.
Dafür tummeln sich neben Fantasy in vielen Spielarten, Science-Fiction und so manchem historischen Roman ziemlich viele Sachbücher zu allen möglichen Themen in meinem Regal. Ich habe ein riesiges Lexikon der Geheimbünde, ein Buch über russische Zarinnen und eins mit Aufsätzen über das Attentat in der Menschheitsgeschichte. Es gibt Sachbücher, für die würde ich mir vermutlich einen Fuß abhacken lassen, um sie in die Finger zu kriegen.

Das klingt für mich so, als sei dir ein fundiertes Hintergrundwissen für deine Geschichten sehr wichtig. Wie sehr dürfen, deiner Meinung nach, Fantasyelemente die Realität beugen?

So wenig wie möglich. Innerhalb der Welt muss es in sich schlüssig sein – wenn es fliegende Schweine gibt, dann bitte keine dicken rosa Grunztiere mit Puttenflügeln. Da soll dann bitte solide recherchiert werden, wie so ein fliegendes Schwein am Plausibelsten aufgebaut wäre. Wo hat es Muskelansätze? Wo kann es durch Lufteinlagerungen Gewicht sparen? Kann es wirklich fliegen oder nur flattern wie ein Huhn?
Ich besitze beispielsweise zwei Grundlagenwerke zur Astrophysik, um meine Fantasyelemente wissenschaftlich zu unterfüttern. Außerdem habe ich früher viele populärwissenschaftliche Zeitschriften verschlungen. Eins meiner Bücherregale ist zu 70% mit Sekundärliteratur gefüllt, weil mir Fakten und Hintergründe wichtig sind. Fantasy ist nicht die Lizenz zum Unlogischsein.

Wo findet man dich im Netz?

Ich bin im Netz recht umtriebig, auch wenn ich je nach Portal unterschiedlich aktiv bin. Hier erstmal die üblichen Verdächtigen:

Website:  https://feuerblut.com/

Twitter:  https://twitter.com/evanesca

Instagram:  https://www.instagram.com/evanesca_feuerblut/

Facebook: https://www.facebook.com/katherina.ushachov.autorin

Außerdem betreibe ich ein Forum für Autor*innen (das http://www.antikreatief.de/ ), bin selbst Mitglied in mehreren hervorragenden Schreibforen (besonders hervorheben möchte ich hier den Tintenzirkel), gehöre zu den Autorinnen der Märchenspinnerei (http://maerchenspinner.layeredmind.de/) und zu den Nornen im Nornennetz (http://nornennetz.aeom.de/).

#Gruselmeer

Veröffentlicht am von 0 Kommentare

Hallo ihr lieben,

jetzt ist es so weit, ich darf offiziell verkünden, was es mit dem #Gruselmeer auf sich hat. Am 20.10.2017 erscheint die zweite Anthologie der Schreibmeer-Autoren. Ihr könnt es euch anhand des Titels und des Erscheinungszeitraumes wohl schon denken … es wird gruselig. In unseren Kurzgeschichten entführen wir euch an magische, unheilvolle und auch grausige Orte. Taucht mit uns ein in die finstersten Ecken des Schreibmeers.

Ich bin auch mit meiner Kurzgeschichte „Das Amulett von Whitby“ vertreten. Worum es genau geht wird noch nicht verraten. Hier ein winzig kleiner Ausschnitt:

Mein Tag auf der 1. internationalen Autorenmesse in Frankfurt

Veröffentlicht am von 7 Kommentare

Header

Die erste internationale Autorenmesse ist vorbei. Mein Fazit? Nicht viel Neues gelernt, dafür viele coole Leute getroffen. Aber fangen wir von vorne an …

Die Autorenmesse fand im Hörsaalkomplex der Uni Frankfurt statt. Verteilt auf gut zwei Stockwerke, präsentierten eine Hand voll Aussteller ein paar Flyer, wenige Bücher und irgendwelches Marketingzeugs, mit dem ich nicht viel anfangen konnte. Nach 10 Minuten hatte ich alles gesehen – nicht so spannend. Also auf zu den Seminarräumen, in die Vorträge.

IMG_3384

Mit den Vorträgen, die ich mir ausgesucht hatte, hatte ich anscheinend viel Glück. Von anderen hörte ich häufiger, dass sie aus den Räumen geflüchtet seien, weil die Präsentationen so schlecht waren oder schlichtweg das Thema verfehlten (#FallEtzold).

Als erstes war ich bei Jurenka Jurk von www.schreibfluss.com. Sie gab den Zuhörern einen Überblick über sämtliche Tools, die man so zum Schreiben verwenden kann. Angefangen bei den Schreibtypen („Bauchschreiber vs. Kopfschreiber“), über den Aufbau eines Romans am Beispiel der Heldenreise, bis hin zu Tipps beim Überarbeiten. Nichts, was man nicht schon irgendwo gelesen hätte, wenn man sich mit dem Thema Schreiben bereits beschäftigt hat. Dennoch war es ein guter Vortrag. Die Darstellung der Spannungskurve in Form einer „Dramamaus“ wird mir im Gedächtnis bleiben.

Im Vortrag von Caroline Funke zum Thema „Digitales Publizieren im Verlag“ habe ich mich erstmal gefreut, Axel Hollmann von den Schreibdilettanten wiederzutreffen, dem ich bereits auf der Frankfurter Buchmesse begegnet bin. In dem Vortrag habe ich dann genau das erfahren, was ich mir erwartet habe: Wie läuft das bei Forever und Midnight mit dem Publizieren? Das könnte für mein nächstes Projekt nach den Trollen eventuell interessant werden. Besonders begeistert war ich von den schnellen Antwortzeiten. Während man bei großen Verlagen häufig monatelang auf eine Rückmeldung wartet, meinte Caroline Funke, dass sie sich bemühen würden, innerhalb von zwei Wochen zu antworten.

IMG_3369

Bereits nach der zweiten Vortragsrunde liefen die Twitteraccounts heiß. Die ersten waren aus Vorträgen geflohen, oder beschwerten sich darüber, dass das Thema verfehlt wurde. Gesprächsthema Nummer 1: Herr Etzold, der in seiner Veranstaltung zum Storytelling angeblich von seiner Hochzeit berichtete und anschließend aus seinem Buch vorlesen wollte. Daraufhin verließ ein Teil der Besucher den Raum.

Nach einer Portion Gnocci, für die ich gut 30min anstand, die zur einen Hälfte knallheiß und zur anderen Hälfte eiskalt war, kam ich dann viel zu spät in den Vortrag von Tanja Steinlechner vom Schreibhain. Die Veranstaltung war mir zuvor von Juliana Fabula empfohlen worden. Auf der Buchmesse sei sie sehr gut gewesen. Als ich eintraf befand sich die Dozentin gerade in einer Diskussion mit einem der Zuhörer. Er berichtete über seine Probleme beim Schreiben, fragte dann nach Methoden zum plotten. Mein Gedanke: „Na toll, wieder nix Neues.“ Ich spielte schon mit dem Gedanken, wieder zu gehen, als die Vortragende geschickt zum eigentlichen Thema überlenkte. Sie gab Tipps zum Umgang mit dem inneren Kritiker (über den ich hier auch schon geschrieben habe), den man während dem Schreiben gerne verbannen darf, der beim Überarbeiten aber ein wichtiger Weggefährte ist. Besonders unterhaltsam fand ich die Überschrift: „Autoren leben Polygam: Das Schreiben, der andere Partner“. Sie rief dazu auf, dem Schreiben genügend Raum zu geben, denn schreiben braucht Zeit. Alles andere mache sonst mit der Zeit unglücklich.

IMG_3375

Mein persönliches – etwas schräges – Highlight der Vortragsreihe war dann die Veranstaltung „Wer hat Angst vorm weißen Blatt“ von Gabriele Borgmann. Die ersten Minuten verbrachte ich damit, mir das Augenrollen zu verkneifen. Nachdem sie ersteinmal Werbung für ihr Buch ausgeteilt hatte, klangen die ersten Sätze der Vortragenden auswendig gelernt und waren mit „weisen“ Zitaten gespickt (Waaaah! Hilfe!). Dann ging es um Schreibtipps in Form eines Cocktails mit #Sprudelperlen (das Augenrollen zu unterdrücken war jetzt eine echte Kraftanstrengung). Dann die praktischen Tipps:
Das Datum „4.12.2016“ aufschreiben, das sei in einem halben Jahr. Damit versprachen wir uns, bis dahin unseren Roman fertig zu bekommen.
Den Anfang schreiben (einfach anfangen, später verändern).
Als nächstes, Pre-writing. Ich weiß nicht mehr, wie sie es einleitete, aber wir sollten uns überlegen, was wir den Menschen mit unserem Text mitteilen wollen – 10min schreiben (meine Augen rollten sich jetzt von ganz alleine, ich war machtlos). Ich machte die Übung mit, mit dem Gedanken, wenigstens darüber bloggen zu können. Dann kam die Wende: Ich schrieb und schrieb und schrieb und nach 10 min hatte ich eines der größten Probleme für mein Projekt nach den Trollen gelöst. Eine Frage über die ich seit einigen Wochen nachdenke, einfach so, in 10 min in Luft aufgelöst. Ich war happy und an Augenrollen war nicht mehr zu denken.
Ich weiß nicht, ob es an meiner veränderten Stimmung oder tatsächlich an den Inhalten lag, aber den Rest der Veranstaltung fand ich eigentlich echt gut. Sie gab noch ein paar Hinweise zur Verwendung von Adjektiven und Adverben und ermunterte uns, überraschende Wörter zu verwenden. Außerdem sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf den letzten Satz legen, denn der letzte Eindruck sei oft der, der bleibt.

Danach hatte ich genug von den Veranstaltungen. Ich hatte mein persönliches Highlight gefunden. Zusammen mit ein paar Schreibnächtlern saß ich ein wenig auf der Terrasse und schnupperte dann noch kurz beim Buchcontest rein, wo mich besonders Detlef Plaisier und Fabian Freigeist mit ihren Lesungen beeindruckten.

Es war Zeit für den Aufbruch, schließlich wollte ich am Abend noch zum Treffen der Schreibnacht und vorher kurz in die Jugendherberge, mein Handy wieder aufladen. Der Abend im Lokal „Das Leben ist schön“ war ein perfekter Ausklang für den Tag. Es wurde über den neuesten Plagiatsfall diskutiert, übers Schreiben gefachsimpelt und es gab richtig gutes Essen. Was will man mehr?

Auf meinem Heimweg über den Eisernen Steg entstanden noch ein paar Fotos von Frankfurt bei Nacht. Dann fiel ich totmüde ins Bett.

IMG_3388

Werde ich nochmal zur Autorenmesse nach Frankfurt fahren? Ich weiß es nicht. Das Programm war hauptsächlich auf Menschen ausgelegt, die sich noch nicht ausführlich mit dem Schreiben beschäftigt haben- lohnt sich also nicht, wenn man bereits seit ein paar Jahren dabei ist. Was daran nun international gewesen sein soll, frage ich mich auch. Die Leute zu treffen war cool, aber so kommunikativ wie auf den großen Buchmessen war es nicht. Sollte das Konzept so bestehen bleiben, wird die Messe in Zukunft also wahrscheinlich ohne mich stattfinden. Ich komme dann zur „Afterparty“ vorbei 😉

Mein persönliches Lieblingsfoto entstand dann Sonntagmorgen auf dem Weg zur U-Bahn. Die Hochhäuser in den Wolken:

IMG_3395

Liebe Grüße,
Sabi