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Schreibkick #52: Sanfte Frühlingslüftchen und eisige Winde

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Hallo ihr lieben,

es ist wieder so weit: Schreibkick-Zeit! Den letzten habe ich verpasst, aber ich habe es zeitlich einfach nicht geschafft obwohl ich schon eine Idee hatte.

Dafür wünsche ich euch jetzt aber viel Spaß beim aktuellen Schreibkick. Danke Eva für das Thema!

Ach ja: Frohe Ostern euch allen!!!

Sanfte Frühlingslüftchen und eisige Winde

Ich lief über die kantigen Klippen der Insel, darauf bedacht, nicht an einer der scharfen Spitzen hängenzubleiben. Unter mir donnerte das Meer gegen den Stein. Hin und wieder benetzten zarte Tropfen der Gischt mein Gesicht und meine dunkelbraunen, schulterlangen Haare. Ich mochte das Gefühl des frischen Sprühnebels auf meine Haut.
Ich sah mich um, ließ meinen Blick über den Fels, das öde Grasland und das Dorf, welches ich in weiter Ferne nur noch erahnen kommte, schweifen. Niemand war zu sehen. Ich war ganz alleine.
Erleichtert ließ ich mich auf einem etwas abgerundeten Felsen nieder und zog das bunte Windrad, das meine kleine Schwester einige Wochen zuvor in der Schule gebastelt hatte, aus meinem Umhang. Dann stellte ich es in eine Kerbe im Felsen und befestigte es mit herumliegenden Steinen so, dass es mit der Vorderseite in meine Richtung zeigte. Es begann augenblicklich, sich im leichten Abendwind langsam zu drehen.
»Also gut, dann mal los«, murmelte ich vor mich hin und versuchte, mich zu konzentrieren. Ich spürte den Wind in meinen Haaren, wie er sie sanft umspielte, ganz zart an meinem Umhang, der einen Großteil davon abfing und ließ ihn durch meine leicht geöffneten Finger streichen. Dann führte ich in meiner Vorstellung alles zusammen. Ich hätte niemandem erklären können, was ich da tat und wie es funktionierte. Ich machte es einfach. Es war, als würde sich der Wind in meinem Körper verfangen, wie in einem Netz und als könnte ich den gesammelten Wind dann zielgerichtet wieder ausströmen lassen.
Ich richtete meine Hände auf das Windrad und konzentrierte mich darauf. Der Wind strömte langsam, aber immer sicherer durch meine Handflächen. Er fühlte sich kühler an, als die mich umgebende Luft. Fast eisig, doch es tat nicht weh.
Das Windrad drehte sich schneller und immer schneller, je besser ich die Windenergie kanalisieren konnte. Ich lächelte in mich hinein. So leicht war es mir noch nie gelungen. Ich versuchte, die Strömung weiter zu verstärken, doch das Rad drehte sich nur rückartig schneller, wenn es mir gelang, einzelne, stärkere Böen auszustoßen. Auf einmal traf mich eine warme, sommerliche Bö am Hinterkopf. Erschrocken hielt ich inne und ließ meine Hände sinken. Sofort wurde das Windrad vor mir langsamer. Ein solch warmer Wind passte nicht hierher. Ich wirbelte herum. Wenige Meter hinter mir stand ein blonder Junge mit Sommersprossen auf den Wangen und grinste mich an. Er musste ungefähr in einem Alter sein: Zehn oder elf.
»Du kannst es also auch«, stellte er fest.
Ich runzelte die Stirn. »Was meinst du?«
Bisher hatte ich niemandem von meinen neuen Fertigkeiten erzählt.
»Das mit dem Wind«, sagte er, als wäre es etwas ganz Alltägliches.
Nachdenklich biss ich mit auf die Unterlippe. Ich überlegte, woher ich den Jungen kannte. »Du bist der Sohn vom Bäcker, oder?«
»Ja. Ich heiße Iskar.«
»Und du kannst auch den Wind lenken?«
Die Sache gefiel mit nicht. Bisher war ich die Einzige gewesen, die das konnte. Und das war was Besonderes. Ich hatte etwas nur für mich. Was, wenn nun jeder diese Fähigkeiten entwickeln würde? Außerdem hatte ich nun einen Mitwisser, von dem ich nicht wusste, ob ich ihm trauen konnte. Meine Oma erzähle mir immer wieder Geschichten aus grauer Vorzeit, in der Hexen gejagt und verbannt wurden. Inzwischen gab es angeblich keine Magie mehr in der Welt und ich wollte sicherheitshalber erst richtig gut werden, bevor ich jemandem davon erzählte.
Iskar nickte auf meine Frage hin. »Ich habe es im Winter gemerkt, als in unserem Haus zwar das Feuer im Kamin brannte, ich auf dem Sessel gegenüber aber trotzdem noch fror. Da wünschte ich mir, die warme Luft würde zu mir rüber wehen. Und das tat sie dann auch. Ich dachte zuerst, es sei ein Windstoß gewesen, doch zum Spaß probierte ich es immer weiter aus und es klappte.«
»Hast du irgendwem davon erzählt?« Meine Stimme klang drohender, als ich es beabsichtigt hatte.
Iskar verzog das Gesicht. »Nur meiner Zwillingsschwester, aber die hat mir nicht geglaubt und mich ausgelacht. Sie hielt es für einen meiner Streiche.«
»Gut. Dann sag es auch keinem!«
»Von dir brauche ich mir garnichts sagen zu lassen.«
Da hatte er Recht. Trotzdem machte mich sein freches Grinsen wütend.
»Früher wurden Hexen verbrannt. Ich will nicht auf dem Scheiterhaufen landen.«
Jetzt lachte Iskar. »Ja, früher. Aber hier auf der Insel kennen sich doch alle, also warum sollten sie uns verbrennen. Und selbst wenn wir auf dem Scheiterhaufen landen, dann pusten wir das Feuer eben mit unserer Magie wieder aus, wie eine Kerze.« Er machte ein paar wilde Gesten, die offenbar darstellen sollten, wie er das Feuer mit seiner Windmagie ausblies.
»Du überheblicher Schwachkopf«, platzte es aus mir heraus.
»Angsthase«, schrie er mit grimmigem Gesicht zurück.
Ich starrte ihn ärgerliche an, spürte den Wind, fühlte, wie er sich verfind und sandte ihn dann mit einer schnellen Handbewegung zu Iskar.
Es sah aus, als hätte ihn ein Schlag getroffen, der ihn zu Boden gehen ließ. Er landete auf dem Rücken.
Etwas erschrocken realisierte ich, dass ich ihn eben angegriffen hatte.
Iskar begann zu weinen. Schnell lief ich zu ihm hinüber. Hoffentlich war er nur eine Memme und ich hatte ihn nicht ernsthaft verletzt. Als ich näher kam, hörte ich, dass ich mich getäuscht hatte. Er lag im Gras, kicherte und grinste mich an.
»Na siehst du, so lange du mit mir verbrannt werden sollst, kann uns beiden nichts passieren.«
Ich spürte, wie gegen meinen Willen der Ärger verrauchte und auch ich anfangen musste, zu kichern. Vor mich hin gluckselnd war ich mich neben ihn ins Gras.
Nach einiger Zeit beruhigten wir uns. Er drehte sich zu mir und stützte seinen Kopf auf den Händen ab. Erst jetzt fielen mir seinen schönen grünen Augen auf, die mich interessiert musterten.
»Wie heißt du eigentlich?«, fragte Iskar.
»Marla.«
Er schaute mich noch einen Moment an, dann ließ er sich wieder auf den Rücken ins Gras fallen. »Was denkst du, warum wir das auf einmal können?«
»Ich habe keine Ahnung.«
Iskar biss sich auf die Lippe. »Meinst du, es hat etwas mit dem zu tun, was der Händler bei seinem letzten Besuch erzählt hat?«
»Das mit dem Portal?«
»Ja.«
Ich überlegte. Der Händler, der die Insel regelmäßig mit allem versorgte, das sie nicht selbst anbauen konnten und im Gegenzug jede Menge Fisch mitnahm, hatte erzählt, dass auf dem Festland irgendwo angeblich ein magisches Portal reaktiviert wurde. Bisher schien das aber keine Auswirkungen zu haben.
»Ich weiß es nicht. Oder wir sind Nachfahren von Hexen und es hat uns nur noch keiner erzählt.«
»Und warum können unsere Eltern und Großeltern dann nicht hexen?« Eine berechtigte Frage. Ich zuckte mit den Schultern. »Vielleicht können sie es und wissen es nur nicht?«
Iskar schüttelte den Kopf. »Nein, das glaube ich nicht.«
Eine Weile blickten wir über die Felsen hinweg auf das Meer, dem Horizont entgegen.
»Marla?«
»Ja?«
»Wollen wir es gemeinsam herausfinden?«
Ich dachte kurz nach. »Lass uns erstmal weiter üben. Dann eines Tages vielleicht.«
»Ich habe das Gefühl, irgendwas ändert sich gerade in der Welt. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein.«
»Nein.«
Fragend sah Iskar mich an.
»Ich spüre es auch«, antwortete ich.

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Monika Krampl (in der facebook-Gruppe)
Veronika
Rina P.

Das Thema für den 01.05.2018 ist: Vorfreude auf Sommergenüsse

 

Diesen Monat passt zeitlich und thematisch einfach alles zusammen. Denn heute erscheint (hoffentlich im Laufe des Tages) die Wortstürmer-Anthologie „stürmische Geschichten“. Sowohl mein Beitrag in der Anthologie „Die Windmühle“, als auch dieser Text hier, spielen in derselben Welt, in der (viiiele Jahre nach den Geschehnissen in diesen beiden Kurzgeschichten), meine zukünftige Trilogie spielen soll. Ich hatte das Ganze schonmal als #ProjektSchattendrache angekündigt. Mit den Kurzgeschichten versuche ich gerade, mir einen Überblick über die Welt zu verschaffen und ihre Bewohner, so wie die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse kennenzulernen. Wer also wissen will, was es mit dem Portal zu tun hat, über das Iskar und Marla sprechen, darf sich gerne unsere Anthologie (gratis!) holen. Ich verlinke hier im Laufe des Tages, sobald sie verfügbat ist 🙂

**Edit**
Die Anthologie kommt leider erst in den nächsten Tagen, der Osterhase ist wohl irgendwie dazwischengekommen.

Rosa Plastikschischi im Weihnachtsland

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Hallo ihr lieben,

bei einem Treffen meiner Schreibgruppe haben wir kurze 10-Minuten Texte zu ein paarzufällig ausgewählten Gegenständen geschrieben. Dabei kam bei mir was kleines, weihnachtliches heraus, das ich euch nicht vorenthalten möchte 😀 Viel Spaß!

Rosa Plastikschischi im Weihnachtsland

»Diese dämlichen … blöden … dieses doofe … rosa … künstliche Plastikschischi!« Der Weihnachtsmann rannte genervt durch die Qualitätsprüfungsabteilung seiner Geschenkeproduktion. An seinem Fuß klebten pinke Plastikfetzen.

»Seh ich schlimm aus?«, fragte der kleine Elf, den der Weihnachtsmann behutsam im Arm trug.

»Alles halb so wild«, knurrte er durch die zusammengebissenen Zähne. Er hoffte, dass der Elf die Unsicherheit in seiner Simme nicht erkannte. Sein Gesicht war grün und blau angeschwollen und über seinem rechten Auge befand sich eine üble Platzwunde, die nun eine rote Spur auf dem Boden hinterließ.

»Meinst du, wir bekommen die Schwimminselflamingos rechtzeitig fertig, Chef?«, murmelte der Elf halb bewusstlos. Das Herz des Weihnachtsmannes zog sich zusammen. Wie immer war er ergriffen von der Liebe seiner Elfen zu ihrem Job und zum Weihnachtsfest.

»Bestimmt«, sagte er, obwohl er sich nicht sicher war. Das Problem mit den Nähten in den dünnen Plastikplanen hatten sie immer wieder. Dieses Jahr war gleich der erste Flamingo, den sie getestet hatten, zerrissen. Besser gesagt, explodiert. Der kleine Elf an der Aufpumpmaschine hatte keine Chance gehabt.

Mit ihren umgerüsteten Strandballschweißmaschinen war das Problem wohl kaum in den Griff zu bekommen. Leider konnte er, als Weihnachtsmann, nicht einfach irgendwem einen Wunschzettel schreiben. Sonst hätte er sich längst eine vernünftige Industriemaschine gewünscht.

Wie schön war es gewesen, als Kinder sich nur Puppen, Schaukelpferde und Holzautos gewünscht hatten.

Mittlerweile war er mit dem Elf an der Krankenstation angekommen. Eine rundliche Elfin nahm ihm den kleinen Kerl ab. Mitleidig blickte der Weihnachtsmann dem Elfen nach, als die Krankenschwester mit ihm in einem der kleinen Untersuchungszimmer verschwand. Eines wusste er mit Sicherheit: Das Kind, welches sich als nächstes von ihm einfach nur eine Matrjoschka wünschte, würde für immer reich beschenkt werden. Egal, wie unartig es war.

Schreibkick-Special Weihnachten: Unter dem Weihnachtsbaum (und Nachtrag „Stille Straße“)

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Hallo ihr lieben,

ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und hoffe, ihr habt ein paar entspannte, erholsame Feiertage gemeinsam mit euren Liebsten.
Letzten Monat habe ich hier ganz heimlich eine kleine Pause eingelegt. Wenn auch unfreiwillig. In einem meiner Brotjobs waren wir unterbesetzt, was zeitlich ziemlich stressig war. In dem anderen hatte ich vor Weihnachten noch eine Menge zu erledigen. Ich habe meine letzten Wochen also mit arbeiten, schlafen und essen verbracht. In meiner wenigen Freizeit habe ich Cthulhuabenteuer vorbereitet und geleitet, die schon länger geplant waren, und Gilmore Girls geschaut, wenn mein Kopf weder zum einen oder anderen noch getaugt hat (Netflix sei Dank :D). Entsprechend waren meine Ideen für den Weihnachtsschreibkick sehr geprägt von dunklen Wesen, die in den Wurzeln des Christbaumes leben könnten oder Tannennadeln, die an Heiligabend die glückliche Familie durchbohren (inspiriert durch Cthulhu), sowie Dialoge am Weihnachtstisch in feinem Hause, die nur so gespickt sind von versteckter Kritik und Vorhaltungen (Gilmore Girls). Die Gilmore Girls haben sich wohl in gewisser Weise durchgesetzt … aber lest selbst.
Vorher möchte ich hier aber noch alle Teilnehmer des Schreibkicks vom November verlinken. Das Thema war „Stille Straße“ und es sind wieder wunderbare Beiträge entstanden.
Alice Japa
Frau Vro
Rina P.
Eva
Corly
Nicole
Ich hoffe, ich habe niemanden übersehen, sonst gebt mir doch bitte in den Kommentaren schnell Bescheid 🙂

Wunschwünsche

„Schaff das Ding aus der Wohnung!“, schrie ich, als ich das grüne Monster im Eck unseres Wohnzimmer stehen sah, noch bevor ich meine Tasche und meinen Mantel ablegen konnte. Leon war gerade dabei, große rote Kugeln anzuhängen.
„Aber Susi, du …“
„Nein … ich sagte: Schaff das Ding weg.“
Er legte die Kugel aus der Hand, kam auf mich zu, legte die Arme um mich und küsste mich auf die Stirn. Ich liebte es, wenn er das tat.
„Es ist Weihnachten, Schatz. Und wir feiern so, wie wir es wollen. Gleich morgens am 24.“
„Du Rebell“, knurrte ich, schon etwas versöhnlicher.
„Unsere eigene, kleine Feier, bevor der Stress los geht. Mit Marmorkuchen, starkem Kaffee, jeder Menge Schokolade und Orangensaft.“
Ich spürte, wie mein Ärger gegen meinen Willen verrauchte. „Also gut …“ gab ich nach. „Aber wir erzählen keinem davon.“
„Ist okay.“ Er grinste. „Und jetzt mach deine Wunschliste fertig.“
„Arsch!“, knallte ich ihm an den Kopf, während ich ihm mit meiner Tasche einen Hieb versetzte.
„Dein Vater hat schon drei Mal angerufen. Demnächst schickt er die Weihnachtselfenpolizei.“
Genervt schmiss ich Mantel und Tasche in den Flur und lief in Richtung meines Schreibtischs. „Ich hasse dich“, ließ ich meinem Liebsten noch zwischen Tür und Angel zukommen.
„Ich weiß, ich dich auch“, rief er aus dem Wohnzimmer.

Schneller als erhofft, war mein PC hochgefahren. Ich stand trotzdem noch einmal auf und machte mir einen Tee. Wunschlisten, Weihnachtsbäume, Festessen. Wer brauchte diesen Mist eigentlich?
Während das Wasser im Kocher begann erste kleine Bläschen zu formen, überlegte ich, was ich alles auf meine Liste packen sollte. Ich wünschte mir eine neue Hülle für meinen Kindle. In pink. Aber das konnte nicht drauf. Das letzte Mal, als ich mir eine Handyhülle in pink gewünscht hatte, hatte ich diese zwar bekommen, aber mein Vater hatte mir zusätzlich die Freude gemacht, mich beim Auspacken zu fragen, ob das denn wirklich das richtige für mich wäre, oder ob es nicht langsam Zeit wäre, erwachsen zu werden. Pink kam also nicht in Frage.
Außerdem brauchte ich etwas Günstiges. Mein Cousin Phil und seine Frau waren äußerst sparsam. Mehr als 10 € durfte ein Geschenk nicht kosten.
Mit einer Tasse dampfenden Tees mit dem Namen Kaminfeuer, trottete ich zurück an den Schreibtisch.
Socken, tippte ich in die Suchleiste ein. Ich fand ein paar hübsche mit Schneeflocken darauf, die aber auch erwachsen genug aussahen, um hoffentlich keinen entsprechenden Kommentar meines Vaters zu verursachen.
Nachdenklich trippelte ich mit den Fingern auf der Tastatur herum. Fielen Socken in eine ähnliche Kategorie wie Staubsaugerbeutel? In meiner Verzweiflung hatte ich mir vor drei Jahren Staubsaugerbeutel gewünscht. Praktisch, erwachsen, nicht pink, und U18. Aber die waren für Phil wieder zu praktisch. In diesem Jahr hatte er mir ein selbst gebasteltes Bild aus Blättern geschenkt. „Auf der Liste waren nurnoch Staubsaugerbeutel. Das schien mir nicht richtig passend für einen solchen Anlass.“
Schnell löschte ich die Socken wieder.
Bücher … Bücher wären gut. Die würden auch für Phil passen. Aber ich las am liebsten Thriller. Nicht die blutigen Splatter, sondern die spannenden Psychothriller, in denen der Irre jederzeit im Wohnzimmer stehen und das Licht einschalten konnte, wenn man zur Haustüre rein kam. Die, in denen Intrigen gesponnen und Menschen intelligent gegeneinander ausgespielt wurden. Aber das ging nicht. Denn auch meine Mutter würde von dieser Liste bestellen. „So etwas blutrünstiges will ich einfach nicht schenken. Das ist nichts für unter dem Weihnachtsbaum“, hörte ich sie bereits in meinem Kopf jammern.
Socken, tippte ich erneut ein und packte die mit den Flocken wieder auf die Liste.
Am einfachsten wäre es, einfach jedem separat einen Wunsch zu sagen. Aber das ging nicht. Denn Geschenke sollten eine Überraschung sein (laut Oma Lucinda).
Oder sich Geld zu wünschen. Aber Geld verschenkte man ja nicht (laut so gut wie allen, außer Oma Sophia, die immer Geld verschenkte).
Thriller tippte ich ein, in der Hoffnung, etwas zu finden, das mich in den Augen meiner Mutter nicht wie eine Psychopathin wirken ließ. Aber nachdem ich mich zwanzig Seiten lang durch Cover mit blutroten Lettern, gruseligen Augen und bedrohlichen Titeln gekämpft hatte, gab ich auf. Ich probierte ein wenig mit den Suchbegriffen herum und setzte letztendlich einen englischen Spionageroman auf meine Liste. Im Stil von Sherlock Holmes. Da ging doch so weit alles gesittet zu. Und ich packte noch einen weiteren darauf, falls Onkel Phil mit dem Bestellen schneller sein sollte. Der  zweite Roman klang sogar richtig gut. Falls ich ihn nicht bekommen sollte … oder nein.
Ich nahm ihn wieder runter. Das war genau das richtige für meinen Bruder Johann. Er verabscheute das Internet. Diese online-Wunschlisten fand er doof. Wenn ich ihm den Link zur Liste schicken würde, würde er es vermutlich erst Tage später bemerken und mich dann darum bitten, ihm etwas anderes zu sagen, das nicht auf der Liste stand. Oder er würde Leon bitten, ihm etwas zu empfehlen, das ich mir wünschte. Wenn ihm dieser Wunsch dann nicht passte, würde er trotzdem zähneknirschend etwas von der Liste bestellen und Leon hatte sich umsonst das Hirn zerbrochen. Aber dieses Jahr war ich vorbereitet.
Die Tür unseres Arbeitszimmers öffnete sich einen Spalt breit. „Und? Alle Wunschwünsche erfüllt?“
„Neieiein“, jammerte ich. „Das ist komplizierter als Integralrechnung. Bitte, bitte hilf mir.“
„Hm … ich weiß nicht …“ Er grinste wieder.
„Biiiiiiitteeeeee.“
„Sonst willst du doch immer so viele Dinge haben.“
„Jaaahaaa, aber vor lauter Wunschvorgaben aus unserem schrägen Wunsch-Verhaltenscodex fällt mir nichts mehr ein.“
„Du wolltest einen Brotbackautomaten und unser Spargelschäler ist verrostet. Außerdem hat uns am letzten Racletteabend bei den Nachbarn der Dekantierer so gut gefallen.“
„Oh, oh, du bist gut.“ Ich notierte mir alles auf einem kleinen Post-it. Spargelschäler passte für jeden. Brotackautomat für meine Mutter (Haushalt, praktisch und nicht blutrünstig), Dekantierer für meinen Vater (erwachsen, nicht pink). Dann schob ich Leon einen Post-it mit dem Titel meines gewünschten Spionageromans zu.
Er nickte. „Ich werde es Johann ausrichten.“
„Danke.“
Gefühlte Stunden später hatte ich noch einige andere unverfängliche Haushaltsgegenstände auf die Liste gesetzt, sowie einen Reiseführer für Korsika, wo wir unseren nächsten Sommerurlaub verbringen wollten.
Im Wohnzimmer raschelte es. Ich gähnte und fuhr den PC herunter. Vermutlich packte Leon schon die ersten Geschenke für unsere Verwandtschaft ein.
Ich stand auf und lief hinüber, um ihm zu helfen. In der Tür zum Wohnzimmer blieb ich stehen und wich zurück. Dann spickte ich wieder vorsichtig ums Eck. Leon hatte mich noch nicht bemerkt. Er war gerade dabei, eine übergroßes pinkes Etwas in Einhorn-Geschenkpapier zu hüllen. Auf dem Wohnzimmertisch lagen Bücher. Eines mit einer blutigen Axt und eines mit einem knallroten Motorradhelm darauf.
Der Baum in der Ecke war inzwischen fertig geschmückt. Neben den roten Kugeln hing dort allerlei rosa und pinker Schnickschnack. Ich musste mich bremsen, um vor lauter Freude nicht lauthals zu quietschen. Ich war mir sicher, dass in diesem Moment zwei lavendelfarbene Herzen anstelle der Pupillen in meinen Augen zu sehen waren.
Leon blickte hoch. „Verschwinde!“ rief er, und schmiss mit irgendeinem Packpapier nach mir. Quietschend verschwand ich aus der Tür, welche er hinter mir zuknallte.

Beim Weihnachts-Special waren dabei:
Veronika
Eva
Rina
Corly
Nicole

Am 01.01.2018 gehts dann weiter mit dem Thema „Jahresuhr„.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein frohes Weihnachtsfest mit leckerem Essen, gutem Wein, liebevollen Geschenken und einem zugedrückten Auge für die Macken der lieben Verwandschaft. Genießt die gemeinsame Zeit.

Außerdem natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr <3

Alles liebe,
Sabi

Die Gruselmeer Autoren #2: Florian Waldner

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Weiter geht es heute mit Florian, der uns in seiner Geschichte auf Geisterjagd schickt.

Autorenvita:  Florian Waldner lebt und schreibt im schönen Bregenzerwald. Als Leseratte, Story-Telling-Enthusiast, Wortspieler und Fan von allem, was eine gute Geschichte enthält, lag ein Studium in Germanistik und Latinistik nahe. Neben regelmäßigen Beiträgen über das Schreiben und Kreativtechniken beim Schreibmeer veröffentlicht er Kürzestgeschichten und Gedichte für Zwischendurch auf seinem Blog „Tintenfleck“.

Erzähl mal, Florian,  worum geht es in deiner Geschichte „Das Haus in Athens“?

Das ist schwierig. Ich will ja nicht zu viel verraten, aber auch nicht zu wenig. Im Grunde geht es um zwei „Geisterjäger“ – falls man sie so nennen kann –, die ein Auftrag nach Athens, Pennsylvania, führt. Dort steht ein Haus, in dem die beiden dann … nun, da möchte ich nun eigentlich wirklich nichts mehr verraten.
„Geisterjäger“ sagt doch schon alles, nicht?

Wie bist du auf die Idee für deine #Gruselmeer-Kurzgeschichte gekommen?

Die Geschichte an sich beschäftigt mich schon sehr lange, denn sie hat ein historisches Vorbild. In einem Brief an einen Freund schildert der römische Politiker Gaius Plinius Caecilius Secundus, besser bekannt als Plinius der Jüngere, eine ganz ähnliche Geschichte über ein Haus, das in Athen steht. Die Art und Weise, wie der Philosoph, der in diesem „Gespensterbrief“ das Haus betritt, mit der Situation umgeht, hat mich schon immer fasziniert. Als dann die Idee mit dem #Gruselmeer aufkam, wusste ich schnell, dass ich mich weiter mit der Geschichte von Plinius befassen möchte – aber anstatt sie einfach nachzuerzählen, habe ich sie für mich selbst vollkommen zerlegt und neu zusammengearbeitet. Aus dem alten Athen wird Pennsylvania, aus der Antike das 19. Jahrhundert, aus einem alten Philosophen zwei junge Menschen … es war spannend, zu sehen, wie sich die Geschichte dadurch verändert und was man damit alles machen kann.

Verrätst du uns den ersten Satz deines Textes?

Die Kerzen flackerten, als die Entität des Jenseits nach ihnen griff.

Was machst du beim Schreibmeer normalerweise?

Ich schreibe Artikel, in der Regel über Erzähltechniken, literarische Traditionen und Schreibtheorien, manchmal aber auch „einfache“ Praxistipps. Ist spannender, als es klingt 😉

Dann erzähl uns doch von dem spannenden Part. Was reizt dich an diesen Themen?

Für mich persönlich ist Schreiben mehr als nur das Erzählen einer guten Geschichte. Natürlich braucht man einen hieb- und stichfesten Plot mit überraschenden Wendungen, interessante Charaktere, mit denen man sich identifizieren kann, und nachvollziehbare Konflikte, damit die Handlung für das Publikum verständlich bleibt.
Daneben fasziniert mich aber auch, wie eine gute Geschichte erzählt wird – all die vielen kleinen Tricks und Kniffe, die über die bloße Handlung hinausgehen und die Leserinnen und Leser oft gar nicht bemerken, weil sie völlig unbewusst wirken. Dazu zählen etwa all die vielen kleinen Dinge, die auf Satz- und Wortebene passieren, etwa, dass man Adjektive und Nomen verwendet, die direkt eine gewisse Atmosphäre aufbauen – niemand würde beispielsweise in einer Gruselgeschichte das Wort „süß“ verwenden. Oder dass man Sätze verkürzt, teilweise bis hin zur Auslassung von Subjekten, Objekten und sogar Prädikaten, um so das Lese- und Erzähltempo zu steigern (und damit auch die Spannung). Oder dass man abwechslungsreiche Satzanfänge verwendet.
Oder an der richtigen Stelle Absätze setzt.

Solche kleinen Kniffe und Regeln gibt es hunderte – aber wirklich spannend wird es dann, wenn Autoren sie bewusst nicht einsetzen, bewusst die Regeln verletzen und damit noch einmal etwas völlig Neues schaffen. Das ist das absolute Meisterlevel, Techniken zu beherrschen und im richtigen Moment auf sie zu verzichten.
Denn eine Geschichte kann noch so gut sein, sie wird besser, wenn man sie auch gut erzählt.

Was schreibst du sonst so?

Ich habe ein Faible für Kürzestgeschichten aller Art. Vom Genre her bin ich nicht festgelegt, Science-Fiction und Fantasy wechseln sich mit Humorvollem und Liebesschnulzen ab, manchmal vermischt sich auch alles ineinander. Ich experimentiere auch gern mit den unterschiedlichsten Techniken und Motiven, verfasse Drabbles und Nonsense-Texte, Parodien und Texte, die die Realität verdrehen … der gemeinsame Nenner könnte vielleicht sein, dass es in meinen Texten meistens nicht so kommt, wie man es zuvor erwartet hat.

Woran arbeitest du aktuell?

Ich konzentriere mich derzeit vor allem auf die Fertigstellung einer Anthologie, die unter dem Titel #Projekt24 auf meinem Blog zum Teil schon vorveröffentlicht wurde. Es geht darin um Geschichten rund um das Motiv „Dinner for Two“. An der Anthologie sind neben mir 23 andere Autorinnen und Autoren beteiligt, darunter feste Größen der Indie-Szene genauso wie bisher unbekannte Schreiberlinge. Die Texte sind trotz der engen Vorgabe erstaunlich vielfältig, alle Arten von Genres sind vertreten, Humorvoll bis traurig, phantastisch bis realistisch. Als Erscheinungstermin peilen wir noch dieses Jahr an, ein genaues Datum steht leider noch nicht.

Daneben gilt meine ganze Aufmerksamkeit meinem Kurzgeschichten-Blog, dem Tintenfleck, auf dem ich nach einer langen Pause jetzt wieder wöchentlich einen neuen Text veröffentliche.

Was ist für dich die Motivation dahinter, Geschichten einfach so, kostenfrei auf deinem Blog zu veröffentlichen? Und für wen sind sie gedacht?

Der „Tintenfleck“ ist meine kleine „Experimentierkammer“ – es gibt dort keine Gatekeeper, keine Verleger, die mir dreinreden und auch keine Verkaufszahlen, die mich beeinflussen würden. Ich muss kein Geld verdienen und das ist auch gut so. Denn dadurch eröffnet sich mir auf dem Blog eine Freiheit, die ich sonst nicht habe. Texte auf dem Tintenfleck sind manchmal etwas grenzwertig, manchmal so richtig „blöd“, arbeiten mit doppelten Böden, mit (un)fairen Tricks, führen Leser an der Nase herum, wagen stets drei Experimente auf einmal und sind alles andere als konventionell. Das sind oft Dinge, die in langen Romanen, aber auch in Kurzgeschichten-Anthologien einfach nicht gehen, weil sie zu sehr herausstechen, zu sehr für sich alleine stehen und sich nicht in ein großes Ganzes einfügen würden.
Das heißt aber nicht, dass ich dort einfach die Sau rauslasse, im Gegenteil: An manchen Texten auf dem Blog arbeite ich teilweise mehrere Wochen und absolut jeder Text wird professionell lektoriert, ehe er online geht.

Für wen die Texte gedacht sind: Für Leute, die mehr wollen, als immer nur dieselben Geschichten lesen. Die Freude an anspruchsvollen Texten, unerwarteten Wendungen, feinsinnigem Humor, Anspielungen auf die Populärkultur und literarischen Experimenten haben. Von der Schnulze über einen heiteren Blick auf den Alltag bis hin zur Game-of-Thrones-Parodie ist alles dabei.
Die meisten Texte sind inspiriert von Themen, die mich auch selbst beschäftigen – und so manche Hauptfigur ist selbst ein Schriftsteller, der versucht, eine Deadline einzuhalten, eine Autorin, die mit ihrer Muse hadert oder immer im falschen Moment Ideen hat … Viele Autorinnen und Autoren mögen sich da wiedererkennen und tatsächlich gehören auch einige Mitglieder der schreibenden Zunft zu meinen Stammlesern.

Was darf für dich beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Das kann ich pauschal gar nicht sagen. Ich schreibe meistens dort, wo es mich überkommt. Stift und Papier oder einen Computer brauche ich immer, aber sonst? Meine Ruhe vielleicht, dass mich keiner stört …

Welche Bücher liest du selbst gerne?

Ich lese querbeet alles. Alte Klassiker, moderne Phantastik, antike Geschichtsschreiber, kitschig-romantische Texte von heute … ich kann und mag mich nicht festlegen. Zu Autoren, die ich schätze, gehören Tolkien, Rowling, Martin, Wolf Haas, Jonathan Stroud, E.T.A. Hoffmann, Ovid, Boccaccio und viele viele mehr.

Was war das letzte Buch, das dich wirklich fasziniert hat?

Das ist eine wirklich schwierige Frage … passend zum gerade erscheinenden „Gruselmeer“ wäre das vielleicht die „Lockwood“-Reihe von Jonathan Stroud. Die Reihe spielt in einem alternativen England vor dem Beginn der Digitalisierung, das von dem „Problem“ in Atem gehalten wird: Die Toten, egal ob der letzten Jahre oder der letzten Jahrhunderte, kehren in Massen als Geister zurück. In gefühlt jedem zweiten Haus spukt es und die Berührung eines Geistes kann von der einfachen Verbrennung über irreversible Schäden bis hin zum Tod alles als Folge haben. Erwachsene können die Geister nicht sehen, nur Kinder – und so bildet man im ganzen Land junge Geisterjäger aus, die des nachts, bewaffnet mit Degen und Salzbomben (Geister mögen kein Metall und kein Salz) ausziehen, um den Toten wieder die letzte Ruhe zu geben.
Was mich hier vor allem fasziniert, ist das Bild, das Stroud von dieser Gesellschaft zeichnet. Er beschränkt sich nicht auf das Erzählen grusliger Geisterjagden, sondern gleichzeitig wird die Geschichte zur Gesellschaftsstudie: Geisterjagd ist ein lukratives Geschäft, Agenturen vermitteln Geisteraustreibungen, die meisten Agenturen werden von Erwachsenen geführt, die ohne mit der Wimper zu zucken Kinder jede Nacht in Gefahren (und manchmal den sicheren Tod) schicken.
Strouds Protagonisten sind aber die Kinder selbst – und während er spannende und gruslige Schauplätze malt, bedient er sich nicht nur vieler klassischer Erzähltechniken, die wir aus alten Gruselfilmen und Comics kennen (Geräusche, unerklärbare Kälte, besondere Gimmicks bei starken Geistern wie ein abgetrennter Kopf, Formwandler und und und), sondern Stroud durchbricht seine eigene Schaueratmosphäre immer wieder mit viel (schwarzem) Humor, bringt lustige Tollpatschigkeiten, herrliches Gezanke und macht klar, dass das eben Kinder sind, die Geister jagen – und verstärkt damit die Gefahr und den Grusel erst recht, denn erst durch den Humor wird die Düsternis noch viel düsterer.

Für mich ist er momentan einer der faszinierendsten und besten Fantasy-Autoren.

Wo findet man dich im Netz?

Mein Kurzgeschichten-Blog: http://tintenfleck.wordpress.com
Twitter: https://twitter.com/tintenfleckblog
Facebook: https://www.facebook.com/tintenfleck.blog/

Die Gruselmeer Autoren #1: Katherina Ushachov

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Hallo ihr lieben,

wie bereits angekündigt, wird am 20.10.2017 unser Gruselmeer erscheinen. Ein hübsches Büchlein mit Geschichten der Schreibmeer-Autoren. Hierfür habe ich mit den Autoren der Anthologie kleine Interviews gemacht, um sie und ihre Geschichten vorzustellen.

Anfangen möchte ich heute mit Katherina Ushachov.

Autorenvita:  Ich bin Katherina Ushachov, online besser bekannt als „Evanesca Feuerblut“. Nach meinem Abschluss in „MA Weltliteratur“ lebe und arbeite ich als freie Lektorin im schönen Vorarlberg.

Im Team bin ich als weitere Autorin dabei. Außerdem lektoriere ich einen Teil der Schreibmeerartikel. Mehr oder weniger aktiv spreche ich neben Deutsch noch drei weitere Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Russisch) und pflege ein leider etwas eingerostetes Latein.

Interessentechnisch bin ich sehr weit gefächert – Sprachen, Kulturen, Wissenschaft. So bin ich leidenschaftliche Conlangerin, gehöre also zu den versponnenen Menschen, die gerne Sprachen basteln. Nicht weil es sich mit dem Aufkommen des „Herr der Ringe“-Hypes in den Nulljahren so gehört, sondern aus Leidenschaft und ganz von alleine.

Ich behaupte von mir jetzt außerdem einfach mal, dass ich mich relativ gut mit Vampiren auskenne, sofern es sich nicht um die romantische Unterart handelt, die glitzert und/oder Schulmädchen verführt. Aber ich kann Vorträge über die verschwimmenden Gendergrenzen in Anne Rice „Vampirchroniken“ aus dem Stegreif halten. Oder erklären, wieso „Dracula“ als es erschien ein sehr versautes Buch gewesen ist.

Romantik an sich ist generell nicht so mein Ding – aber ich kenne mich dafür relativ gut im Fantasy-Segment abseits der ausgetretenen Pfade aus, befasse mich aktiv mit Worldbuilding und lese fast mehr Indie- und Kleinverlagsbücher als welche der „Großen“.

Erzähl mal Katherina, worum geht es in deiner Geschichte „Ein Traum“?

Das ist schwer, ohne zu spoilern. Es geht um einen Menschen, der immer wieder träumt – und in diesen Träumen eine Begegnung hat. Und obwohl diese Begegnung nicht besonders angenehm ist, entfaltet sie einen Sog, dem sich der Mensch nicht entziehen kann.

Wie bist du auf die Idee für deine #Gruselmeer-Kurzgeschichte gekommen?

Das ist so banal, das kann ich fast nicht erzählen … Es gibt auf Facebook viele dieser „lustigen“ Seiten wie „Faktastisch“, „Made my day“ oder „Das ist schmutzig, falsch und moralisch höchst verwerflich. Bin dabei.“ Es ist keine dieser Seiten, aber eine sehr ähnliche, für Freunde des gepflegten Grusels, auf der mir die perfekte Prämisse für eine Gruselgeschichte untergekommen ist.

Verrätst du uns den ersten Satz deines Textes?

„Unser Gehirn ist nicht in der Lage, sich Gesichter auszudenken.“

Was machst du beim Schreibmeer normalerweise?

Wenn ich nicht gerade selbst Artikel schreibe, lektoriere ich die Artikel meiner Teamkolleg*innen.

Was schreibst du sonst so?

Ich habe zwei Großbaustellen beziehungsweise zwei Genres, zu denen ich immer wieder zurückkehre:
Historische Vampirfantasy mit queeren Protas und ohne Romance im Hauptplot. Und Dystopien.
Das hat sich irgendwie von selbst ergeben und ich weiß bis heute nicht, wieso eigentlich. Aber die meisten meiner Vampire gehören zum LGBTA-Spektrum. Dahinter lag keine Absicht, ich schrieb sie schon queer, als ich noch keine Ahnung hatte, wie viele Orientierungen überhaupt existieren. Inzwischen sehe ich mich als politische und auch feministische Autorin – und hoffe, dass dadurch, dass ich queere Wesen einfach einbaue, statt ein Riesengewese darum zu machen, etwas an der Wirklichkeit zu ändern. Worte sind mächtig.
Zur Dystopie bin ich dagegen sehr bewusst gekommen – ich war ein Teenager und habe das Entstehen einer Neonazibewegung in Ländern des ehemaligen Ostblocks mitverfolgt. Parallel dazu beobachtet, was die USA unter Bush mit der Welt anstellt. Also schrieb ich den ersten Roman meines Lebens unter dem Motto „Nie wieder Auschwitz“. Seither kann ich mich von der Dystopie nicht so recht lösen. Dystopische Plotbunnys laufen mir immer dann zu, wenn etwas in der Welt besonders im Argen ist. Gerade drängt ein anderes geopolitisches Thema darauf, in einem Roman verarbeitet zu werden – das mache ich im Oktober.
Ich schreibe aber auch Kurzgeschichten in diversen Genres und tüftle seit Jahren an einer Arcanepunk-Welt herum.

Woran arbeitest du aktuell?

Ich nutze den September, um den letzten Band meiner ersten Vampirromanreihe endlich zu überarbeiten.
Im Oktober möchte ich die in der vorigen Antwort erwähnte Dystopie schreiben und im November ist der NaNoWriMo und somit Zeit für #7Leben Band 3.
Darauf muss ich mich allerdings noch vorbereiten, indem ich recherchiere und zumindest grob plane, was eigentlich passieren soll.

Du hast einen ganz schön engen Zeitplan. Wie schaffst du es, jeden Monat ein neues Projekt zu bearbeiten?

Ich muss :D. Klingt vermutlich bescheuert, aber wenn ich einen Zeitplan halte, dann reicht das fast immer aus, um ihn auch einzuhalten. In der Hinsicht bin ich sehr diszipliniert. Wobei ich nicht jeden Monat ein neues Projekt anfange, ich möchte nur innerhalb eines Monats eins fertig haben.
Aber an den Monaten, die ich nicht zum Schreiben vorsehe, überarbeite ich und das kann auch mal länger dauern.

Was darf für dich beim Schreiben auf keinen Fall fehlen?

Ich bin sehr anspruchslos. Klar, am liebsten schreibe ich in meinem bequemen Chefsessel, vor zwei Bildschirmen, in meinem tollen Schreibprogramm und mit einem Glas Wasser neben mir.
Aber: Ich kann praktisch überall schreiben und unter jeder Bedingung. Meine NaNoWriMos habe ich eigentlich nur so gut gewonnen, weil ich mir angewöhnt habe, mich von Umständen nicht beeinflussen zu lassen.
Ich schreibe auf Tempotaschentücher. Über OneDrive und Onlineword. In einem Online-Wörterzähler. In One-Note. Auf Handys mit T9.
Was nicht fehlen darf, wären somit vermutlich meine Hände 😀

Welche Bücher liest du selbst gerne?

Ich glaube, es ist einfacher zu definieren, was ich nicht gerne lese und das ist alles, wo Romance den Hauptplot stellt – oder der romantische Subplot zu sehr in den Vordergrund drängt. Geschichten mit viel Herzschmerz und „Kriegt sie/er ihn/sie oder nicht?“ interessieren mich einfach nicht besonders – ich kann mich leichter in einen dreiköpfigen Assassinen vom Planeten Morsmordre hineinversetzen, als in eine verliebte Teenagerin.
Das gleiche Problem habe ich mit auf Erotik ausgerichteten Plots, in denen es darum geht, wer, mit wem und auf welche Weise.
Das soll keine Herabwürdigung dieser Romane sein, ich bin mir sicher, es gibt handwerklich großartige Liebesromane und hervorragende erotische Literatur. Aber ich bin nicht deren Zielgruppe.
Dafür tummeln sich neben Fantasy in vielen Spielarten, Science-Fiction und so manchem historischen Roman ziemlich viele Sachbücher zu allen möglichen Themen in meinem Regal. Ich habe ein riesiges Lexikon der Geheimbünde, ein Buch über russische Zarinnen und eins mit Aufsätzen über das Attentat in der Menschheitsgeschichte. Es gibt Sachbücher, für die würde ich mir vermutlich einen Fuß abhacken lassen, um sie in die Finger zu kriegen.

Das klingt für mich so, als sei dir ein fundiertes Hintergrundwissen für deine Geschichten sehr wichtig. Wie sehr dürfen, deiner Meinung nach, Fantasyelemente die Realität beugen?

So wenig wie möglich. Innerhalb der Welt muss es in sich schlüssig sein – wenn es fliegende Schweine gibt, dann bitte keine dicken rosa Grunztiere mit Puttenflügeln. Da soll dann bitte solide recherchiert werden, wie so ein fliegendes Schwein am Plausibelsten aufgebaut wäre. Wo hat es Muskelansätze? Wo kann es durch Lufteinlagerungen Gewicht sparen? Kann es wirklich fliegen oder nur flattern wie ein Huhn?
Ich besitze beispielsweise zwei Grundlagenwerke zur Astrophysik, um meine Fantasyelemente wissenschaftlich zu unterfüttern. Außerdem habe ich früher viele populärwissenschaftliche Zeitschriften verschlungen. Eins meiner Bücherregale ist zu 70% mit Sekundärliteratur gefüllt, weil mir Fakten und Hintergründe wichtig sind. Fantasy ist nicht die Lizenz zum Unlogischsein.

Wo findet man dich im Netz?

Ich bin im Netz recht umtriebig, auch wenn ich je nach Portal unterschiedlich aktiv bin. Hier erstmal die üblichen Verdächtigen:

Website:  https://feuerblut.com/

Twitter:  https://twitter.com/evanesca

Instagram:  https://www.instagram.com/evanesca_feuerblut/

Facebook: https://www.facebook.com/katherina.ushachov.autorin

Außerdem betreibe ich ein Forum für Autor*innen (das http://www.antikreatief.de/ ), bin selbst Mitglied in mehreren hervorragenden Schreibforen (besonders hervorheben möchte ich hier den Tintenzirkel), gehöre zu den Autorinnen der Märchenspinnerei (http://maerchenspinner.layeredmind.de/) und zu den Nornen im Nornennetz (http://nornennetz.aeom.de/).

#Gruselmeer

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Hallo ihr lieben,

jetzt ist es so weit, ich darf offiziell verkünden, was es mit dem #Gruselmeer auf sich hat. Am 20.10.2017 erscheint die zweite Anthologie der Schreibmeer-Autoren. Ihr könnt es euch anhand des Titels und des Erscheinungszeitraumes wohl schon denken … es wird gruselig. In unseren Kurzgeschichten entführen wir euch an magische, unheilvolle und auch grausige Orte. Taucht mit uns ein in die finstersten Ecken des Schreibmeers.

Ich bin auch mit meiner Kurzgeschichte „Das Amulett von Whitby“ vertreten. Worum es genau geht wird noch nicht verraten. Hier ein winzig kleiner Ausschnitt:

Mein Tag auf der 1. internationalen Autorenmesse in Frankfurt

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Die erste internationale Autorenmesse ist vorbei. Mein Fazit? Nicht viel Neues gelernt, dafür viele coole Leute getroffen. Aber fangen wir von vorne an …

Die Autorenmesse fand im Hörsaalkomplex der Uni Frankfurt statt. Verteilt auf gut zwei Stockwerke, präsentierten eine Hand voll Aussteller ein paar Flyer, wenige Bücher und irgendwelches Marketingzeugs, mit dem ich nicht viel anfangen konnte. Nach 10 Minuten hatte ich alles gesehen – nicht so spannend. Also auf zu den Seminarräumen, in die Vorträge.

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Mit den Vorträgen, die ich mir ausgesucht hatte, hatte ich anscheinend viel Glück. Von anderen hörte ich häufiger, dass sie aus den Räumen geflüchtet seien, weil die Präsentationen so schlecht waren oder schlichtweg das Thema verfehlten (#FallEtzold).

Als erstes war ich bei Jurenka Jurk von www.schreibfluss.com. Sie gab den Zuhörern einen Überblick über sämtliche Tools, die man so zum Schreiben verwenden kann. Angefangen bei den Schreibtypen („Bauchschreiber vs. Kopfschreiber“), über den Aufbau eines Romans am Beispiel der Heldenreise, bis hin zu Tipps beim Überarbeiten. Nichts, was man nicht schon irgendwo gelesen hätte, wenn man sich mit dem Thema Schreiben bereits beschäftigt hat. Dennoch war es ein guter Vortrag. Die Darstellung der Spannungskurve in Form einer „Dramamaus“ wird mir im Gedächtnis bleiben.

Im Vortrag von Caroline Funke zum Thema „Digitales Publizieren im Verlag“ habe ich mich erstmal gefreut, Axel Hollmann von den Schreibdilettanten wiederzutreffen, dem ich bereits auf der Frankfurter Buchmesse begegnet bin. In dem Vortrag habe ich dann genau das erfahren, was ich mir erwartet habe: Wie läuft das bei Forever und Midnight mit dem Publizieren? Das könnte für mein nächstes Projekt nach den Trollen eventuell interessant werden. Besonders begeistert war ich von den schnellen Antwortzeiten. Während man bei großen Verlagen häufig monatelang auf eine Rückmeldung wartet, meinte Caroline Funke, dass sie sich bemühen würden, innerhalb von zwei Wochen zu antworten.

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Bereits nach der zweiten Vortragsrunde liefen die Twitteraccounts heiß. Die ersten waren aus Vorträgen geflohen, oder beschwerten sich darüber, dass das Thema verfehlt wurde. Gesprächsthema Nummer 1: Herr Etzold, der in seiner Veranstaltung zum Storytelling angeblich von seiner Hochzeit berichtete und anschließend aus seinem Buch vorlesen wollte. Daraufhin verließ ein Teil der Besucher den Raum.

Nach einer Portion Gnocci, für die ich gut 30min anstand, die zur einen Hälfte knallheiß und zur anderen Hälfte eiskalt war, kam ich dann viel zu spät in den Vortrag von Tanja Steinlechner vom Schreibhain. Die Veranstaltung war mir zuvor von Juliana Fabula empfohlen worden. Auf der Buchmesse sei sie sehr gut gewesen. Als ich eintraf befand sich die Dozentin gerade in einer Diskussion mit einem der Zuhörer. Er berichtete über seine Probleme beim Schreiben, fragte dann nach Methoden zum plotten. Mein Gedanke: „Na toll, wieder nix Neues.“ Ich spielte schon mit dem Gedanken, wieder zu gehen, als die Vortragende geschickt zum eigentlichen Thema überlenkte. Sie gab Tipps zum Umgang mit dem inneren Kritiker (über den ich hier auch schon geschrieben habe), den man während dem Schreiben gerne verbannen darf, der beim Überarbeiten aber ein wichtiger Weggefährte ist. Besonders unterhaltsam fand ich die Überschrift: „Autoren leben Polygam: Das Schreiben, der andere Partner“. Sie rief dazu auf, dem Schreiben genügend Raum zu geben, denn schreiben braucht Zeit. Alles andere mache sonst mit der Zeit unglücklich.

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Mein persönliches – etwas schräges – Highlight der Vortragsreihe war dann die Veranstaltung „Wer hat Angst vorm weißen Blatt“ von Gabriele Borgmann. Die ersten Minuten verbrachte ich damit, mir das Augenrollen zu verkneifen. Nachdem sie ersteinmal Werbung für ihr Buch ausgeteilt hatte, klangen die ersten Sätze der Vortragenden auswendig gelernt und waren mit „weisen“ Zitaten gespickt (Waaaah! Hilfe!). Dann ging es um Schreibtipps in Form eines Cocktails mit #Sprudelperlen (das Augenrollen zu unterdrücken war jetzt eine echte Kraftanstrengung). Dann die praktischen Tipps:
Das Datum „4.12.2016“ aufschreiben, das sei in einem halben Jahr. Damit versprachen wir uns, bis dahin unseren Roman fertig zu bekommen.
Den Anfang schreiben (einfach anfangen, später verändern).
Als nächstes, Pre-writing. Ich weiß nicht mehr, wie sie es einleitete, aber wir sollten uns überlegen, was wir den Menschen mit unserem Text mitteilen wollen – 10min schreiben (meine Augen rollten sich jetzt von ganz alleine, ich war machtlos). Ich machte die Übung mit, mit dem Gedanken, wenigstens darüber bloggen zu können. Dann kam die Wende: Ich schrieb und schrieb und schrieb und nach 10 min hatte ich eines der größten Probleme für mein Projekt nach den Trollen gelöst. Eine Frage über die ich seit einigen Wochen nachdenke, einfach so, in 10 min in Luft aufgelöst. Ich war happy und an Augenrollen war nicht mehr zu denken.
Ich weiß nicht, ob es an meiner veränderten Stimmung oder tatsächlich an den Inhalten lag, aber den Rest der Veranstaltung fand ich eigentlich echt gut. Sie gab noch ein paar Hinweise zur Verwendung von Adjektiven und Adverben und ermunterte uns, überraschende Wörter zu verwenden. Außerdem sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf den letzten Satz legen, denn der letzte Eindruck sei oft der, der bleibt.

Danach hatte ich genug von den Veranstaltungen. Ich hatte mein persönliches Highlight gefunden. Zusammen mit ein paar Schreibnächtlern saß ich ein wenig auf der Terrasse und schnupperte dann noch kurz beim Buchcontest rein, wo mich besonders Detlef Plaisier und Fabian Freigeist mit ihren Lesungen beeindruckten.

Es war Zeit für den Aufbruch, schließlich wollte ich am Abend noch zum Treffen der Schreibnacht und vorher kurz in die Jugendherberge, mein Handy wieder aufladen. Der Abend im Lokal „Das Leben ist schön“ war ein perfekter Ausklang für den Tag. Es wurde über den neuesten Plagiatsfall diskutiert, übers Schreiben gefachsimpelt und es gab richtig gutes Essen. Was will man mehr?

Auf meinem Heimweg über den Eisernen Steg entstanden noch ein paar Fotos von Frankfurt bei Nacht. Dann fiel ich totmüde ins Bett.

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Werde ich nochmal zur Autorenmesse nach Frankfurt fahren? Ich weiß es nicht. Das Programm war hauptsächlich auf Menschen ausgelegt, die sich noch nicht ausführlich mit dem Schreiben beschäftigt haben- lohnt sich also nicht, wenn man bereits seit ein paar Jahren dabei ist. Was daran nun international gewesen sein soll, frage ich mich auch. Die Leute zu treffen war cool, aber so kommunikativ wie auf den großen Buchmessen war es nicht. Sollte das Konzept so bestehen bleiben, wird die Messe in Zukunft also wahrscheinlich ohne mich stattfinden. Ich komme dann zur „Afterparty“ vorbei 😉

Mein persönliches Lieblingsfoto entstand dann Sonntagmorgen auf dem Weg zur U-Bahn. Die Hochhäuser in den Wolken:

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Liebe Grüße,
Sabi