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Schreibkick #60: Zeitkapsel

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Hallo ihr lieben, 

ich bin wieder spät dran 🙂

Der November ist bei mir grundsätzlich ziemlich stressig, aber dieses Jahr kam irgendwie alles zusammen. Eine Idee für den Schreibkick hatte ich schon sehr früh, doch dann wurde ich von einem hartnäckigen Plotbunny verfolgt. 
Zunächst hatte ich eine schöne Familiengeschichte im Kopf, bei der eine junge Frau eine Zeitkapsel ausgräbt, die sie als Kind vergraben hat und dann mit einigen Erinneurungen beschäftigt ist. Doch die Idee war mir vom Konzept her zu nah an einem anderen Text dran, den ich dieses Jahr schon geschrieben habe (der demnächst übrigens in einer Anthologie erscheint), so dass ich darauf eigentlich nicht wirklich Lust hatte (auch wenn mir die Idee gefällt) und über den ersten Vorschlag des Plotbunnys ganz froh war: Eine Zeitreisegeschichte über eine Zeitmaschine in einer Toilettenkabine am Flughafen Heathrow (ja, die Idee kam mir, als in Heathrow auf dem Klo saß und das Licht flackerte). Der Anfang war schon geschrieben, als ich letztes Wochenende den Prototypen eines Brettspiels von einem Freund testen durfte, in dem es unter anderem um die Folgen des Klimawandels geht. 
Das wiederum ließ erneut mein Plotbunny auf den Plan treten, das der Meinung war, ich müsste doch endlich mal diese Geschichte fertig machen, die ich für einen Schreibwettbewerb im Genre Climate Fiction schonmal geplant hatte – und obwohl ich eh schon zu spät dran war, schmiss ich meine Pläne nochmal um. 

Hier jetzt also das Ergebnis eines langen Kampfes mit einem hartnäckigen Plotbunny. 

Life 2.0

Mit einem tiefen Atemzug sauge ich Luft in meine Lungen und muss husten. Es fühlt sich an, als hätte ich jede Menge Wasser geschluckt. Ich bekomme Panik. Was ist passiert? Bilder eines Krankenhauses blitzen in meinem Bewusstsein auf. Schläuche, Nadeln, piepende Monitore. Mir wird etwas auf die Nase und den Mund gedrückt. Ich kann meine Augen nicht öffnen.
»Ganz ruhig. Atmen.« Eine weibliche Stimme.
Ich versuche, die Luft tief in meine Lungen zu saugen, ohne erneut zu husten. Es geht.
Wird immer leichter.
Muss nicht mehr husten.
Mein Körper wird ruhiger.
Bekomme Kontrolle zurück.
Eine neue Erinnerung. Eine Frau beugt sich über mich. »Wir wünschen ihnen eine gute Reise mit Life2.0.« Dann Dunkelheit.
Die letzten Worte, die ich gehört habe. Gestern. Wirklich gestern?
Mühsam öffne ich die Augen. Krankenhaus. Eine Pflegerin, hellgrüne Kleidung, zusammengebundene Haare, über mich gebeugt. Reise? Bin ich abgestürzt? Wo wollte ich hin?
»Ich hoffe, sie hatten eine gute Reise mit Life2.0 Willkommen im Jahr 2617«
Life2.0? Langsam sickern die gesagten Worte in mein Gedächtnis. Kryonik. 500 Jahre Schlaf. Es hat funktioniert. 500 Jahre in gefrorenem Stickstoff, mit Frostschutzmitteln statt Blut in meinem Körper – vereinfacht gesagt. Mit einem Schlag wird mir kalt. Eine Decke wird über mich geworfen.
»In wenigen Stunden sind sie wieder vollkommen fit.« Sie lächelt mir zu und streicht mir über die Stirn.
»Ruhen sie sich aus.«
Dann verschwindet sie aus meinem Blickfeld. Kurz danach verfalle ich wieder in einen tiefen Schlaf.

Ich erwache erneut. Mein Blick fällt auf einen Nachttisch mit einer Uhr. Es ist 8:00 Uhr. Ob morgens oder abends kann ich nicht sagen. Durch das Fenster sehe ich nur Himmel und blassorange eingefärbte Wolken. Ich weiß nicht, wo ich bin. War das noch Philadelphia, wo ich mich hatte einfrieren lassen? Eine Welle der Euphorie durchfährt mich. Es hat geklappt. Ich setze mich auf und betrachtete meine Hände. Sie sind glatt. Weniger faltig, als gestern, Nein. Weniger faltig als vor 500 Jahren, korrigiere ich mich. Die Technologie hatte sich also entsprechend weiterentwickelt.
Die Tür geht auf und eine Schwester kommt herein. Ich bin mir nicht sicher, ob es dieselbe ist, die mich bereits vorhin begrüßt hatte, als ich aus meinem Jahrhunderte langen Schlaf erwacht war.
»Guten Morgen Mrs. Mason. Mein Name ist Mary.«
Mary. Auch 500 Jahre später noch hatte sich dieser Name wohl gehalten.
»Guten Morgen.«
»Ich wollte ihnen mitteilen, dass ihre Wünsche den Vertragsbedingungen entsprechend umgesetzt wurden. An ihrer Haut haben sie vermutlich bereits gesehen, dass wir in dem Bereich der Telomertherapie beachtliche Fortschritte gemacht haben. Auch ihr Haarwuchs dürfte sich in den kommenden Monaten verbessern, so dass sich ihr Aussehen ihrem biologischen Alter von ca. 35 Jahren anpassen wird. Sobald sie sich erholt haben, nehmen sie an unserem Startfuture-Programm teil. Wir vermitteln ihnen eine neue Wohnmöglichkeit und sie werden eine Schulung über unser aktuelles politisches System, gesellschaftliche Gepflogenheiten, Sprache und Kultur erhalten.«
Die letzten Worte dringen nur noch am Rande bis zu meinem Verstand vor. 35. Ich hatte 41 Jahre meines Lebens wieder gutgemacht. Eine neue Chance. Viel Zeit, um mir den Traum, die Zukunft mitzuerleben, zu erfüllen. Wie alt wurden die Menschen heutzutage? Ich schüttele den Kopf und versuche, mich wieder auf die Worte der Krankenschwester zu konzentrieren.
»Die Firma, mit der sie den Vertrag ursprünglich abgeschlossen haben, ›Beginning‹, wurde inzwischen aufgelöst. Ihre Verträge wurden zwischenzeitlich zwei Mal an andere Träger überschrieben. Wir freuen uns aber, ihnen mitteilen zu können, dass die Leistungen jedoch dieselben geblieben sind.«


Heute ist es so weit, ich darf die Station verlassen. Zwei Nächte hatte ich noch im Krankenhaus verbracht. Verschiedene Ärzte hatten mich durchgecheckt und eine Physiotherapeutin hatte meinen Körper wieder halbwegs in Schwung gebracht. So ganz war es bei meinem Körper noch nicht angekommen, dass ich wieder 35 war. Die Muskelmasse fehlte. Sollte sich aber schnell wieder regenerieren. Schneller als mit 76 Jahren. Ich hatte die Zeit nur in meinem Zimmer verbracht, aber dank meines vollen ›Stundenplanes‹ war die Zeit nur so verflogen. Während dieser Zeit war mir klar geworden, dass sich in den 500 meines Schlafes Jahren so einiges verändert hatte. Auch die Sprache. Das »echte« englisch dieser Zeit war härter als meines und das, in dem die Schwestern mit mir sprachen. Mary hatte mir berichtet, dass alle Mitarbeiter bei Life2.0 einen Kurs machen mussten, um sich mit den »aufgetauten« Patienten unterhalten zu können.
Aufgeregt blicke ich auf die Uhr. Um 3 Uhr würde Mary mich abholen. Noch 5 min. Wenigstens hatte sich daran nichts geändert. Der Tag besaß nach wie vor 24 Stunden.

Endlich geht die Tür auf und Mary kommt herein. »Kommen sie. Ich bringe sie nun zu ihrer persönlichen Zukunftsbegleiterin.« Freudig rutsche ich von meinem Bett runter und folge ihr in den Gang. Der Flur ist weiß gestrichen, bunte Bilder hängen an den Wänden, die verzweifelt versuchen, etwas Wohnlichkeit in die sterile Umgebung zu bringen. Wir biegen um eine Ecke und am Ende des Ganges sehe ich eine große Panoramascheibe. Was ich dort sehe, verschlägt mir den Atem. Wie in Trance trete ich näher an die Scheibe heran und betrachte die Welt, die vor mir liegt. Genau so hatte ich mir die Zukunft erträumt. Wir befinden uns im – vielleicht – fünfzigsten Stock eines Hochhauses, das von anderen Hochhäusern umgeben ist. Flugkapseln surren draußen auf unserer Höhe in festgelegten Flugbahnen vorbei, aufgereiht wie Perlen auf einer Kette. Die Häuser sind jedoch keine sich in der Sonne spiegelnden Glasbauten mit klaren Fassaden. Jedes Gebäude ist zu großen Teilen begrünt. Die Pflanzen kenne ich auf den ersten Blick nicht. Aber mir ist klar, dass hier einige der Konzepte, an denen ich damals unter wichtig klingenden Namen wie ›future cities‹, ›green urbanism‹ usw. mitgearbeitet hatte, umgesetzt wurden. Natürlich nicht exakt die Konzepte meines Teams, aber das hier war die Zukunft, von der wir geträumt hatten und für die wir die ersten Grundsteine gelegt hatten.
»Faszinierend oder?«, reißt Mary mich aus meinen Gedanken.
»Unglaublich.«
»Die Fassaden sind mit Solarbeton beschichtet. Die Hochhäuser produzieren ihren eigenen Strom. Flächendeckend, neben ein paar Wind- und Wasserturbinen.«
Solarbeton – das Konzept war zu meiner Zeit schon bekannt gewesen, aber noch nicht effektiv genug um es in großem Maße einzusetzen.
Zwischen einigen Hochhäusern sehe ich, wie sich ein Fluss den Weg durch das begrünte Erdreich schlängelt. Straßen gibt es keine, nur Fußwege. Autos, Züge und Busse scheint es keine mehr zu geben. Die Hochhäuser haben Landeplattformen auf verschiedenen Ebenen. Ganze Parkanlagen schmiegen sich terrassenförmig an die Fassaden. Was früher ein Stadtbezirk war, scheint hier auf mehreren Stockwerken eines Hochhauses abgebildet.
Das hier war wunderbar. Als ich mich in das Kryonikcenter von »Beginning« begeben hatte, hatte die Erde mit massiven Folgen des Klimawandels zu kämpfen gehabt. Zerstörte Städte, Klimaflüchtlinge, Dürren, Überschwemmungen. Davon war hier nichts mehr zu sehen.
Ein Kribbeln durchfährt mich. Ich kann es kaum erwarten, den Rest der Welt zu entdecken. Wenn das hier möglich war, welche Wunder mochten im letzten halben Jahrhundert dann noch entstanden sein?
»Wir sollten langsam weiter«, erinnert Mary mich an den anstehenden Termin.
»Okay.« Links von uns befinden sich mehrere Aufzüge. Mary hatte den an der Außenfassade gelegenen bereits gerufen, während ich die Umgebung betrachtet hatte. Als sie meinen fragenden Blick auffängt, lächelte sie. »So geht es am Anfang hier jedem.«
Wir steigen in den Aufzug. Nun wird mir klar, warum sie diesen gewählt hat. Er hat eine gläserne Außenwand, so dass ich für ein paar weitere Sekunden meine Umgebung bestaunen kann.
Einige Stockwerke weiter unten steigen wir aus. Die Räume hier erinnern eher an einen Bürokomplex. Sanfte Brauntöne an der Wand, goldene Verzierungen, Landschaftsbilder. Eine warme, dennoch sachliche Atmosphäre. Nach ein paar Metern bleibt Schwester Mary stehen und klopft an eine Tür. ›Tuvarie Calae‹ steht auf dem Schild, das daneben hängt.
»Herein«, meldet sich eine Stimme von drinnen.
Mary öffnet die Tür und lässt mich rein. Eine junge Frau, vielleicht Mitte 20 erhebt sich hinter ihrem Schreibtisch.
Mary streckt mir die Hand entgegen. »Ich wünsche ihnen alles Gute in ihrer Zukunft.«
»Danke«, antwortete ich.
Als Mary die Tür hinter sich geschlossen hat, gehe ich auf die blonde Frau hinter dem Schreibtisch zu.
»Calae«, begrüßt sie mich und reicht mir ebenfalls die Hand.
»Sie sind Emily Mason?«, fragt sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
»Ja«, antworte ich.
Sie weist auf einen der Stühle, der auf meiner Seite des Schreibtisches steht und wir setzten uns.
»Also gut. Sie haben bei unserem Vorgänger das volle Paket gebucht. Wohnortberatung, -organisation, Transfer und den Einführungs- sowie Aufbaukurs, richtig?« Ihr breites Lächeln weicht nun sachlicher Freundlichkeit. Sie ist mir sympathisch.
»Ja.«
»Gut. Ihr aktueller Kontostand beträgt 125.983$. Zuzüglich einer Wohnung im Wert von bis zu 100.000$. Damit werden sie einige Zeit gut über die Runden kommen, bis sie sich für einen aktuellen Beruf ausreichend requalifiziert haben. Es hat sich doch ein bisschen was verändert.«
»Okay.« Ich bin etwas überfordert mit so vielen Informationen. Es fühlt sich an, als hätte ich die Verträge gestern erst unterschrieben und trotzdem habe ich das Gefühl, in meinem Kopf lange nach den Informationen suchen zu müssen. Als wäre zwischenzeitlich jemand in mein Gehirn eingedrungen und hätte alles umsortiert.
»Sie hatten auf ihrem Fragebogen angegeben, dass sie mitteleuropäisches bis subtropisches Klima bevorzugen?«
Ich nicke.
»Da können wir ihnen die Westküste von Kanada empfehlen.«
Fragend sese ich sie an. »Westküste von Kanada?«
Sie dreht ihren Schreibtischstuhl leicht zur Seite und weist mit der linken Hand auf eine Karte, die hinter ihr an der Wand hängt.
»Ja. Die Klimazonen haben sich etwas verschoben.«
Ich blicke die Karte an. Etwas? Mein Herz beginnt zu rasen. Ich folgte ihrem Blick zur Karte. Auf den ersten Blick sieht alles aus, wie ich es kenne. Doch dann fällt mir auf, dass einige Bereiche der Kontinente wie abgeschnitten erschienen.
»Wir haben leider einige Metropolen und Landstriche verloren, dafür aber andere, sehr lebenswerte Regionen hinzugewonnen.« Sie sagt das, als hätten sie eine Sorte Milch im Supermarkt aus dem Sortiment genommen. Ich versuche, meinen Ärger zu verbergen. Sie konnte schließlich nichts dafür. Sie kennt die Welt nicht anders. Das hier ist ihre Realität. Ich bin es, die momentan noch in der Vergangenheit lebt. Egal. Mit den Klimafolgen konnte ich mich später beschäftigen. Wissenschaftlich.
»Aha. Und … wie war das jetzt mit Kanada?«
»Nun, eigentlich heißt die Region nicht mehr Kanada. Ich kann ihnen die Küstenstadt Portland empfehlen. Die Zone zu der sie gehört ist die A-Zone – ein Zusammenschluss von dem was sie al Nord- und Südamerika, Kanada und Grönland kennen. Portland ist mit der Kapsel nur wenige Flugminuten vom Meer entfernt. Sie tippt etwas in den riesigen Bildschirm, der in die Schreibtischoberfläche eingelassen ist.
Bisher dachte ich, er sei aus, denn ich konnte nichts erkennen. Mit einer kleinen Wischbewegung ihrerseits klärt das Bild für mich jedoch auf – es scheint vorher irgendwie verspiegelt gewesen zu sein, so dass die Informationen von meinem Blickwinkel aus nicht erkennbar waren. Die Karte eines Landstrichs erscheint.
»Portland als Universitätsstadt ist spezialisiert auf ›Urban Oxigen- and Energyarchitecture‹ und hat ein Qualifikationsprogramm für neu Erwachte, die in ähnlichen Gebieten früher tätig waren.«
Ich habe keine Idee, was es mit diesem Studienfach auf sich hat. Doch es klingt zumindest nach einer Fortsetzung dessen, was ich früher gemacht habe, also schonmal interessant.
»Das klingt gut. Gibt es Alternativen?«
»Laut Algorhythmus keine so treffenden. Von der Qualifikationsfähigkeit her würde Mumbai noch passen. Wenn sie sich vorstellen können, in einer Stadt mitten im Meer, die durch Dämme geschützt ist, zu leben. Es hat seinen Reiz. Aber der permanente Aufenthalt in Gebäuden ist nichts für jeden.«
Ich schüttle den Kopf. »Dauerhafter Aufenthalt in Räumen?«
»Das Wetter dort ist enorm unbeständig. Stürme, Regen, Hagel, extrem heiße Perioden. Fast immer ist irgendwas, das den Aufenhalt außerhalb der Gebäude sehr unangenehm macht. Außerdem ist die Stadt komplett von Wasser umgeben. Dafür ist es innen umso wohnlicher und lebenswerter.« Sie tippt ein paar Befehle in den Bildschirm und schon erscheinen Bilder von einem riesigen Einkaufszentrum. Nein. Einem Hotel. Einem Mix aus Hotel, Einkauf-, und Erlebniszentrum. Parks unter Kuppeln, gläserne Tunnel, hunderte Meter hohe Glasdecken, glückliche Menschen vor überdimensionalen Panoramafenstern, durch die sie über einen Damm hinweg auf die ewige Weite des Meeres blicken.
»Von der Klimazone her – aber ohne entsprechende Qualifikationsmöglichkeiten – käme auch Prag, die Hauptstadt der B-Zone in Betracht.«
»Tschechien?« Subtropisches Klima in Mitteleuropa?
»Ja. Moment. Ja, genau, Tschechien.«
Das war zwar nicht meine Frage gewesen, aber ich lasse es unkommentiert.
»Okay. Ich glaube, dann wird es wohl Portland werden.«
»Eine ausgezeichnete Wahl.«
Schnell tippt sie wieder etwas auf dem Bildschirm.
Sie zeigt mir verschiedene Wohnungen zu unterschiedlichen Preisen. Alle in meinem Budget. Ich entscheide mich für eine etwas teurere zwei Zimmer Wohnung (zwei recht kleine Zimmer), dafür zentral und in der Nähe der Universität. Denn wenn ich das richtig verstanden hatte, würde ich demnächst wieder studieren. Den Flyer für einen Infoabend hielt ich bereits in der Hand. Dann überreicht sie mir ein kleines Smartphone.
»Hier sind ihre Personendokumente.« Sie wischt zwei Mal über das Display. »Das, was früher ihr Ausweis war. Das Personal Memo hat noch viele andere Funktionen. In dieser Broschüre finden sie alles Nötige. Sie händigt mir ein kleines Büchlein aus. Das können sie aber in ihrer Wohnung in Ruhe durchlesen. Wichtig für den Transfer ist nur diese Dokumentenfunktion, die im Moment als Einzige auf ihrem Startdisplay abgelegt ist.«
Ich nicke. Die Hälfte der Informationen hatte ich vermutlich bereits wieder vergessen. Das war alles ein bisschen viel für einen Tag.
»Okay.«
»Ich bringe sie zu ihrer Kapsel.« Sie tritt um den Schreibtisch herum.
»Brauche ich nicht … irgendwie Tickets?«
»Sind in ihren Personendokumenten hinterlegt, wie ich es ihnen eben gezeigt habe.«
»Ahja.« Mir wird mulmig zumute.
Ich befinde mich in einer neuen Zeit, in der die Menschen zwar Englisch sprechen, aber in einer Version, die ich noch nicht verstehe, in einer Welt, deren Regeln und Geographie ich noch nicht kenne und bin auf dem Stand der Technik von vor 500 Jahren. Ein echtes Fossil. Gleichzeitig bin ich wieder junge 35 Jahre alt.
Ich reibe mir über die Augen. Langsam wird es etwas viel.
Mrs Calae lächelt mich an und legt eine Hand auf meinen Unterarm. »Wenn sie nachher in der Langstreckenkapsel sind, können sie sich etwas ausruhen.«
»Okay, danke.«
»Kommen sie.«
Ich folge ihr auf den Gang. Wir fahren mit dem Aufzug, diesmal einem ganz normalen ohne Fensterscheibe, wieder einige Stockwerke nach oben. Dort angekommen führt sie mich auf eine Plattform. Mehrere Flugkapseln stehen bereit. Sie öffnet eine davon. »Okay, sie können einsteigen.«
Fragend sehe ich sie an. »Fliege ich alleine?« Mir wird ganz anders. Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass das alles ein Fehler war. Ich versuche, mich zu beruhigen, und atmete tief durch.
»Nur ein kleines Stück«, sagt Mrs Calae. »Öffnen sie ihren PM.«
»Hm?« Fragend sehe ich sie an.
»Das Personal Memo.«
Achso. Ich komme mir idiotisch vor. Smartphones mit Apps hatte es zu meiner Zeit schon gegeben. Dieses Ding hier wird wohl kaum schwieriger zu bedinen sein. Ich wische über den Bildschirm, wie früher über das Dislplay meines Spartphones.
»Genau«, bestätigt Mrs Calae mich. »Jetzt auf ›aktuelle Reise‹«.
Ich klicke. Ein buntes, psychedelisches Muster erscheint.
»Einfach hier an die Oberfläche halten.« Sie zeigte auf eine Stelle des Ablagebrettes vor mir, die durch ein rechteckiges Symbol gekennzeichnet ist.
Es piepst. »Philadelphia Long Distance Terminal«, sagt eine freundliche Computerstimme. »Schließen sie die Türen.«
Mrs Calae lächelt wieder ihr breites Lächeln. »Am LDT wird sie eine Mitarbeiterin von uns abholen und sie bis in ihre neue Wohnung begleiten. Alles gute für ihre Zukunft!« Mit den Worten schließt sie die Tür.
Die Kapsel gibt zweimal einen summenden Ton von sich, dann hebt sie, beinahe nicht spürbar, ab.
Ich fühle mich alles andere als sicher, alleine in diesem Ding. Aber es ist ja nicht für lang. Nur kurz. Ich spüre, wie sich meine Hände vor Aufregung in den Sitz krallen. Ich hasse es, keine Kontrolle zu haben.
»Nur eine kurze Strecke«, murmle ich vor mich hin.
Ich schließe die Augen.


Zu zweit fühle ich mich in diesen Flugkapseln gleich wohler. Am Long Distance Terminal – das in etwa eine Bushaltestelle für Flugkapseln ist, an der man von regionalen auf Fernkapseln umsteigt – hatte mich, eine junge Frau abgeholt und zu einer größeren Flugkapsel gebracht.
Sie hatte sich als Mrs Yiyen vorgestellt. Wir steigen senkrecht in die Höhe und nun traue ich mich, die Umgebung genauer zu betrachten, anstatt, wie in der kleinen Kapsel, nur ab und an einen Blick zu riskieren, um zu sehen, ob das Ziel schon in Sicht war. Unter uns bleibt die grüne Stadt schnell zurück.
Der Anblick des Umlands raubt mir erneut den Atem.
Was ich als grünes, fruchtbares Land kannte, ist nun auf der einen Seite überschwemmt – die Stadt und die umliegende Region wird durch einen massiven, meterhohen Damm geschützt – und auf der anderen Seite karges Grasland. Trockene Büschel recken sich aus den Rissen des ausgetrockneten Bodens. Wir fliegen ein Stück in nördliche Richtung an der Küste entlang.
»Sie kennen das hier noch anders, richtig?«
Ich nicke. »Was ist passiert?«
»Der Meeresspiegel ist angestiegen, und das Wasser ins Grundwasser gelangt. Das hat die ursprüngliche Flora nicht verkraftet. Zudem ist das Wetter hier immer extremer geworden. Wir haben sehr schöne, verregnete Sommer, in denen blüht hier draußen alles. Aber momentan leiden wir seit drei Jahren unter einer Dürreperiode.«
Ich lasse meinen Blick über das Land streifen. In der Ferne, im Meer, sehe ich ein paar Wolkenkratzer, die bis zum ersten oder zweiten Stockwerk im Wasser stehen.
»Ist das?«
»Es hieß New York zu ihrer Zeit. Lange haben sie sich gegen das Wasser behaupten können, doch dann ist einer der Dämme gebrochen. Philadelphia ist eine der wenigen Oasen, die hier an der Küste noch besteht.«
Fragend sehe ich sie an. »Oasen?«
»Oh. Entschuldigung. Das sind Städte, die in eigentlich lebensfeindlicher Umgebung bestehen können.«
Da fällt mir noch etwas anderes ein, was ich auf der Karte in Mrs Calaes Büro gesehen hatte. »Auf der Karte im Reisebüro waren einige Gegenden rot markiert. Sind das diese lebensfeindlichen Areale?«
»Oh«, verlegen sah sie zum Fenster raus. »Nein. Das sind die verbotenen Zonen.«
»Und das bedeutet?«
»Der Atomkrieg. Die roten Gegenden waren entweder Testgebiete für Waffen oder Kampfgebiete.«
Ich spüre, wie sich mein Magen zusammenzieht. Atomkrieg. Schon zu unserer Zeit gefürchtet, oft vorhergesagt und dann doch nicht eingetroffen. Im vierten Weltkrieg hatten sich die Nationen immerhin so weit verständigt, dass Atomwaffen kaum zum Einsatz gekommen waren. Inzwischen war es so weit und die Folgen waren anscheinend schlimmer, als wir sie uns damals hätten ausmalen können.

Ich komme mit meinen Überlegungen nicht weit, da zieht eine seltsame Formation unter uns meine Aufmerksamkeit auf sich. Sie sieht aus wie ein riesiger Pilz, der sich aus der Erde erhebt. »Was ist das da unten?«
Mrs Yiyen blickt hinunter. »Oh, das sind Nomaden.«
Wieder blicke ich sie fragend an.
»Aussteiger. Sie leben hier draußen, fast ohne Strom, als Protest gegen den Kapitalismus und die Industrie. Wenn sie mich fragen, sind sie damit ein wenig arg spät dran. Jetzt ist es, wie es ist. Vor 700 Jahren hätte das vielleicht noch was geändert. Aber heute?«
Beim Anblick dieser weitreichenden Zerstörung drängt sich mir eine ganz andere Frage auf. »Wie viele Menschen gibt es auf der Welt?«
»2,5 Millionen.«
»Und … und die anderen?« Meine Stimme überschlägt sich. »Also ich meine … wir waren mal über 11,8 Milliarden.«
»Atomkrieg, Klimaflucht, Seuchen, Reproduktionsregulationsprogramme … Das werden sie alles auf ihren Schulungen lernen.«
Im Moment ist ich mir nicht sicher, ob ich das alles wissen will. Mir wird schlecht. Wir waren doch so kurz davor gewesen. Der CO2 Ausstoß war eingedämmt, nachhaltige Energiegewinnung war beinahe flächendeckend möglich gewesen. So vieles, was die Generationen vor uns versäumt hatten, hatten wir wieder geradegebogen. Es hatte so verdammt gut ausgesehen. In meinem Kopf rasten die Gedanken. Wie hatte das passieren können. Was hätten wir damals noch alles anders machen können? Was hätte ich anders machen können?
Eine Weile ist es ruhig zwischen uns. Dann reißt Mrs Yiyen mich erneut aus meinen Gedanken. »Erzählen sie mir von den Eisbären.«
»Eisbären?«
»Ja. Sie haben doch sicher noch welche gesehen.«
»In Zoos, ja. Schöne Tiere, imposant. Wenn sie jung sind, sehen sie aus wie kuschelige Teddybären. Dann entwickeln sie sich zu großen, mächtigen, gefürchteten Jägern. Es gab viele Auswilderungsprogramme damals, in der Hoffnung, ihren Bestand retten zu können.«
»Das muss toll gewesen sein mit dieser Artenvielfalt damals.«
Ihre Worte treffen mich, doch ich frage nicht nach. Noch mehr Hiobsbotschaften über unseren Planeten kann ich heute nicht mehr verkraften.

Dann, endlich, nach einer halben Ewigkeit über trockenem Boden, kommen saftige grüne Wiesen und Wälder in Sicht. Ich setze mich auf und richtete meinen Blick wieder nach unten. Dörfer und Städte ziehen unter uns her. Ich lächle. Ein Stück Normalität, wie ich sie kenne.
»Willkommen im Norden der A-Zone. Früher Kanada.«
Wenig später kommt die Küste in Sicht, davor eine riesige Metropole. »Ist das?«
»Ja, Portland. Ihre neue Heimat.«
Hier gibt es zu meiner Erleichterung keinen Damm, das Meer kommt ein paar Kilometer weiter, hinter einem – vermutlich aufgeschütteten – Sandstrand in Sicht. Flugkapseln umschwirren die Stadt, überqueren einige hundert Meter unter uns das Land.
Wir landen und steigen wieder in eine kleine Kapsel um. Ich bin inzwischen so müde, dass ich von dem Flug durch meine neue Stadt nicht mehr viel mitbekomme.
Wir landen auf der Plattform eines Wolkenkratzers und Mrs Yiyen begleitet mich bis zu meiner Haustüre, die sich ebenfalls mit meinem PM öffnen lässt.
»Sie werden in ihrer Wohnung alle nötigen Informationen sowie eine Erstausstattung finden. Ich wünsche ihnen alles Gute für ihre Zukunft. Über unseren Voice Service steht ihnen jederzeit jemand zur Verfügung, wenn sie Hilfe brauchen.«
Wie benommen betrete ich meine neue zwei Zimmer Wohnung und lasse mich auf mein Bett fallen. »Willkommen in ihrem neuen Zuhause«, begrüßt mich eine freundliche Stimme und beginnt, mir die einzelnen Funktionen der Wohnung zu erklären. Kurz versiche ich, den Ausführungen zu folgen, doch schon nach wenigen Sekunden gebe ich auf, schließe die Augen und döse vor mich hin. Irgendwie werde ich das Ding schon dazu bekommen, mir das alles nochmal in Ruhe zu erklären.Mir schwirrt der Kopf. Die Erlebnisse des heutigen Tages reichen wohl für ein ganzes weiteres Leben. Dabei bin ich gerade erst dabei, mein Zweites zu beginnen.

Diesen Monat waren dabei:

Nicole Vergin

Rina

Veronika

Corly

Surf your inspiration

Das Thema für den 01.01.2019 ist: Das Märchen der guten Vorsätze

Wer Lust auf ein Weihnachtsspecial hat: Das Thema für den 24.12.2018 ist: Die Sache mit dem Rentier

Schreibkick #59: Herbstmomente

Veröffentlicht am von 8 Kommentare

Hallo ihr lieben,

das Thema diesen Monat war „Herbstmomente“. Ich hatte eine nette kleine Geschichte geplant, bin aber nicht dazu gekommen, sie zu schreiben. Daher gibts von mir wieder nur ein paar kleine haikuartige Zeilen.

Herbstmomente

Bunte Farbenpracht
Nebel hüllt das Schauspiel ein
Versteckte Freude

Blätter fallen
Stetig auf den Boden zu
Vom Wind verweht

Diesen Monat waren dabei:
Christine Rieger
Rina
Frau Vro
Corly

Das Thema für den 01.12.2018 ist: Zeitkapsel

Und falls jemand Lust auf ein Weihnachtsspecial hat, lautet das Thema: Die Sache mit dem Rentier

 

Kategorie: Schreibkick-Texte

Schreibkick #58: Freundschaft

Veröffentlicht am von 2 Kommentare

Hallo ihr,

hier ist mein Schreibkick zum Thema „Freundschaft“. Es ist wieder ein Songtext.

Übringens muss ich euch Schreibkickern mal sagen, wie cool ich das finde, dass ihr euch alle so super untereinander verlinkt, auch wenn ich nicht rechtzeitig fertig bin. Das finde ich klasse!!! Ihr seid toll <3

Bunter Regenschirm

V1:
Wir trafen uns im Nieselregen,
waren uns sogleich vertraut,
tauschten innigste Gedanken.
Die Wolken über uns klarten auf.
Der Dunst verweht von einer Brise,
rannten wir durch Sommerwiesen
immer schneller der Sonne entgegen

Refrain:
Gemeinsam trotzen wir dem Wetter,
ob Sonne, Hagel oder Sturm,
tropft es auch auf Rosenblätter
tanzen wir weiter,
dank unsrem bunten Regenschirm

V2:
Ein Gewitter braute sich zusammen,
Blitze zuckten über dir.
Du warst durchnässt, durchgefroren,
ich bahnte mir den Weg zu dir.
Zusammen sitzen wir im Regen,
unter unsrem bunten Schirm,
bis der Sturm vergeht.

Refrain:
Gemeinsam trotzen wir dem Wetter,
ob Sonne, Hagel oder Sturm,
tropft es auch auf Rosenblätter
tanzen wir weiter,
dank unsrem bunten Regenschirm

V3:
Ich sitz in meiner dunklen Höhle,
draußen tobt und kracht der Sturm,
der Schirm steht in der dunklen Ecke,
allein trau ich mich eh nicht raus.
Der Bach bringt eine Flaschenpost,
ich öffne sie, beginn zu lesen,

Bridge:
Du schreibst, dich stört das kalte Wetter,
denn, der Hagel tut dir weh,
bleibst lieber auf der schönen Wiese,
traust dich nicht durch den Sturm zu mir

Refrain:
Alleine trotze ich dem Wetter,
ob Sonne, Hagel oder Sturm,
tropft es auf die Rosenblätter,
gehe ich weiter,
mit meinem bunten Regenschirm.

Diesen Monat waren dabei:
Veronika
Nicole Vergin
Klatschmohnrot
Rina P.
Corly

Das Thema für den 1.11.2018 ist: Herbstmomente

Schreibkick #57: (kalter Kaffee und) warme Limonade

Veröffentlicht am von 3 Kommentare

Hallo ihr lieben,

ich habe meinen Text (halbwegs) fertig, auch wenn ich mit einigen Stellen noch nicht ganz zufrieden bin. Ich habe ja den Schreibkick im August verpasst, für den Nicole noch schnell ein Thema vorgeschlagen hatte (kalter Kaffee). Daraufhin hatte ich für den September ein Thema ausgewählt, das dazu passt, so dass man sie auch mixen kann. Genau das habe ich getan und es ist ein Songtext draus geworden.
Angefangen hat alles mit dem Gedanken, dass ich kalten Kaffee ganz gerne mag und Limonade muss für mich auch nicht eisgekült sein, sondern darf gerne Zimmertemperatur haben. Also kam mir der Gedanke, dass sich das ganze für ein Liebeslied eignen könnte, in dem es darum geht, dass man in den Schwächen des Anderen auch Stärken sehen kann (kalter Kaffee macht schön….). Das Ergebnis, wie ihr unten lesen könnt, ist eher … naja… äh… ein sehr ironisches Liebeslied.

Ich hatte ja ein paar Hintergrundinfos versprochen, als Entschädigung, weil ich schon wieder zu spät dran bin 😀 Also los gehts…

Ich sammle meistens erstmal Ideen. Unten sehr ihr die Doppelseite aus meinem Notizbuch (ihr seht, ich gehöre nicht zu denen, die aus dem Notizenschreiben einen Schönheitswettbewerb machen 😉 ). Die ist nicht auf einmal entstanden, sondern zu mehreren Zeitpunkten über drei Tage hinweg. Die Ideen sind noch vollkommen unsortiert. Zu dem Zeitpunkt weiß ich oft schon, was vermutlich zum Refrain werden wird und was in die Strophen passen könnte. Das heißt aber nicht, dass ich alles aufnehme. Die Zeile mit den Engelsflügeln vom Kostümverleih (rechts oben) hat es z.B. nicht in den fertigen Text geschafft.

Für Ideen, die ich gut finde, aber keinen Reim habe, obwohl ich dringend einen bräuchte, mache ich dann ein worksheet. Das sieht so aus:

In der Zeile mit dem Baum wusste ich nicht weiter. Ich wollte das Bild gerne behalten, wusste aber nicht, wie ich weitermachen könnte. Also habe ich im Reimlexikon Wörter gesucht, die passen könnten. Zunächst hatte mich nichts überzeugt, also wollte ich aus „umgefallener Baum“ einen „abgerissenen Ast“ machen. Aber auch das hat mich nicht überzeugt. „Vertrauen“ hat für mich an der Stelle gepasst, doch in der ersten Version von dem Satz habe ich es nicht unterbekommen. Aber manchmal sieht man halt den Wald vor lauter Bäumen nicht… nachdem ich einfach den Satz ein wenig umgebaut habe, passt es nun.

Dann sortiere ich am PC meine Ideen. Dafür nutze ich das Boxen-System, das ich in einem Songwritingkurs von Pat Pattison auf coursera.org gelernt habe (damals war das alles noch gratis, jetzt, glaube ich, leider nicht mehr). Dabei soll der Refrain mit jedem Mal an Bedeutung gewinnen, oder diese verändern.

Meine Boxen für den Song könnten so aussehen (Ich formuliere das nie aus, sondern habe das nur so für mich im Hinterkopf):

Box1: Wir sind wirklich nichts besonderes, keiner will uns haben, es gibt wirklich bessere.

Box2: Aber hey, wir haben auch unsere Vorteile, sooo schlecht sind wir garnicht.

Box3: Eigentlich finden wir uns sogar ziemlich cool und wollen garnichts anderes.

In dieses System sortiere ich dann meine Ideen, schmeiße unpassende raus, finde neue, die besser passen und sortiere in Refrain, Strophen und Bridge.

Das Ergebnis sieht dann in diesem Fall so aus:

Kalter Kaffee und warme Limonade

V1:

Ich bin der schwächste Stern am Firmament,
das Licht, das nur sacht flackernd brennt
keine Woge der Begeisterung,
sondern nur ein leises Plätschern

Du bist ein super sanftes Liebeslied
Das vor Klischees nur so trieft,
meine bessre Hälfte,
doch das ist auch nicht schwer.

Chorus:

Wir sind wie kalter Kaffee und warme Limonade
Garicht mal so übel, aber keiner will uns haben.
Zur Not gerade recht,
doch von zu viel wird dir schecht.
Wir ham uns arrangiert
und sind recht lange schon liiert.

V2:

Ich bin kein Fels in einer Brandung,
nur ein umgefallener Baum,
doch hältst du dich gut fest,
kannst du mir durchaus vertrauen.

Du hast keine große Yacht,
dafür ne Luftmatratze.
Du holst mich mit dem Fahrrad ab,
ziemlich Kamikaze.

Chorus:

Wir sind wie kalter Kaffee und warme Limonade
Garicht mal so übel, aber keiner will uns haben.
Zur Not gerade recht,
doch von zu viel wird dir schecht.
Wir ham uns arrangiert
und sind für immer liiert.

V3:

Ich mit einem Sahnehäubchen,
das gefällt dir doch, mein Täubchen.
Ne Kugel Eis dann noch dazu
Darauf stehst du, gib es zu!

Und auch aus dir kann man was machen:
Ein bisschen Zimt, ein bisschen Apfel,
und nen Schlückchen noch vom Rum,
schon schlagen sich alle drum.

Bridge:

Die schwäbische Alb ist unser Hawaii,
Die Karaoke Bar unser Oscar-Verleih.
Berlin unser New York,
Balkon der Lieblingsort.
Du bist die Mittelmaß-Meisterklasse,
drum weiß ich, dass ich zu dir passe.

Chorus:

Wir sind wie kalter Kaffee und warme Limonade
Garicht mal so übel, aber keiner will uns haben.
Zur Not gerade recht,
doch von zu viel wird dir schecht
Wir ham uns arrangiert
und sind sehr glücklich liiert.

🙂 So, ich hoffe, der Text gefällt euch und ihr konntet mit den kleinen Hintergrundinfos was anfangen.

Liebe Grüße,
Sabi

Diesen Monat waren dabei:
Nicole
Frau Vro

Das Thema für den 01.10.2018 ist: Freundschaft

Schreibkick #55: Monster / #56: kalter Kaffee

Veröffentlicht am von 6 Kommentare

Hallo ihr lieben,

ich bin die letzten Wochen zu nichts gekommen, da ich viel zu tun hatte und dann im Urlaub war. Daher kommt hier nun mein Nachtrag zum Schreibkick Monster.
Nicole hat kurzfristig per Facebook noch ein Thema für den 1.8. vorgeschlagen: kalter Kaffee

Das Schlaflied habe ich vor Jahren mal für eine Anthologie geschrieben, die ich dann nicht fertiggestellt habe. Das war eines meiner ersten Projekte, an das ich noch ziemlich planlos rangegangen bin 🙂

Schlaflied

Schau nur die liebe Sonne färbt den Himmel ganz rot
Bald funkeln die vielen Sterne und es lächelt der Mond
Dann fallen deine Äuglein zu, im Bettchen so weich
Und du wanderst hinüber in dein kleines Träumereich

Und auch die Monster unterm Bett
Sind doch eigentlich ganz nett
Und singen mit uns das Schlaflied

Und dann in deinem Traumland erlebst du ganz viel
Du triffst auf liebe Elfen und ein zahmes Krokodil
Einen König rettest du vor einem Drachen mit dem Schwert
Und du wirst von ihm zu neuen Helden erklärt

Und auch das Monster aus dem Schrank
Braut an einem Liebestrank
Und singt mit uns das Schlaflied

Am Morgen geht dann die Sonne ganz langsam wieder auf
Du erwachst aus deinen Träumen und bist schon gut drauf
Der Mond winkt ein letztes Mal zum Abschied dir zu
Und verschwindet hinter den Wiesen im Morgengrau

Und sogar das Monster in der Küche
Freut sich auf seine Müslischüssel
Und singt mit uns das Schlaflied

Und alle Monster in der Wohnung
Finden singen voll in Ordnung
Und singen mit uns das Schlaflied

„Monster“-Geschichten:
Veronika
Rina

„kalter Kaffee“-Geschichten:
Nicole
Veronika
Rina

Das Thema für den 01.09.2018 ist: warme Limonade
Wer mag, kann auch mit dem Thema von Nicole kombinieren: warme Limonade und kalter Kaffee

 

Schreibkick #54: Dumme Fee bei Licht & DSGVO

Veröffentlicht am von 4 Kommentare

Hallo ihr lieben,

wiedermal ist Schreibkick-Zeit. Und wie ihr seht, gibt es meinen Blog noch. In den letzten Wochen (bzw. am 25.05.2018) haben viele ihre Blogs geschlossen, da die DSGVO zu viele Unsicherheiten für viele Autoren mit sich bringt, was ich sehr schade finde. Auch ich war ziemlich beschäftigt damit, Hilfeartikel für Blogger zu lesen, da ich mit den Gesetzestexten nicht allzu viel anfangen kann. Ich habe versucht, mich so gut wie möglich in die Thematik einzuarbeiten und die Empfehlungen bezüglich Plugins, Fonts, Social Media Buttons usw. zu befolgen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.
Warum ich das hier schreibe? Das Ganze war doch recht zeitaufwändig und auch wenn ich dieses Mal wirklich rechtzeitig angefangen habe meinen Schreibkick zu planen, konnte ich erst heute früh anfangen zu schreiben. Daher gibt es hier nun den Teil, den ich bisher habe, die Fortsetzung folgt dann entweder im Laufe des Monats oder zum 01.07.2018, wenn ich einen Weg finde, das aktuelle Thema in die Geschichte einzuarbeiten 🙂
Beim letzten Mal gab es mehrere Themen vom Buchtitelgenerator zur Auswahl. Ich habe „Dumme Fee bei Licht“ gewählt.

Dumme Fee bei Licht

»Schau mal hier!«, rief Bastian von weiter oben. Er stand am Abhang, halb versteckt hinter einem Baum, doch ich konnte noch sehen, dass er auf eine Stelle am Erdhang vor sich zeigte.
»Was ist denn da?«, fragte ich.
»Ich glaube, da gehts rein. Irgendeine Höhle oder so.«
»Bist du dir sicher?«
»Ja. Man sieht das Loch nur von hier aus.« Er lehnte sich nach vorne und versuchte wohl, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. »Da ist Licht, glaube ich.«
»Kann nicht sein!« Mein Bruder versuchte wohl, wie so oft, mich reinzulegen. Wenn ich bei ihm angekommen war, würde er mir vermutlich Matsch ins Gesicht schmieren und mich dafür auslachen, dass ich ihm auf den Leim gegangen war.
»Doch!«
Er schien wirklich aufgeregt.
»Warte auf mich.« Hastig kletterte ich weiter nach oben. Eigentlich hatten wir bis auf den Hügel hinauf klettern wollen, in der Hoffnung, von dort einen guten Überblick über den Wald zu haben. Dort wollten wir dann unser Lager errichten. Wir spielten Räuber und brauchten ein gutes Versteckt mit weiter Sicht, um unsere Beute ausfindig machen zu können. Aber eine Höhle wäre natürlich noch besser. Von der Höhe, auf der Bastian sich befand, musste man auch schon einiges sehen können.
Die Erde unter mir war glitschig. Ständig rutschte ich ab, konnte mich aber immer wieder fangen. Mit schlammverschmierten Händen kam ich bei ihm an. Er streckte mir seine ebenfalls dreckige Hand entgegen und half mir die letzten Schritte nach oben, bis auf ich auf den Wurzeln des Baumes Halt gefunden hatte.
»Da, schau.«
Ich folgte seinem Blick. Da war tatsächlich ein Höhleneingang, sehr schmal und von irgendwelchen Büschen gut verdeckt.
»Wenn du dich ein bisschen vorbeugst, sieht es aus, als ob da ein Licht an den Wänden schimmert.«
Misstrauisch sah ich ihn an. Doch das Funkeln, das er sonst in seinen Augen hatte, wenn er mich reinlegen wollte, konnte ich nicht entdecken. Er sah ziemlich ernst aus.
»Okay, aber schubs mich nicht, ja?«
»Nein. Keine Sorge.«
Ich lehnte mich nach vorne, schob ein paar Äste zur Seite und blickte hinein. Der Gang war schmal, aber krabbelnd könnten wir hineinpassen. Doch in ein paar Metern Entfernung sah es so aus, als würde die Höhle einen Knick machen. Dort war tatsächlich ein leichter Lichtschein an den Wänden auszumachen. Oder bildete ich mir das nur ein? Ich kniff meine Augen zusammen, um besser sehen zu können. Doch es half nichts, ich war mir nicht sicher.
Vorsichtig richtete ich mich wieder auf. »Das Licht kommt bestimmt von der anderen Seite«, versuchte ich, die Situation logisch zu erklären.
»Das kann nicht sein. Gugg doch mal, wie groß der Hügel ist. Niemals scheint das Licht von der anderen Seite so weit.«
»Oder da ist ein Loch von oben.«
Wir beide richteten unseren Blick zu unserem ursprünglichen Ziel.
»Nein«, meinte Bastian auch diesmal. »Auch zu weit.«
Ich zuckte mit den Schultern. »Irgendeine logische Erklärung wird es schon geben.«
»Was, wenn da drinnen jemand wohnt?«, flüsterte Bastian.
Mit zusammengezogenen Augenbrauen sah ich ihn an. »Ja genau. Und der Osterhase bringt die Eier.«
»Mach dich nicht über mich lustig«, meinte Basti halb beleidigt.
»Schon gut. Mach ich ja nicht.«
Ich seufzte. »Und was machen wir jetzt?«
»Na wir gehen rein«, meinte er.
»Bist du dir sicher?«
»Hey, wir sind Räuber, die ein Versteck brauchen, richtig? Was gibt es besseres als eine Höhle.«
»Ja, aber das ist ein Spiel. Was wenn da wirklich wer drin ist?«
»Ach was.«
Basti schob sich an mir vorbei und kletterte durch die Büsche hindurch in den Spalt. Kurz darauf war er ganz darin verschwunden.
»Kommst du?« Hörte ich ihn gedämpft rufen. So ein Idiot.
Genervt kletterte ich hinterher. Die Erde unter meinen Fingern war kühl und feucht. Es roch nach Regen und Schlamm. Ich spürte, wie an meinen Knien Feuchtigkeit durch die Jeans dran. Das würde Ärger geben, wenn wir nachhause kamen.
Ich begann zu zittern, als ich vollständig in die Höhle geklettert war und konnte nicht sicher sagen, ob vor Aufregung, oder aufgrund der Kälte, die hier herrschte. Bastian war nur ein Schemen vor dem schwachen Lichtschein. Er krabbelte Stück für Stück vorwärts.
»Warte!« Zügig versuchte ich, aufzuschließen. Ich wollte hier drin nicht alleine sein.
Als Basti an der Biegung ankam, hielt er an. »Wow«, hörte ich ihn flüstern. »Das ist ja … komm schnell Margret.«
»Was ist denn?« Meine Stimme klang höher als sonst, dabei wollte ich mir meine Angst nicht anmerken lassen. Als ich ebenfalls an der Stelle ankam, blickte ich über seine Schulter hinweg. Der Gang wurde breiter und höher, in einiger Entfernung waren glühende Lichter zu erkennen. Das Erdreich an den Wänden der Höhle schien durchlöchert und zwischen diesen Löchern schwirrten kleine Wesen umher. Ich konnte nicht erkennen, was es für Tiere waren.
»Komm, lass uns da hin!«
»Nein.« Ich hielt meinen Bruder an der Schulter zurück.
»Ach Maggie, sei nicht so ängstlich. Die sind doch winzig.«
Ich hasste es, wenn er mich Maggie nannte. »Ja, aber vielleicht können sie stechen. Erinnerst du dich, als Sophie letztes Jahr allergisch auf den Wespenstich reagiert hat? Die wäre beinahe gestorben.«
»Ach Quatsch, so schnell stirbt man nicht. Und das sind doch keine Wespen.«
»Eben. Aber wir wissen auch nicht, was das dann für Viecher sind. An manchen Stichen kann man sterben.«
»Ja. Aber hier in Deutschland doch nicht. Irgendwo in Afrika oder Australien vielleicht.«
Ich rollte mit den Augen. »Vielleicht sind die da ja neu hier?«
»Blödsinn. Ich gehe hin.«
Bastian riss sich von mir los, krabbelte ein Stück vorwärts und richtete sich dann in der Höhle auf.
»Mist.« Ich tat es ihm gleich. Um nichts in der Welt wäre ich alleine in dem dunklen Teil der Höhle zurückgeblieben.
Vorsichtig traten wir weiter in den beleuchteten Raum hinein. Noch immer konnte ich nicht erkennen, was genau die Lichter an den Wänden waren. Wir waren nun um einiges näher an den fliegenden Wesen dran, als diese plötzlich aufhörten, zwischen den Löchern in der Wand umherzufliegen. Sie verharrten in der Luft und wandten sich uns zu. Dann kamen sie näher. Mein Herz begann zu rasen. Ich erkannte, dass es winzige menschenähnliche Kreaturen mit Flügeln waren. Feen oder sowas. Basti hob abwehrend die Hände vor das Gesicht, beide wichen wir einige Schritte zurück. Jetzt konnte ich erkennen, dass manche von ihnen winzige Speere in den Händen hielten. Damit würde sie uns wohl kaum ernsthaft verletzen können. Außer, sie waren vergiftet.
Innerhalb weniger Sekunden waren wir umzingelt. Hunderte kleiner Körper umschwirrten uns. Ich zuckte zusammen, als einer von ihnen mich mit seinem Speer pikste, aber ich traute mich nicht, nach ihm zu schlagen. Ich hatte Angst, dass dann die ganze Meute auf uns losgehen würde.
Eine der Feen verharrte zwischen uns in der Luft.
»Was tut ihr hier?«
Ihre Stimme war hoch und klang wie das Kratzen auf der Tafel in der Schule.
Ich war starr vor Angst und nicht in der Lage, zu antworten.

Das Thema für den 01.07.2018 ist: Monster

Diesen Monat waren dabei:
Eva (Asche)
Veronika (Die fragenden Lippen in der Burg)
Rina P. (Dumme Fee bei Licht)

Schreibkick #53: Vorfreude auf Sommergenüsse

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Hallo ihr lieben,

hier mein kleiner Schreibkick für diesen Monat:

Barfuß im Gras

Ich sitze auf dem grasbewachsenen Hang,
mit Blick in Richtung Horizont, zum Sonnenuntergang.
Der warme Tag neigt sich dem Ende,
taucht die Welt in warmes Rot.
Ganz langsam vollzieht sich dann die Wende,
der Schatten der Nacht schreitet fort.
Mein erster Sommertag ist Vergangenheit,
ich bin für viele weitere bereit.
Und werden die nächsten Tage auch kühl und nass,
macht das nichts, ich habe Zeit.
Irgendwann sitze ich wieder hier, barfuß im blühenden Sommergras.

Diesen Monat waren dabei:
Nicole Vergin
Eva
Monika Krampl (facebook)
Veronika
Rina

Das Thema für den 01.06.2018 ist mal wieder was besonderes. Ich habe den Buchtitelgenerator Titel generieren lassen. Die sechs Ergebnisse seht ihr unten. Da ich mich nicht entscheiden konnte, dürft ihr gerne euer Thema auswürfeln oder euch eines aussuchen (Ich glaube „Dumme Fee bei Licht“ ist gerade am beliebtesten :D).

Stürmische Geschichten

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Hallo ihr lieben,

in den letzten Wochen und Monaten haben wir von den Wortstürmern liebevoll etwas für euch „gebastelt“. Eine wunderhübsche Anthologie, in der es ganz schön windig wird.
Ab heute ist sie endlich zu haben. Und zwar ganz und gar gratis. Also nutzt die Gelegenheit, ein paar tolle neue Autoren kennenzulernen und euch von den Winden in unentdeckte Gefilde wehen zu lassen.

 

Worum geht es?

Wenn Äste sich im Wind biegen, Häuser knarren, Blätter wirbeln oder zuhause die Fetzen fliegen, sind stürmische Zeiten angebrochen. In diesen Geschichten wird es turbulent, magisch und äußerst windig. Also haltet euch fest und zieht eure winddichten Jacken an.
Dass man auch bei einem Betriebsausflug nicht vor Sturm gefeit ist, muss eine junge Angestellte feststellen, während ein Seemann noch nicht mal im Mindesten ahnt, wie schicksalhaft die (nicht-)Einhaltung eines Versprechens sein kann. Ein rätselhafter Fremder hat die Fähigkeit Träume zu beeinflussen und eine Junghexe muss sich auf eine gefährliche Reise begeben, um sich zu beweisen. In einer Mühle wird kein Mehl gemahlen, stattdessen befindet sich darin etwas Magisches. Vea wird von ihrem Vater endlich als Tochter anerkannt, doch die Freude währt nicht lange, während Melissa durch einen Autounfall auf ein Piratenschiff katapultiert wird.
Bei diesem Wetter ist einfach alles möglich … haltet eure Regenschirme bereit!

Es haben sich sieben tolle Autorinnen mit einer Geschichte beteiligt:

Stürmischer Betriebsausflug – Lotte R. Wöss
Ein Betriebsausflug ist leicht zu organisieren, denkt Petra. Doch mit dem Sturm, der danach über sie hinwegfegt, hat sie nicht gerechnet.

Versprechen sollte man halten – Jeanette Lagall 
Ein Seemann kämpft lange mit sich, ob er das einem Freund gegebene Versprechen einhalten soll oder nicht. Doch die Entscheidung ist schicksalhaft.

Der Albtraumjäger – Melike Yasar 
Eine junge Frau, die seltsame Träume erlebt, begegnet eines Tages einem Mann, der diesen Träumen Einhalt gebietet. Doch wer ist dieser Mann, der mysteriös zu sein scheint und woher kommt er?

Sturm – Anja Berger 
Für Vea geht ein Traum in Erfüllung, als ihr Vater sie offiziell als seine Tochter anerkennt. Die Realität holt sie jedoch rasch ein, als sie begreifen muss, dass dies nicht aus Liebe geschah. Der neue Herrscher des Landes verlangt ein Kind jedes adeligen Hauses als Geisel, um das Wohlverhalten der Fürsten sicher zu stellen …

Der Spiegel der Verdammten – Lisa Darling 
Um dem Hexenrat beitreten zu dürfen, muss die Junghexe Esther eine gefährliche Reise antreten, von der vor ihr niemand je wieder gekehrt ist.

Die Windmühle – Sabi Lianne 
Ronisa ist auf der Suche nach einer Lehre und entscheidet sich für die geheimnisvolle Mühle, vor der sie schon ihre Großmutter gewarnt hat. Schnell stellt sie fest, dass dort kein Mehl gemahlen wird.

Das Meer der Angst – Karin Kaiser
Ein Autounfall katapultiert Melissa in eine völlig andere Welt – auf ein Piratenschiff, dessen Kapitän John Darrow ihr verkündet, er bringe sie auf eine geheimnisvolle Insel, wo über ihr weiteres Schicksal entschieden wird. Eine abenteuerliche Reise beginnt …

Kategorie: Alltägliches

Schreibkick #52: Sanfte Frühlingslüftchen und eisige Winde

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Hallo ihr lieben,

es ist wieder so weit: Schreibkick-Zeit! Den letzten habe ich verpasst, aber ich habe es zeitlich einfach nicht geschafft obwohl ich schon eine Idee hatte.

Dafür wünsche ich euch jetzt aber viel Spaß beim aktuellen Schreibkick. Danke Eva für das Thema!

Ach ja: Frohe Ostern euch allen!!!

Sanfte Frühlingslüftchen und eisige Winde

Ich lief über die kantigen Klippen der Insel, darauf bedacht, nicht an einer der scharfen Spitzen hängenzubleiben. Unter mir donnerte das Meer gegen den Stein. Hin und wieder benetzten zarte Tropfen der Gischt mein Gesicht und meine dunkelbraunen, schulterlangen Haare. Ich mochte das Gefühl des frischen Sprühnebels auf meine Haut.
Ich sah mich um, ließ meinen Blick über den Fels, das öde Grasland und das Dorf, welches ich in weiter Ferne nur noch erahnen kommte, schweifen. Niemand war zu sehen. Ich war ganz alleine.
Erleichtert ließ ich mich auf einem etwas abgerundeten Felsen nieder und zog das bunte Windrad, das meine kleine Schwester einige Wochen zuvor in der Schule gebastelt hatte, aus meinem Umhang. Dann stellte ich es in eine Kerbe im Felsen und befestigte es mit herumliegenden Steinen so, dass es mit der Vorderseite in meine Richtung zeigte. Es begann augenblicklich, sich im leichten Abendwind langsam zu drehen.
»Also gut, dann mal los«, murmelte ich vor mich hin und versuchte, mich zu konzentrieren. Ich spürte den Wind in meinen Haaren, wie er sie sanft umspielte, ganz zart an meinem Umhang, der einen Großteil davon abfing und ließ ihn durch meine leicht geöffneten Finger streichen. Dann führte ich in meiner Vorstellung alles zusammen. Ich hätte niemandem erklären können, was ich da tat und wie es funktionierte. Ich machte es einfach. Es war, als würde sich der Wind in meinem Körper verfangen, wie in einem Netz und als könnte ich den gesammelten Wind dann zielgerichtet wieder ausströmen lassen.
Ich richtete meine Hände auf das Windrad und konzentrierte mich darauf. Der Wind strömte langsam, aber immer sicherer durch meine Handflächen. Er fühlte sich kühler an, als die mich umgebende Luft. Fast eisig, doch es tat nicht weh.
Das Windrad drehte sich schneller und immer schneller, je besser ich die Windenergie kanalisieren konnte. Ich lächelte in mich hinein. So leicht war es mir noch nie gelungen. Ich versuchte, die Strömung weiter zu verstärken, doch das Rad drehte sich nur rückartig schneller, wenn es mir gelang, einzelne, stärkere Böen auszustoßen. Auf einmal traf mich eine warme, sommerliche Bö am Hinterkopf. Erschrocken hielt ich inne und ließ meine Hände sinken. Sofort wurde das Windrad vor mir langsamer. Ein solch warmer Wind passte nicht hierher. Ich wirbelte herum. Wenige Meter hinter mir stand ein blonder Junge mit Sommersprossen auf den Wangen und grinste mich an. Er musste ungefähr in einem Alter sein: Zehn oder elf.
»Du kannst es also auch«, stellte er fest.
Ich runzelte die Stirn. »Was meinst du?«
Bisher hatte ich niemandem von meinen neuen Fertigkeiten erzählt.
»Das mit dem Wind«, sagte er, als wäre es etwas ganz Alltägliches.
Nachdenklich biss ich mit auf die Unterlippe. Ich überlegte, woher ich den Jungen kannte. »Du bist der Sohn vom Bäcker, oder?«
»Ja. Ich heiße Iskar.«
»Und du kannst auch den Wind lenken?«
Die Sache gefiel mit nicht. Bisher war ich die Einzige gewesen, die das konnte. Und das war was Besonderes. Ich hatte etwas nur für mich. Was, wenn nun jeder diese Fähigkeiten entwickeln würde? Außerdem hatte ich nun einen Mitwisser, von dem ich nicht wusste, ob ich ihm trauen konnte. Meine Oma erzähle mir immer wieder Geschichten aus grauer Vorzeit, in der Hexen gejagt und verbannt wurden. Inzwischen gab es angeblich keine Magie mehr in der Welt und ich wollte sicherheitshalber erst richtig gut werden, bevor ich jemandem davon erzählte.
Iskar nickte auf meine Frage hin. »Ich habe es im Winter gemerkt, als in unserem Haus zwar das Feuer im Kamin brannte, ich auf dem Sessel gegenüber aber trotzdem noch fror. Da wünschte ich mir, die warme Luft würde zu mir rüber wehen. Und das tat sie dann auch. Ich dachte zuerst, es sei ein Windstoß gewesen, doch zum Spaß probierte ich es immer weiter aus und es klappte.«
»Hast du irgendwem davon erzählt?« Meine Stimme klang drohender, als ich es beabsichtigt hatte.
Iskar verzog das Gesicht. »Nur meiner Zwillingsschwester, aber die hat mir nicht geglaubt und mich ausgelacht. Sie hielt es für einen meiner Streiche.«
»Gut. Dann sag es auch keinem!«
»Von dir brauche ich mir garnichts sagen zu lassen.«
Da hatte er Recht. Trotzdem machte mich sein freches Grinsen wütend.
»Früher wurden Hexen verbrannt. Ich will nicht auf dem Scheiterhaufen landen.«
Jetzt lachte Iskar. »Ja, früher. Aber hier auf der Insel kennen sich doch alle, also warum sollten sie uns verbrennen. Und selbst wenn wir auf dem Scheiterhaufen landen, dann pusten wir das Feuer eben mit unserer Magie wieder aus, wie eine Kerze.« Er machte ein paar wilde Gesten, die offenbar darstellen sollten, wie er das Feuer mit seiner Windmagie ausblies.
»Du überheblicher Schwachkopf«, platzte es aus mir heraus.
»Angsthase«, schrie er mit grimmigem Gesicht zurück.
Ich starrte ihn ärgerliche an, spürte den Wind, fühlte, wie er sich verfind und sandte ihn dann mit einer schnellen Handbewegung zu Iskar.
Es sah aus, als hätte ihn ein Schlag getroffen, der ihn zu Boden gehen ließ. Er landete auf dem Rücken.
Etwas erschrocken realisierte ich, dass ich ihn eben angegriffen hatte.
Iskar begann zu weinen. Schnell lief ich zu ihm hinüber. Hoffentlich war er nur eine Memme und ich hatte ihn nicht ernsthaft verletzt. Als ich näher kam, hörte ich, dass ich mich getäuscht hatte. Er lag im Gras, kicherte und grinste mich an.
»Na siehst du, so lange du mit mir verbrannt werden sollst, kann uns beiden nichts passieren.«
Ich spürte, wie gegen meinen Willen der Ärger verrauchte und auch ich anfangen musste, zu kichern. Vor mich hin gluckselnd war ich mich neben ihn ins Gras.
Nach einiger Zeit beruhigten wir uns. Er drehte sich zu mir und stützte seinen Kopf auf den Händen ab. Erst jetzt fielen mir seinen schönen grünen Augen auf, die mich interessiert musterten.
»Wie heißt du eigentlich?«, fragte Iskar.
»Marla.«
Er schaute mich noch einen Moment an, dann ließ er sich wieder auf den Rücken ins Gras fallen. »Was denkst du, warum wir das auf einmal können?«
»Ich habe keine Ahnung.«
Iskar biss sich auf die Lippe. »Meinst du, es hat etwas mit dem zu tun, was der Händler bei seinem letzten Besuch erzählt hat?«
»Das mit dem Portal?«
»Ja.«
Ich überlegte. Der Händler, der die Insel regelmäßig mit allem versorgte, das sie nicht selbst anbauen konnten und im Gegenzug jede Menge Fisch mitnahm, hatte erzählt, dass auf dem Festland irgendwo angeblich ein magisches Portal reaktiviert wurde. Bisher schien das aber keine Auswirkungen zu haben.
»Ich weiß es nicht. Oder wir sind Nachfahren von Hexen und es hat uns nur noch keiner erzählt.«
»Und warum können unsere Eltern und Großeltern dann nicht hexen?« Eine berechtigte Frage. Ich zuckte mit den Schultern. »Vielleicht können sie es und wissen es nur nicht?«
Iskar schüttelte den Kopf. »Nein, das glaube ich nicht.«
Eine Weile blickten wir über die Felsen hinweg auf das Meer, dem Horizont entgegen.
»Marla?«
»Ja?«
»Wollen wir es gemeinsam herausfinden?«
Ich dachte kurz nach. »Lass uns erstmal weiter üben. Dann eines Tages vielleicht.«
»Ich habe das Gefühl, irgendwas ändert sich gerade in der Welt. Vielleicht bilde ich es mir auch nur ein.«
»Nein.«
Fragend sah Iskar mich an.
»Ich spüre es auch«, antwortete ich.

Diesen Monat waren dabei:
Eva
Monika Krampl (in der facebook-Gruppe)
Veronika
Rina P.

Das Thema für den 01.05.2018 ist: Vorfreude auf Sommergenüsse

 

Diesen Monat passt zeitlich und thematisch einfach alles zusammen. Denn heute erscheint (hoffentlich im Laufe des Tages) die Wortstürmer-Anthologie „stürmische Geschichten“. Sowohl mein Beitrag in der Anthologie „Die Windmühle“, als auch dieser Text hier, spielen in derselben Welt, in der (viiiele Jahre nach den Geschehnissen in diesen beiden Kurzgeschichten), meine zukünftige Trilogie spielen soll. Ich hatte das Ganze schonmal als #ProjektSchattendrache angekündigt. Mit den Kurzgeschichten versuche ich gerade, mir einen Überblick über die Welt zu verschaffen und ihre Bewohner, so wie die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse kennenzulernen. Wer also wissen will, was es mit dem Portal zu tun hat, über das Iskar und Marla sprechen, darf sich gerne unsere Anthologie (gratis!) holen. Ich verlinke hier im Laufe des Tages, sobald sie verfügbat ist 🙂

**Edit**
Die Anthologie kommt leider erst in den nächsten Tagen, der Osterhase ist wohl irgendwie dazwischengekommen.

Schreibkick #50: Nächtlicher Wolkenzauber

Veröffentlicht am von 5 Kommentare

Hallo ihr lieben,

sooo, ich habe was gezaubert. Aber nur ein winziges Haiku. Ich hatte gehofft, im neuen Jahr wieder mehr zum Schreiben zu kommen, aber mir funkt weiterhin größtenteils der Brotjob dazwischen. Ich wollte aber unbedingt mal wieder dabei sein. Die kleinen Zeilen sind während einer Autofahrt bei Nacht entstanden. Ich hoffe, sie gefallen euch in ihrer Kürze trotzdem 🙂

Wolke am Himmel
vom Wind geschickt auf Reisen
unerkannt bei Nacht

Diesen Monat waren dabei:
Veronika
Eva
Corly
Rina P.

Das Thema für den 01.03.2018 lautet: kommerzieller Valentinstag

 

Kategorie: Schreibkick-Texte | Tags: