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Mein Tag auf der 1. internationalen Autorenmesse in Frankfurt

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Die erste internationale Autorenmesse ist vorbei. Mein Fazit? Nicht viel Neues gelernt, dafür viele coole Leute getroffen. Aber fangen wir von vorne an …

Die Autorenmesse fand im Hörsaalkomplex der Uni Frankfurt statt. Verteilt auf gut zwei Stockwerke, präsentierten eine Hand voll Aussteller ein paar Flyer, wenige Bücher und irgendwelches Marketingzeugs, mit dem ich nicht viel anfangen konnte. Nach 10 Minuten hatte ich alles gesehen – nicht so spannend. Also auf zu den Seminarräumen, in die Vorträge.

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Mit den Vorträgen, die ich mir ausgesucht hatte, hatte ich anscheinend viel Glück. Von anderen hörte ich häufiger, dass sie aus den Räumen geflüchtet seien, weil die Präsentationen so schlecht waren oder schlichtweg das Thema verfehlten (#FallEtzold).

Als erstes war ich bei Jurenka Jurk von www.schreibfluss.com. Sie gab den Zuhörern einen Überblick über sämtliche Tools, die man so zum Schreiben verwenden kann. Angefangen bei den Schreibtypen („Bauchschreiber vs. Kopfschreiber“), über den Aufbau eines Romans am Beispiel der Heldenreise, bis hin zu Tipps beim Überarbeiten. Nichts, was man nicht schon irgendwo gelesen hätte, wenn man sich mit dem Thema Schreiben bereits beschäftigt hat. Dennoch war es ein guter Vortrag. Die Darstellung der Spannungskurve in Form einer „Dramamaus“ wird mir im Gedächtnis bleiben.

Im Vortrag von Caroline Funke zum Thema „Digitales Publizieren im Verlag“ habe ich mich erstmal gefreut, Axel Hollmann von den Schreibdilettanten wiederzutreffen, dem ich bereits auf der Frankfurter Buchmesse begegnet bin. In dem Vortrag habe ich dann genau das erfahren, was ich mir erwartet habe: Wie läuft das bei Forever und Midnight mit dem Publizieren? Das könnte für mein nächstes Projekt nach den Trollen eventuell interessant werden. Besonders begeistert war ich von den schnellen Antwortzeiten. Während man bei großen Verlagen häufig monatelang auf eine Rückmeldung wartet, meinte Caroline Funke, dass sie sich bemühen würden, innerhalb von zwei Wochen zu antworten.

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Bereits nach der zweiten Vortragsrunde liefen die Twitteraccounts heiß. Die ersten waren aus Vorträgen geflohen, oder beschwerten sich darüber, dass das Thema verfehlt wurde. Gesprächsthema Nummer 1: Herr Etzold, der in seiner Veranstaltung zum Storytelling angeblich von seiner Hochzeit berichtete und anschließend aus seinem Buch vorlesen wollte. Daraufhin verließ ein Teil der Besucher den Raum.

Nach einer Portion Gnocci, für die ich gut 30min anstand, die zur einen Hälfte knallheiß und zur anderen Hälfte eiskalt war, kam ich dann viel zu spät in den Vortrag von Tanja Steinlechner vom Schreibhain. Die Veranstaltung war mir zuvor von Juliana Fabula empfohlen worden. Auf der Buchmesse sei sie sehr gut gewesen. Als ich eintraf befand sich die Dozentin gerade in einer Diskussion mit einem der Zuhörer. Er berichtete über seine Probleme beim Schreiben, fragte dann nach Methoden zum plotten. Mein Gedanke: „Na toll, wieder nix Neues.“ Ich spielte schon mit dem Gedanken, wieder zu gehen, als die Vortragende geschickt zum eigentlichen Thema überlenkte. Sie gab Tipps zum Umgang mit dem inneren Kritiker (über den ich hier auch schon geschrieben habe), den man während dem Schreiben gerne verbannen darf, der beim Überarbeiten aber ein wichtiger Weggefährte ist. Besonders unterhaltsam fand ich die Überschrift: „Autoren leben Polygam: Das Schreiben, der andere Partner“. Sie rief dazu auf, dem Schreiben genügend Raum zu geben, denn schreiben braucht Zeit. Alles andere mache sonst mit der Zeit unglücklich.

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Mein persönliches – etwas schräges – Highlight der Vortragsreihe war dann die Veranstaltung „Wer hat Angst vorm weißen Blatt“ von Gabriele Borgmann. Die ersten Minuten verbrachte ich damit, mir das Augenrollen zu verkneifen. Nachdem sie ersteinmal Werbung für ihr Buch ausgeteilt hatte, klangen die ersten Sätze der Vortragenden auswendig gelernt und waren mit „weisen“ Zitaten gespickt (Waaaah! Hilfe!). Dann ging es um Schreibtipps in Form eines Cocktails mit #Sprudelperlen (das Augenrollen zu unterdrücken war jetzt eine echte Kraftanstrengung). Dann die praktischen Tipps:
Das Datum „4.12.2016“ aufschreiben, das sei in einem halben Jahr. Damit versprachen wir uns, bis dahin unseren Roman fertig zu bekommen.
Den Anfang schreiben (einfach anfangen, später verändern).
Als nächstes, Pre-writing. Ich weiß nicht mehr, wie sie es einleitete, aber wir sollten uns überlegen, was wir den Menschen mit unserem Text mitteilen wollen – 10min schreiben (meine Augen rollten sich jetzt von ganz alleine, ich war machtlos). Ich machte die Übung mit, mit dem Gedanken, wenigstens darüber bloggen zu können. Dann kam die Wende: Ich schrieb und schrieb und schrieb und nach 10 min hatte ich eines der größten Probleme für mein Projekt nach den Trollen gelöst. Eine Frage über die ich seit einigen Wochen nachdenke, einfach so, in 10 min in Luft aufgelöst. Ich war happy und an Augenrollen war nicht mehr zu denken.
Ich weiß nicht, ob es an meiner veränderten Stimmung oder tatsächlich an den Inhalten lag, aber den Rest der Veranstaltung fand ich eigentlich echt gut. Sie gab noch ein paar Hinweise zur Verwendung von Adjektiven und Adverben und ermunterte uns, überraschende Wörter zu verwenden. Außerdem sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf den letzten Satz legen, denn der letzte Eindruck sei oft der, der bleibt.

Danach hatte ich genug von den Veranstaltungen. Ich hatte mein persönliches Highlight gefunden. Zusammen mit ein paar Schreibnächtlern saß ich ein wenig auf der Terrasse und schnupperte dann noch kurz beim Buchcontest rein, wo mich besonders Detlef Plaisier und Fabian Freigeist mit ihren Lesungen beeindruckten.

Es war Zeit für den Aufbruch, schließlich wollte ich am Abend noch zum Treffen der Schreibnacht und vorher kurz in die Jugendherberge, mein Handy wieder aufladen. Der Abend im Lokal „Das Leben ist schön“ war ein perfekter Ausklang für den Tag. Es wurde über den neuesten Plagiatsfall diskutiert, übers Schreiben gefachsimpelt und es gab richtig gutes Essen. Was will man mehr?

Auf meinem Heimweg über den Eisernen Steg entstanden noch ein paar Fotos von Frankfurt bei Nacht. Dann fiel ich totmüde ins Bett.

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Werde ich nochmal zur Autorenmesse nach Frankfurt fahren? Ich weiß es nicht. Das Programm war hauptsächlich auf Menschen ausgelegt, die sich noch nicht ausführlich mit dem Schreiben beschäftigt haben- lohnt sich also nicht, wenn man bereits seit ein paar Jahren dabei ist. Was daran nun international gewesen sein soll, frage ich mich auch. Die Leute zu treffen war cool, aber so kommunikativ wie auf den großen Buchmessen war es nicht. Sollte das Konzept so bestehen bleiben, wird die Messe in Zukunft also wahrscheinlich ohne mich stattfinden. Ich komme dann zur „Afterparty“ vorbei 😉

Mein persönliches Lieblingsfoto entstand dann Sonntagmorgen auf dem Weg zur U-Bahn. Die Hochhäuser in den Wolken:

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Liebe Grüße,
Sabi